Auf den ersten Blick besteht die Gefahr, dass wir mit einem von der Wahl in Sachsen-Anhalt inspirierten Kommentar an der Leserschaft vorbei schreiben. Immerhin geht es hier doch um Spiele, nicht um Politik! Gelegentlich sieht man schon Artikel aus der Szene, die sich darüber lustig machen, dass in Zeiten wie diesen das Spielen für Toleranz-Logo immer mal wieder hochgehalten wird – als ob man damit die extreme Rechte überzeugen könnte! Haha. Oder alternativ: Als ob damit dem Aktivismus genüge getan wäre.
Doch diese Argumentation verfehlt den kompletten Punkt (was allerdings auch Zeit online macht, wenn sie ziemlich genau dasselbe über Konzerte gegen Rechts schreibt). Der Punkt ist nicht, dass man irgendwelche Neonazis überzeugt, dass Politik, die sich daran abarbeitet, wie man anderen schadet, statt wie man die Gesellschaft für alle verbessert, nicht gut ist. Der Punkt ist, dass man Signale aussendet, dass alle anderen nicht allein sind, dass sie sogar die Mehrheit der Bevölkerung stellen.
Die Spieleszene mag vergleichsweise progressiv sein – das geht mit einem sehr sozialen Hobby einher – aber dennoch ist sie weit davon entfernt politisch homogen zu sein. Auch an den Spieltischen begegnet man durchaus Intoleranz gegenüber einzelnen Gruppen. Auch unter Spielenden habe ich schon Diskussionen gelesen, ob es nicht langsam genug mit der Migration wäre.
Als eine Seite, die sich für das Hobby einsetzt, ist es uns als spielbar.com daher wichtig, zu signalisieren, wo wir in dieser Debatte stehen. Dass für uns Toleranz und Vielfalt selbstverständlich sind und dass es für Rechtsextremismus in jedweder Form bei uns keinen Platz gibt. Diese Position symbolisieren wir mit dem Toleranz-Logo und mit der Wiederholung erreichen wir eine Normalisierung. Diese Art zu kommunizieren ist gerade in den Zeiten, wo der – sehr stark vernetzte! – Rechtsextremismus sehr viel sichtbarer und präsenter ist, extrem wichtig. Das Max-Planck-Institut hat in Studien festgestellt, dass rechtsexteme User pro Thema in etwa sechsmal mehr Posts in Social Media absetzen (und in etwa dreimal so viele Accounts benutzen) als andere Benutzer:innen. Dadurch werden rechtsextreme Slogans und Forderungen überproportional stark wahrgenommen. Dagegen angehen kann man nur mit entsprechenden Gegenpositionen, die auch immer wieder wiederholt werden sollten. Wiederholungen sind gut und sorgen für Normalisierung. Spielen für Toleranz (und ähnliche Initiativen) sind eine Message, die wir durch Wiederholung in unseren Räumen normalisieren. Und zumindest bei uns auf spielbar.com geht damit auch eine Grundhaltung einher: Für Toleranz, Vielfalt und Menschlichkeit, gegen Rassimus, Ausgrenzung, Seximus, Homophobie und Transfeindlichkeit. Wir stehen damit explizit für das Gemeinsame, das Verbindende, das Miteinander in unserer Gesellschaft (und am Spieltisch), statt dem “Wir gegen die” des Rechtspopulismus.
Das muss man durchaus immer mal wieder sagen. Auch und gerade jetzt.
Georgios, Jürgen, Matthias, Peer
- Gegenmacht und Spiele - 13. September 2026
- Mount Tsundoku und der Stapel des Grauens - 6. September 2026
- Ist Compress das erste Brettspiel – One Off? - 23. August 2026



