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Mannschaftsvorstellung: Ruthenia

Keine Sorge: Der kryptische Titel wird im Interview aufgeklärt. Dieses Jahr kommt erstmals ein ukrainischer Verlag nach Essen um ein Spiel vorzustellen. Zwar nur als Prototyp, aber jede Erweiterung der Spielelandschaft ist willkommen und so hab ich mal wieder ein Interview geführt!

Bitte stelle doch dich und deinen Verlag kurz vor!

Ich heiße Denys Lonshakov. Ich bin ein Softwareentwickler aus der Ukraine. Die Spiele sind etwas wie mein zweites Leben, wir spielen in der Familie, mit den Kollegen, mit Freunden. Es hat mit mit Carcassone angefangen, beim letzten Besuch in Deutschland  und ging weiter mit der Spielentwicklung.

Wir haben noch keinen Verlag, darum ist es besser von unserer Mannschaft zu sprechen. Sobald es mit dem Spiel klappt, wird es ein Verlag sein. Nun ist es ein großes Experiment mit der ersten breiten Veröffentlichung eigener Autorenspiele aus der Ukraine. Hier haben wir noch keine bekannten Spielverlage. Unser Spiel ist eines der ersten, dass weltweit vorgestellt wird.

Erzähle uns mehr über euer Spiel Ruthenia!

Ruthenia oder Russ’ ist der Name eines der frühesten Staaten auf dem Gebiet des Landes, in dem ich lebe. Es handelt sich um die Zeit des VI – XIX Jahrhunderts und den Kampf von Bysantium, Russ, Bulgarian und Khazarian Khaganates. Daher ist Ruthenia für die Ukrainer in erster Linie ein historisches Spiel. DenSpielern, welche die byzantinische und die Wikingerperiode  der Geschichte gefällt, werden auch dieses Spiel mögen.

Ruthenia ist ein Mix aus einem Strategiespiel und leichtem Kriegsspiel (Wargame). Im Strategieteil ist der Spieler ein Herrscher des Staates. In der Schlacht ist er gleichzeiting der Heerführer. In diesem Sinne kann man die Idee mit der Reihe der Computerspielreihe „Totalwar“ vergleichen.

Einer der Designziele ist die Verringerung des Zufallsanteiles und eine verstärkte Kontrolle in der Schlacht, was ich noch nicht bei den existierenden Spielen gesehen habe.

Eine der Aufgaben war die Entwicklung eines neuen Kampfmechanik, die man mit dem realen Kampfprozess vergleichen kann. Anderersseits sollen die Schlachten schnell gehen, so dass sie nur kurz von dem eigentlichen Spiel ablenken.

Daher ist das Spiel ein Experiment, um etwas neues in die Strategiespielwelt einzubringen.

Im Prinzip geht das Spiel so:

Die Spieler entwickeln ihre Staaten mit der Eroberung der neuen Provinzen und dem Aufbau der Infrastruktur. Die Provinzen, in denen keine militärische oder politische Konflikte sind, zeigen ihre Loyalität, das heißt, sie bringen  Siegpunkte. Bei niedriger Loyalität können die Provinz meutern.

Gleichzeitig bereiten die Spieler ihre Armee auf den Kampf vor. Der Mechanismus der Bewegung der Armeen auf dem Spielplan ist mit solchen Spielen wie „Diplomacy“ oder „The Game of Thrones“ vergleichbar.

Wenn eine Schlacht beginnt, spielt die Fähigkeiten der Truppen in einer Armee eine große Rolle . Dazu wurde ein Kartenmechanismus entwickelt. Dieselben Truppen können eine Schlacht gewinnen und eine andere verlieren. Es ist sehr wichtig, was für die Truppen die gegnerische Seite hat und wie diese Truppen gespielt werden.

Im Spiel gibt es unabhängige Parteien, wie die slawischen Stämme und Nomaden. Sie  dienen dazu, Geschichtlichkeit und Veranstaltungen in das Spiel zu bringen, frischen die Karte auf und lenken die Spieler voneinander ab.

Dazu habe ich alle politischen und militärischen Ereignisse und Aktionen eingemischt, um den grundlegenden Spielablauf zu beleben.

Das Spiel ist noch im Test. Unser Messebesuch in Essen soll sicherstellen, dass jeder das Spiel schon vorab kennenlernen kann.

Was habt ihr für die Zukunft geplant?

Die Hauptaufgabe ist es Ruthenia herzustellen und einen Verlag zu gründen. Ich habe noch einige Ideen für Ruthenia, die getestet werden müssen. Es gibt Ideen für neue Spiele; die Geschichte meines Landes ist reich an Ereignissen.

Erzähle uns ein bisschen was über das Spielen in der Ukraine: Was wird gespielt? Wird viel gespielt oder eher weniger?

Brettspiele sind für die Ukraine erst vor kurzem verfügbar. Es dauerte aber nur ein paar Jahre, bis  die neuen Brettspiele begannen populär zu werden. Es gibt sehr hohe gedanliche Sperren im postsowjetischen Bewusstsein und im Staat. Unsere Gesellschaft ist leider immer noch schlecht entwickelt und viele Dinge kommen zu uns erst mit Verzögerung. Das Gleiche gilt für Brettspiele. Darum haben die klassischen Spiele hier immer noch das Spiele-Monopol. Moderne Spiele sind häufiger in kleinen Gemeinden, die die Fremdsprachen kennen und den Zugriff auf Bestellungen aus Europa und den USA haben.

Im Gegensatz dazu gibt es  in Russland zum Beispiel schon eigene Produzenten und lokalisierte Versionen von bekannten Spielen.

Was spielen wir? Wir spielen die bewährte Spiele wie „Die Siedler von Catan“, „Zug um Zug“, „Funkenschlag“. Allgemein beliebt sind sprachunabhängige Spiele.

Einige Gruppen spielen gerne solche Kriegsspiele wie „Memoir 44“. Es gibt auch Fans von „Starcraft“ oder die Geeks, die nach seltenen Spielen suchen .

Ich spiele auch gerne „Agricola“ und „Puerto Rico“. Aber nicht jeder kann mit mir spielen, weil ich dir deutschen Versionen dieser Spiele  habe .

Wenn Ruthenia fertig ist, in welchen Sprachen wird das Spiel erscheinen und wisst ihr schon, wie ihr es vertreiben wollt, also wie man es beziehen können wird?

Ruthenia wird auf Russisch, Englisch und Deutsch erscheinen.
Russisch ist die Originalsprache. Eine Englische Version mache ich jetzt, um die in Essen vorzustellen. Eine Deutsche Version werde ich später machen, wenn das Spiel und die Regeln total fertig ist. Andererseits wird es schwer aller drei Regelbücher wieder und wieder zu korrigieren. Wir werden auch eine ukrainische Version machen.
Zum Herausgeben werden wir in den USA und Europa  Verlage suchen, zu denen unser Spiel passt. Das sollte die Spiele billiger machen, als sie in der Ukraine herzustellen. Wie ich geschrieben hatte, haben wir noch keine Spielverlage in der Ukraine, die solch ein Spiel hochwertig und billig produzieren könnten. Gäbe es eine ausreichende Anzahl von stark hungriger Spieler für Ruthenia, könnten wir eine Auflage im vorraus herstellen.
Auf der Messe möchte ich auch mit den westlichen Verlagsvertretern über das Spiel sprechen.
Vielen Dank für das Interview!

Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
Peer Sylvester

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