Revenge of the Return of the Blue Erziehungs-Erweiterung Part 7: The Card Game – oder auch Erweiterungen sind überflüssig

Ich liebe Erweiterungen!

Das kommt ganz natürlich. Viele Autoren fangen damit an Spiele zu entwickeln, indem sie ihnen bekannte Spiele ändern oder erweitern. Nicht jeder ist so verrückt wie mein Freund Jörg, der sich mal kurz 400 neue Gene für Ursuppe einfallen lässt, aber viele nehmen erstmal Monopoly und ändern daran etwas und empfinden das als einen erfüllenden ersten Schritt. Dass dies für etliche eine schöne Spielerei ist, zeigt sich schon im Kindesalter, wenn sich viele Kinder genau damit beschäftigen. Gerade, wenn sie merken, dass das Spiel cooler, witziger oder spannender ist, wenn sie da etwas ändern. Das ist aber noch per se keine Erweiterung. Aber ein erster Schritt.

Bei manchen starten dann die Erwartungen, dass sie auch ein Autor werden könnten. Dabei ist das wie so oft einfacher gesagt als getan.

Ich hatte in Weilburg meine Liebe zu Erweiterungen in einen kleinen Vortrag gepackt und dort unter anderem auch die Intention für Verlage angesprochen. Die wichtigste ist wohl eindeutig eine Marke, die man aufgebaut hat, zu pflegen. Wie gut und wertvoll das sein kann, sieht man bei Kosmos. Die nicht nur Catan seit über 20 Jahren pflegen, sondern auch Andor, Ubongo und neuerdings Exit. Da sind alles starke Marken im Markt. Und wenn man bedenkt, dass Hans im Glück heute nicht da wäre, wo es ist, wenn Carcassonne nicht etliche Gehälter bezahlen würde. Auch Lookout ist heute nur da angekommen, wo es ist, dank Agricola. Und Days of Wonder und Zug um Zug muss ich nicht weiter aufzählen.

Ein Dauerbrenner gibt dem Verlag finanzielle Freiheiten, auch Sachen zu machen die gewagt sind, zu experimentieren und mehr Zeit in Projekte fließen zu lassen. Aber zur Pflege gehören vor allem Erweiterungen. Ob das eigenständige, Spin-Offs oder reguläre Erweiterungen sind, ist da gar nicht wichtig. Hauptsache, die Marke wird gepflegt.

Die Kategorie More-of-the-Same bedient dabei die Leute, die gerne etwas Varianz in ihrem Spiel wollen. Die Kategorie Neue-Elemente bedient dabei Leute, die gerne neue Spiele wollen, aber weniger Regel lernen möchten. Alles hat seine Zielgruppe. Und die Sammler nehmen eh immer alles.

Und da höre ich bei einem Podcast rein und höre, wie sie sinngemäß sagen: „Erweiterungen braucht kein Mensch!“

Als meine Söhne sehr klein waren, gab es im Fernsehen eine Sendung mit dem Namen Blau und Schlau. Diese Sendung zeichnete sich dadurch aus, dass die Kinder mit einer Geschichte konfrontiert werden und ab und zu Fragen beantworten müssen. Da es beim Fernsehen ja keinen Rückkanal gibt, beantwortet der Typ im Fernsehen kurz danach die Frage. Das alles wäre nicht so spannend, wenn da nicht der pädagogische Ansatz wäre, der sich den meisten Erwachsenen leider entzieht: Die Sendung läuft fünf Mal die Woche, aber nur einmal die Woche gibt es eine neue Folge.

Genauer formuliert gibt es am Montag eine neue Folge und Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag wird diese wiederholt. Ein Prinzip, mit dem Kinder schon früh erzogen werden. Eltern müssen viele Sachen immer und immer wiederholen, damit Kinder sich das merken. Aber wenn die Kinder aktiv mitmachen, lernen sie es schneller. Das Prinzip haben die Macher von Blau und Schlau bei der Sesamstraße gelernt. Da gibt es einen berühmten Clip, wo James Earl Jones das Alphabet aufsagt und der Buchstabe eingeblendet wird. Am Anfang wiederholen es die Kinder. Nach einigen Malen sprechen sie mit und ein paar weitere Male später sagen sie es vor. Dieses Prinzip haben die Macher von Blau und Schlau aufgegriffen und als Konzept umgesetzt und so eine Lernsendung gemacht die wirklich toll ist. Wiederholen und machen.

Auch im Jugendalter bekommen wir das noch eingetrichtert, wenn wir lernen, wie wir Vorträge zu halten haben (Erst sagen, was wir sagen wollen – dann sagen, was wir sagen – dann zusammenfassen, was wir gesagt haben). Es lebe die Wiederholung. Auch in der Ernährung ist das nicht anders. Wenn kleine Babys ernährt werden und dann irgendwann mit dem ersten Brei anfangen, ist es gar kein Problem diesen Monatelang immer dasselbe zu geben. Abwechslung ist da gar nicht nötig. Der Geschmack und damit die Vielfalt kommen erst später. Dann sind sie groß. Und wer kennt es nicht, dass man viele Sachen erst als Erwachsener für sich entdeckt und auf einmal gerne isst.

Im Spielebereich ist das gar nicht so anders. Wer zum Ersten Mal mit Spielen in Berührung kommt dem reicht ein Spiel für eine ganze Weile. Catan zieht einen in seinen Bann und kann einen für Wochen und Monate beschäftigen. Dann kommt Seefahrer und dann irgendwann Städte und Ritter. Wer das eine Weile gespielt hat, ist dann auch offen für neue Spiele. Als Kind ist es toll 7 Mal die Woche Ravioli zu essen aber irgendwann ist das langweilig. Es bedarf dann einer Abwechslung. Und die erste Abwechslung ist Ravioli mit Gemüse- oder Käse- oder Spinatfüllung statt Fleisch oder einer anderen Soße. Ihr seht das Prinzip.

Als Erwachsener wollen wir nicht dasselbe essen, aber Variationen sind toll. Warum kann das bei Spielen nicht auch so angenommen werden? Sehen diese Menschen diesen Zusammenhang nicht? Cult of the New lautet das Schlagwort, für etliche, die noch nicht so weit sind oder schon so alt, dass sie sich weigern noch was zu lernen und als alte verbohrte Menschen gelten. Geneigte Leser dürfen sich selber einordnen. Aber der Begriff ist leider negativ belegt und das würde ich gerne geändert sehen wollen. Denn Vielfalt und Abwechslung finde ich sehr bereichernd. Aber auch mal wieder Ravioli.

Schwierig wird es mit den Erwartungen. Wer eine More-of-the-Same-Erweiterung erwartet und eine Neue-Elemente-Erweiterung bekommt oder umgekehrt der ist halt unzufrieden. Da müssen die Verlage deutlich kommunizieren in welche Richtung das geht, was die Leute da erwarten dürfen. Diese Kommunikation ist wichtig und sollte nicht vergessen werden. Klar sind Überraschungen toll, aber nur wenn es um eine Überraschung geht. Aber wer sich nicht erklärt der kann andere nur frustrieren. Und hier muss nicht nur einmal erklärt werden, sondern hier müssen wir Verlage (und dazu zähle ich mich auch) auch sowas immer und immer wieder wiederholen. Erziehen ist etwas 1000 Mal zu wiederholen.

Und wer da Erwartungen setzt und dann auf einmal anders agiert, der frustriert. Wer seinem Kind auf einmal ohne Erklärung oder Vorwarnung das Belohnungsschoki verweigert, das es sonst immer gab, der darf sich nicht wundern, wenn das zu Frust beim Kind führt, vor allem nicht wenn da mit Erwartungen gewedelt wurden. Wer Spiele von einem Partner bringt und dann nicht mehr, wer Spiele bringt, aber dann die Erweiterungen nicht mehr, wer eine Serie beginnt und die dann absetzt bevor die Geschichte zu Ende erzählt ist, der darf sich nicht über entspreche Verärgerungen wundern. Es gibt Erwartungen da draußen. Und wer sich denen entgegensetzen will, oder wer einfach was ändern will, der sollte das kommunizieren, nicht nur einmal oder ab und zu oder öftermals. Sondern dauernd! Denn sonst ist jede Entscheidung so überflüssig wie so manche Erweiterung.

Und ich liebe Erweiterungen!

Und wirklich wichtig, weil man es gar nicht oft genug sagen kann: Geht Wählen! Der Deutsche Spielepreis ist eröffnet. Stimmt für die fünf Spiele die eurer Meinung am besten sind. Ohne sie in eine Schublade packen zu müssen. Leider noch ohne eine Stimme für die Beste Erweiterung. https://www.dspvoting.de

Erweiterte Möglichkeiten

Das ist mal eine Frage an die Leser: Atilla schreibt ja so schön von den Spielen, die ihn interessieren. Soll ich da unterbrechen, um mir irgendwas aus den Fingern zu saugen? Springt jeder ab, wenn ich das nicht tue? Wenn ich das tue? Keine Ahnung…

Alles fokussiert sich im Moment ohnehin auf die Messe. Entweder geht es um Spiele, die herauskommen oder es geht um Spiele, die es nicht schaffen rechtzeitig fertig zu werden, weil die Messe dieses Jahr so früh liegt. Oder um Spiele mit unglaublichen Packmaßen. Oder um die beliebten “Diese Leute mögen wir nicht”-Postings, bei denen dann über Leute mit Kinderwagen, Sackkarren, Rucksäcken oder Trolleys gemeckert wird. Ist ja furchtbar wenn man beim Hetzen zum nächsten Spiel 23 Sekunden zu spät kommt, weil irgendsoein unverschämter Autor die Messe nutzt, um seine Prototypen zu demonstrieren. Und er die nicht in einer Hemdtasche unterbringen konnte – Furchtbar!
(Der einzige unangenehme Zusammenstoß letztes Jahr, war ein großer Rockertyp, der mit versteinerter Miene durch die Hallen schritt und keinen Schritt zuseite machte und so alle anrempelte. Er hatte übrigens weder Rucksack, noch Kinderwagen noch Sackkarre, sondern war einfach unverschämt). Aber (fast) genug zur Messe.

Neulich schrieb Matthias auf Twitter (*): Das wird eine Erweiterung, die nicht nur einfach mehr von allem bietet, sondern das Spiel echt erweitert und verändert.

Interessant, dass man das heutzutage extra hinschreiben muss.

Natürlich gab es schon immer neue Karten/Spielpläne/Gebäude für erfolgreiche Spiele. Man denke nur an die zahlreichen Karten für Diplomacy, Empire Builder oder gar Dampfross. Das ist natürlich völlig legitim. Und auch Familienspieler wollen für ihr Carcassonne in erster Linie neue Plättchen.

Dann kam vor allem Siedler von Catan und damit die Erweiterung auf eine größere (oder kleinere) Spielerzahl. Doch vor allem kam mit den Siedlern auch eine thematische und spielerische Veränderung. Seefahrer und vor allem Städte & Ritter veränderten das Spielgefühl und nicht nur die Anzahl an Möglichkeiten pro Zug. Man bekam fast ein neues Spiel mit demselben Grundprinzip und einigen Parallelen. Sowas ist ein bisschen aus der Mode gekommen (meistens sind entsprechende Spiele “standalone“, auch weil das natürlich leichter umzusetzen ist). So sehr die anderen “More of the same”-Erweiterungen ihre Berechtigung haben (ich selber habe mehrere K2-Berge oder Formula De-Pläne), so schade fände ich es wenn die anderen Erweiterungen vernachlässigt werden würden. Gerade bei thematischeren Spielen macht es sinn, neue Ecken, neue Aspekte anzugliedern.

Zudem plagt ein weiteres Problem die Spiele: Maximal 4 Spieler. In diesem Jahr habe ich genau einen Spieleabend mit dieser Spieleranzahl besucht, sonst waren wir immer mehr. Als Resultat sind fast alle Vierer-Neuheiten der letzten Messe bei mir noch ungespielt! Mehr Spieler sind aber oft schwer ohne größere Veränderungen in ein bestehendes Spiel einzubauen. Also bietet es sich an, einen ganz neuen Aspekt in ein Spiel einzubauen, der dann das Spiel auch auf eine größere Spieleranzahl erweitert.

Das ist aber tatsächlich oft nur für einigermaßen erfolgreiche Spiele anwendbar, denn nur dort kann man darauf vertrauen, dass sich Fans tatsächlich in eine solche Umwandlung einarbeiten, statt einfach ein neues Spiel zu kaufen. Eine solche Erweiterung benötigt ja i.A. oft auch eine größere Menge neuer Regeln. Nicht zu reden von dem deutlich höheren Testaufwand…

ciao

peer

(*) Vielleicht war das gar nicht auf Twitter, sondern anderswo. Vielleicht war das auch gar nicht Matthias sondern jemand anderes. Vielleicht war der Text auch ein anderer. Wer weiß? Ich jedenfalls nicht.

Extra für dich und mich und alle

Mit der Spiel in Essen, die in etwas mehr als zwei Wochen auf uns einbricht, gibt es wieder die Diskussionen, die es jedes Jahr aufs Neue gibt. Zu diesen Diskussionen gehört die Masse an Spielen die auf uns einbricht, die Not wirklich die Neuigkeiten zu kaufen oder vielleicht doch lieber die Ramschartikel, die letztes Jahr noch Neuheiten waren und natürlich die Diskussion um die kleinen Goddies, die die Verlage für ihre Spiele anbieten.

Gerade bei den Goodies versteh ich jeden der sagt, dass er darauf verzichten kann, aber eine Diskussion darum geht mir auf den Zeiger. Da gibt es die Vertreter, die der Meinung sind, dass Spiele auch ohne solche Extras vollständig sein sollten, sonst ist es ein schlechtes Spiel.
Ich gehöre zu den Vertretern, die die kleinen Goodies und Extras lieben. Für mich hat sich nie die Frage gestellt ob das nötig ist. In vielen Fällen sind es kleine Erweiterungen, welche das Spiel bereichern oder verändern können. Und in den meisten Fällen ist es auch einen Stärke von dem Spiel wenn es solche Extras verarbeiten kann. Wenn es also mit und ohne funktioniert.

Als positives Beispiel möchte ich mit Carcassonne loslegen. Unabhängig von der Verwässerung durch inzwischen viel zu viele Erweiterungen von sehr schwankender Qualität, ist kein Zweifel das die Idee mit dem Fluss in 2001 eine gute war. Nicht jede Erweiterung muss eine große sein und gerade Carcassonne verträgt das Erweitern um nur ein paar Plättchen, seien es zwölf wie beim Fluss oder sechs wie bei den Kornkreisen. Vor allem die neuen Regeln die sich hiermit einführen lassen zeigen wie flexibel das Spiel ist. Ein dickes Plus.

Ein weiteres positives Beispiel ist Fresko. Das Spiel wird schon mit drei kleinen Erweiterungen ausgeliefert. Für Familien ist das Grundspiel genau richtig und für die Vielspieler können es alle drei Erweiterungen sein. Aber besser sind noch die kleinen Erweiterungen der ersten Erweiterungsschachtel. Mit allen zu spielen bläht das Spiel auf, aber mit nur einer von denen zu spielen schiebt das Spiel in verschiedene Richtungen, je nachdem ob es mehr Glücksmomente sein sollen wie der Brunnen oder die Spieltiefe erhöht werden soll wie mit den Gläsern. Jedes Element ist eine Minierweiterung. Und diese Vielfältigkeit ist eine Stärke. Das hat nichts mit Vollständigkeit zu tun.

Natürlich fällt mir auch ein weiteres gemischtes Beispiel ein. Nicht weil es von der Idee her nicht läuft, sondern weil das Element nicht so toll ist. Asara ist schon während der Entwicklung mit verschiedenen Ecken entwickelt worden und die vier die am Ende im Spiel gelandet sind machen das Spiel sehr rund, aber die einzige Erweiterung mit dem Djinni ist für mich nicht bereichernd. Das liegt aber wieder nur an der Konkreten Ausgestaltung nicht an dem System. Grundsätzlich finde ich die Idee gut und hätte mir gewünscht, das Ravensburger noch mehr Ecken als Bonus nachgeschoben hätte.

Wenn ein Spiel solche Variationen anbietet und auch aushält, dann ist das in meinen Augen eine Stärke. Und gerade wenn nicht alle Erweiterungen auf einmal gespielt werden müssen sondern zwischen diesen gewählt werden können ist das ein Qualitätszeichen. Spiele werden zum Glück nicht von den Verlagen nach diesem Aspekt ausgewählt aber viele Spiele die gut sind haben dieses Element. Selbst Le Havre hat neue Sondergebäude rausgebracht.

Für mich stellt sich die Frage gar nicht ob ein Spiel nur mit den Goodies vollständig ist. Ich spiele viele Spiele der Abwechslung wegen und ich spiele auch gerne gute Spiele mit Abwechslung. Diese Extras gehören dazu. Sie müssen nicht exklusiv sein und sie können auch gerne eine kleine Spende kosten. Sie sollten halt zugänglich sein. Für alle.

Wo noch nie ein Mensch zuvor gesiedelt hat

Vorab: Im Falle Haunted Village/Fatal Frame hat sich was bewegt: Harald von Spielmaterial.de, der Haunted Village hierzulande vertreibt hat das Spiel aus dem Shop genommen. Ein guter Schritt, den ich mir (idealistisch wie ich bin) in ähnlicher Form z.B. auch von Hutter (was Sirius betrifft) wünschen würde. Mittlerweile ist es wieder verfügbar, denn die beiden Parteien (der Autor von Fatal Frame und der Guttenberg von Haunted Village) haben sich geeinigt (wenn ich auch nicht weiß wie).

Doch nun zur eigentlichen  Ansprache: Gelegentlich machen Verlage Dinge, die ich nicht nachvollziehen kann und die ich doof finde. Z.B. Nach einem weltweiten Mapwettbewerb eine alte Karte auf die Rückseite des Indienplans abzudrucken. Oder – das schmerzt mich immer noch – den Formula De “Dankeschön”-Jubiläums-Plan mit nur einer Strecke zu bedrucken und zum selben Preis zu verkaufen, wie die Doppelseitigen. Solche Sachen sind ärgerlich, wenn auch nicht weltbewegend. Nicht kritisieren tue ich dagegen wenn ein Verlag versucht Geld zu verdienen. Wäre das Internet ein Maßstab für diese Dinge, wäre ich damit überaschenderweise in der Minderheit.

Das ist nichts Neues. Immer wenn eine Reihe mit mehr oder minder sinnlosen Erweiterungen und/oder Spinoffs ausgebaut wird, hört man die Stimmen, die “Geldmacherei” rufen.  Hier sind es vor allem die Komplettsammler, die es nicht verknusen können, dass sie entweder Sachen kaufen müssen, die sie nicht wollen oder ein unvollständige Sammlung haben. Alle anderen kaufen nicht, was sie nicht wollen. Beim Gros der Spieler hat sich mittlerweile rumgesprochen, dass diese Verkaufsreihen letztlich den Vielspielern zu gute kommen, da sie eine Finanzierung riskanterer (und interessanterer Produkte) ermöglichen.

Doch jetzt hat diese Problematik eine neue Dimension hinzugewonnen. Der Stein des Anstoßes ist Star Trek Catan, also Die Siedler von Catan mit Enterprise-Thema. Zugegebenermaßen musste ich auch erst einmal verwundert aufhorchen, denn eine homogene oder gar logische Mischung ist das nicht gerade. Aber na gut, ist halt Merchandising und ob die Lizenzgebühren gut angelegt wurden, wird der Markt der Star Trek Fans entscheiden (Die kritisieren höchstens, dass es das falsche Enterprise war: Eine Welt namens Catan (zumindest klang der Name genauso) kam in der Next Generation – Folge “Das zweite Leben” (engl. The inner light) vor.).

Doch statt das Ganze so hinzunehmen wie Star wars Toaster oder Harry Potter Legospiele wird diskutiert und kritisiert – mehr noch auf Boardgamegeek als auf deutschen Seiten. Warum eigentlich?

Ich sehe vor allem zwei Gründe: Erstens ist die Spieleszene einfach sehr narzistisch und sagt sich: “Was ich blöde/unpassend finde, dass ist auch blöde unpassend”. Und man sieht nicht über den Tellerrand. Das die Spieleszene auch ein Markt ist -siehe oben – wird ja auch gerne übersehen. Und zu einem Markt gehört Merchandising dazu. Auch wenn wir davon bislang ziemlich verschont wurden.

Zweitens wird gerne von “Monopolysation of Catan” gesprochen – also dem Ausschlachten einer Marke (siehe Punkt 1: Wir Spieler wollen immer neue Spiele, da stören Merchandisingversionen von alten Spielen nur) wie dies bei Monopoly geschieht. Monopoly ist aber sowas wie der Antichrist der Vielspieler; Wer muss sich nicht gegen den Spruch “Ah, wie Monopoly?” wehren? Und Monopoly drängt immer noch alle anderen Spiele an die Wand. Und wenn Catan als Vorzeige-Euro jetzt einen ähnlichen Weg geht, empfinden dass viele doch ein bisschen als Bedrohung für das Hobby. Dabei wird andersrum ein Schuh draus: Mit den Siedlern von Catan gibt es erst jetzt ein modernes Brettspiel, dass es mit Monopoly irgendwo aufnehmen kann. Um als echtes Merchandising zu taugen, muss ein Produkt universell bekannt und vertreten sein. Anscheinend hat Catan das geschafft. Das ist unterm Strich sehr positiv.

Kaufen werde ich dennoch andere Produkte. Das steht mir frei. Wie jedem anderem auch.

ciao

peer