SOS Dino / Cookies

SOS Dino

Spiel: SOS Dino
Verlag: Loki
Autoren: Ludovic Maublanc, Théo Riviére
Spieleranzahl: 2-4
Alter: ab 7 Jahre (aber auch ab 5 möglich)
Spieldauer: ca. 25 Minuten

Spiel: Cookies
Verlag: Huch!
Autor: Hartmut Kommerell
Spieleranzahl: 2-4
Alter: ab 5 Jahre
Spieldauer: ca. 30 Minuten

Ein gnadenloser Kampf, den nur der stärkste überlebt? Oder nur ein harmloser Vergleich zweier kooperativer Kinderspiele aus dem Hutter Trade-Programm? Der Leser kennt die Antwort!

Beide Spiele sind nicht nur kooperativ, sondern setzen auch voll aufs Material, um das Vertrauen unserer zukünftigen Rentenbezahler (Anm. d. Red.: Pension, Peer, Pension!) zu gewinnen. SOS Dino hat die wohl niedlichsten Figuren meiner Spielesammlung und die wurden schon vor der ersten Partie stark bespielt. Der Rest der Urzeitlandschaft mit 3D-Vulkanen und Bergen und Steinen fällt etwas ab (zumal die Pappvulkane nach mehreren Partien schon etwas ausfransen), passen aber zum Setting und sorgen für Athmosphäre.

Cookies dagegen fährt gleich einen ganzen Ofen auf, ín dem die kleinen Pappkekse gebacken werden sollen – mit Klappe! Zwar muss der jedes Mal auf- und abgebaut werden, wenn man die Schachtel schließen will, aber das geht zumindest deutlich flotter  als das Erstellen der Landschaft bei SOS Dino.

Dass wir kooperativ vorgehen, hat bei SOS Dino einen einfachen Grund: Die süßen Dinos müssen gerettet werden! Ja, Dinos sind ja sooo süße Kreaturen – und gar keine tonnenschwere Killermaschinen mit Federn (*). Gerettet werden müssen sie vor Lavaströmen und Meteoriteneinschlägen und die haben ihren Ausgangspunkt im Beutel: Plättchen ziehen, Anlegen und Dino bewegen (aber nicht den, der gerade durch das Plättchen bestimmt wird) und das wars. Das klingt jetzt nicht gerade taktisch und das ist es auch nicht. Es ist ein Kinderspiel, sogar eines das entgegen der Schachtel auch schon mit Fünfjährigen gespielt werden kann, wenn ein Erwachsener dabei ist und/oder das Kind schon die Regeln kennt. Außerdem geht es hier nicht um Strategie, sondern um Spannung: Wie viele Eier werden wir retten? Kommen wir noch an dem Lavastrom da vorbei? Oh, hoffentlich ziehen wir nicht keine Plättchen vom lila Vulkan! Diese Spannung ist perfekt gelungen. Ja, der Entscheidungsraum  ist sehr klein und das Spiel braucht die Spieler nicht unbedingt, um abzulaufen. Aber dennoch macht der Film Spaß. Es steht bei den Lieblingsspielen meiner jüngeren Tochter auf einer Stufe mit Funkelschatz. Und auch meine Ältere spielt gerne mit – einmal zugeguckt und durch die Spannung eingefangen wurden. Das Spiel macht eine Sache, aber die macht es sehr, sehr gut. Was will man mehr? Der Schwierigkeitsgrad lässt sich durch weitere Hindernisse übrigens skalieren, aber zumindest meine Kinder möchten lieber als strahlende Helden vom Platz gehen und bevorzugen die einfachste Fassung, in der höchstens mal das eine oder andere Ei draufgeht. Spannend ist es dennoch. Hatte ich das erwähnt?

Solche apokalyptischen Untergangszenarien bietet Cookies nicht Genau genommen gibt es gar keine Szenarien. Man muss halt in vier Stunden Spielzeit alle Kekse gebacken haben. Weil die Keksdose leer ist. Mehr erfährt man nicht. Muss man einen Keksdiebstahl vertuschen? Oder wird man fristlos gefeuert, wenn man sein Stundensoll nicht erfüllt? Wird der Betrieb gar von der sozialistischen Planungsstelle geschlossen? Wir wissen es nicht. Wir sitzen nur am Ofen und backen.

Das heißt, eigentlich würfeln wir. Und nutzen dann ein Symbol, möglichst eines, das auf möglichst vielen der drei Würfeln zu sehen ist, denn dann wird wenig Zeit verbraucht. Außer ein Blech ist bereits im Ofen – wo es reinkommt, wenn alle Kekse einer Sorte dort drauf sind – dann wollen wir zumindest ein bisschen, dass die Zeit vergeht, damit wir ggf. das andere fertige Blech backen können. Die Symbole erlauben es entweder Kekse auf dem Blech mit Streuseln zu verzieren oder entsprechend viele Kekse einer Sorte auf ein Blech zu legen. Und dabei fragen wir uns: Warum darf man nur Kekse auf einem Blech bestreuseln? Und warum ausgerechnet 2 pro Symbol und nicht eines oder drei? Hygienevorschriften? Und warum pro Blech nur eine Sorte? Und wieso passt in einen so großen Ofen nur ein Blech? Und die Antwort lautet: Weil es sonst zu leicht wäre. Wo SOS Dino eine Geschichte bietet, bietet Cookies einen Mechanismus. Und einen wirklich schicken Ofen. Der in Sachen „freies Spiel“ aber den Dinos nicht das Wasser reichen kann. Naja. Ist der Mechanismus wenigstens gut? Naja. Zuerst einmal sorgt er nicht für Regelverständnis – Cookies hat einfach viele Vorschriften, welche die Kinder wissen müssen und da tun sie sich schwerer mit als bei SOS Dino. Dabei ist Cookies von den Abläufen her eigentlich das einfachere Spiel. Doch der Teufel steckt im Detail und so fragt man sich noch ganz andere Fragen: Wenn ich ein Blech im Ofen habe und das andere fertig ist – muss ich noch weiterspielen? Habe ich dann gewonnen oder verloren oder hängt das davon ab, wann das erste Blech fertig ist? Wenn ich nur noch ein Blech habe und dort nur eine Kekssorte draufpasst, die aber nicht würfel – was passiert dann? Laut der Regel müsste ich einen Keks naschen, aber wenn dort noch keiner liegt?  Leider stehen die Antworten für diese gar nicht seltenen Fälle nicht in der Regel. Eine andere Regel lässt sich nur mit Hilfe eines Beispieles erschließen. Gerade für ein einfaches Kinderspiel ist  die Regel ungenügend. Zudem fühlt sich das Spielende nach vier „Stunden“ recht willkürlich an – mehr noch, je nach Regelinterpretation kann das Spiel defacto schon einige Runden vorher entschieden sein und wird nur noch zu Ende bespielt. Eine Punktwertung (wie beim Dinospiel) ist optional vorhanden und hätte die Hauptregel sein müssen. Dass man nichts machen kann, wenn ein Blech im Ofen ist und das andere fertig bestückt, mag realistisch sein, ist spielerisch aber sehr unbefriedigend- Zumal es sogar soweit kommen kann, dass die Uhr nicht vorbewegt wird, die Zeit also wortwörtlich stillsteht. „Warten“ ist aber kein sehr spaßbringender Mechanismus.

Alles in allem hält das Material, insbesondere auch die netten Kekse die Kinder eher bei der Stange als das Spiel selbst. Welches Spiel den Ring als Sieger verlässt, darüber kann es eigentlich keine Zweifel geben.

 

(*)Einschub: OK, nur der Tyrannosaurus hatte von den vier Figuren meines Wissens wirklich Federn und war der einzige Raubsaurier im Angebot. Wenn er nicht eh ein Aasfresser war, wie einige Paläontologen vermuten