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Shear Panic / Haste Bock

Verlag: Fragor Games / Zoch-Spiele
Autor: Gordon und Fraser Lamont
Spieleranzahl: 3-4 (Zoch-Ausgabe auch 2)
Alter: ab 8 Jahren
Spieldauer: 30 – 40 Minuten

Die Messeschau auf Spielbox.de und auf Boardgamenews.com war ein Glücksfall für kleine Verlage: Mit ihrer Hilfe wurden die Spieler auf Kleinode aufmerksam, an denen sie sonst vorbeigegangen wären. Besonders profitiert haben 2005 die Brüder Gordon und Fraser Lamont: Ein paar Fotos von sehr niedlichen Schafen und schon war Shear Panic bereits vor Messebeginn ausverkauft. Und weil so Sammlerstücke entstehen, schlugen die Spieler ein Jahr später bei Hameln ebenfalls zu – trotz einer deutlich größeren Startauflage. Hameln konnte die Spieler nicht so überzeugen und die Messeschau ist (vermutlich) Geschichte. Insofern bleibt abzuwarten, wie und ob die Erfolgsstory von Fragor Games weitergeht. Aber hier geht es ja um Shear Panic, nicht um Hameln.

Neun Schafe tummeln sich in einer Herde: Von jeder Farbe deren zwei und als Ergänzung das berüchtigte schwarze Schaf. Zur Kontrolle der Schafe haben die Spieler zwölf Aktionen zur Verfügung – allerdings für das gesamte Spiel, denn eine Aktion ist nach deren Anwendung weg. Diese Aktionen erlauben das Bewegen der eigenen Schafe, das Rammen ganzer Schafsreihen, das Aufreihen an einer Seite der Herde, das Überspringen von Schafen (man sieht ganz thematisch ist das Spiel nicht gerade) und das Drehen der Herde. Doch warum sollte ich etwas tun wollen? Und was überhaupt?
Gleich, gleich!
Jede Aktion verbraucht etwas Zeit – einige Ordnungsmaßnahmen dauern länger als andere und so wird der Fortgang der Zeit mit einem Zeitstein gemessen. Und dieser Zeitstein bestimmt, was gerade Punkte bringt. So müssen in der ersten Phase die eigenen Schafe zusammenstehen, in Phase drei ist Kontakt zum schwarzen Schaf gefragt. Interessant sind die Phasen 2 und 4. Während es in Phase 2 zu einem bestimmten Zeitpunkt punkteträchtig ist möglichst weit vorne in der Herde zu stehen (Die Blickrichtung gibt das „vorne“ an – Und daher ist der Befehl „drehen“ so wichtig), so scheiden in Phase 4 alle Schafe in der ersten Reihe aus und die hinterliegenden Schafe Punkten; Der Schafscherer ist da und kein Schaf will seine Wolle verlieren!

Aus der Beschreibung wird es vielleicht deutlich: Obwohl das Spiel laut Autorenteam vom Thema inspiriert wurde, ist es doch im inneren des Herzens ein abstraktes Setzspiel mit süßen Figuren. Wirklich süßen Figuren. So süß, dass die locker zum Spielen animieren. Das Spiel ist zum Glück ziemlich eingängig, so dass die geköderten Spieler auch dabei bleiben.
Allerdings ist es nicht gerade durchplanbar. Gerade mit mehreren Spielern ändert sich die Ausgangslage zwischen den Zügen sehr stark, so dass man immer für das Hier und Jetzt spielen muss – Lieber jetzt ein paar Punkte holen – oder dem Gegner schaden – als irgendwie an die Zukunft denken. Zwar ist die Manipulation des Zeitsteines außerordentlich wichtig (und wird gerne unterschätzt), aber zum Grübelspiel wird’s dennoch nicht.

Als die Zochausgabe angekündigt wurde, war das Geschrei im Forum groß, denn Zoch hatte angekündigt das Spiel etwas zu vereinfachen. Wie üblich entpuppte sich die Aufregung als heiße Luft: Die Änderungen sind minimal. In erster Linie wurde ein Spielbrett angefügt. Dadurch entfällt die Urregel, dass die Herde immer zusammenbleiben muss und vor allem fehlt das etwas nervige Würfeln zwischendurch, dass dem Angliedern der Herde diente. Spielerisch hält sich diese Änderung in Grenzen, regeltechnisch ist es sicher eine Vereinfachung. Und die ist sinnvoll, richtig sich das Spiel doch in erster Linie an Familien. Sicherlich eine gute Entscheidung war es die tollen Figuren des Urspieles zu behalten und den Rest des Materials in entsprechender Qualität zu produzieren – Das Material der Fragorausgabe war abgesehen von den Figuren nämlich nur von besserer Prototypenqualität.

Tja, eines ist sicher: Ein Spitzenspiel ist Shear Panic in jedem Falle nicht. Ohne die Figuren wäre es sicherlich untergegangen, aber dass heißt nicht, dass das Spiel keine Daseinsberechtigung hätte. Es ist solide Familienspielkost. Und da die Figuren nun einmal da sind und die wirklich dazu geeignet sind, Wenigspieler auf das Spiel aufmerksam zu machen, lohnt sich der Blick allemal. Denn Spiele, die sich wirklich dazu eignen neue Spieler heranzuzüchten gibt es viel zu wenige. Und jetzt gibt es eines mehr.

Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
Peer Sylvester

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