spielbar.com

Puzzle Strike – Deutsche Ausgabe (3rd Edition)

Verlag: Pegasus
Autor: David Sirlin
Spieleranzahl: 2-4
Alter: ab 10 Jahre
Spieldauer: 30-60 Minuten (die ersten Partien eher 20-40)

2011 wurde ich auf den Verlag Sirlin Games aufmerksam und es gab ein Interview zu dem Verlag hier auf der Spielbar und eine Rezension der ersten Puzzlestrike-Ausgabe in der Spielbox (6/11). In der Zwischenzeit hat Sirlin weiter an seinem Spiel gebastelt und mittlerweile die dritte Edition auf den Markt geworfen. Und diese Ausgabe hat Pegasus auf Deutsch aufgelegt- Was hat sich (außer der Sprache) seit damals geändert?

Vorweg: Für alle, die Puzzle Strike gar nicht kennen, aber nicht woanders nachlesen mögen eine Kurzzusammenfassung: Puzzle-Strike ist ein Deckbauspiel, aber mit Chips, die man aus einem Beutel zieht, statt Karten (Das ist nach Spielen wie Orleans mittlerweile nicht mehr so originell wie damals, aber Puzzle Strike war m.W. der erste Deckbuilder ohne Karten). Neben den Spielchips hat jeder einen Stapel Juwelen, der mit jedem Zug wächst. Erreicht der Stapel die 10 hat man verloren. Also geht ein Teil der Energie dafür drauf, den Stapel irgendwie zu verkleinern. Alternativ versucht man dafür zu sorgen, dass die Stapel der anderen noch stärker anschwellen. Beides lässt sich verknüpfen, denn “gecrashte” Juwelen (wie es im Spieljargon heißt) landen beim Gegner. Vieleicht. Diese dürfen die Geschenke aber (richtigen Chip vorrausgesetzt) zurückschicken. Gleichzeitig muss man auch versuchen ausreichend flüssig zu bleiben, denn 1 Chip muss jede Runde gekauft werden. Geht das nicht, handelt man sich eine Wunde ein. Insgesamt ein schneller, sehr interaktives Deckbauspiel. Der Glücksfaktor dürfte so in Dominion-Regionen liegen. Wobei ich mich bei solchen Einschätzungen schwer tue, denn ich bin kein guter Deckbauspieler…

Zurück zur Frage: Was hat sich geändert: Allererstmal wurde die Regel vernünftig bearbeitet. Das war notwendig, denn die Urregel war recht chaotisch – wie man aus den Kommentaren ableiten kann, haben wir damals mindestens eine Partie falsch gespielt (weil viele Formulierungen nicht sauber zwischen der Anzahl und der Summe der Punkwerte der Chips unterschieden).
Auch sind die Chips ordentlich überarbeitet wurden – Puzzle Strike soll turnierfähig sein und Sirlin bastelt daher immer weiter an der Balance. Das betrifft in erster Linie alte Hasen, Anfänger oder Gelegenheits-Puzzlerstriker werden die Balanceprobleme nicht bemerken.

Eine große Änderung ergibt sich beim Spielziel: Generell wird das Spiel jetzt als Zweipersonenspiel beschrieben, mit der Option auch zu dritt oder zu viert zu spielen. Zu zweit ändert sich entsprechend nichts, aber auch mit mehreren endet das Spiel jetzt, wenn irgendein Spieler ausscheidet. Es gewinnt dann der Spieler, dessen Juwelenstapel kürzer ist. Im Falle eines Gleichstandes schießen es die Spieler dann noch aus, was etwas unbefriedigend gelöst ist. Diese Siegbedingung bedingt auch zwei weitere neue Regeln: Zum einen darf man sich jetzt aussuchen, wenn man die zerstörten Juwelen schickt (In der Urfassung gingen die automatisch an den linken Nachbarn). Natürlich an den mit den wenigsten Chips, außer man ist das selbst und versucht das Spiel zu beenden. Zum anderen darf jeder Mitspieler diese Chips abfangen und ggf. zurückschicken (aber natürlich nur insgesamt einer), was eine interessante Dynamik ergibt, denn natürlich versucht man einen Mitspieler zu beschützen, wenn dieser im Begriff ist zu verlieren und sonst eher nicht…
Zusätzliche Dynamik sorgt eine Beschleunigungsregel: Sind Stapel verbraucht, müssen größere Juwelen genommen werden. Die lassen einen schneller über die 9 springen, zersplittern aber auch in mehrere Steine, wenn sie zerstört werden. Dadurch wird das Spiel beschleunigt, was der Spieldauer gut tut.

Ist das Spiel besser geworden? Ja, aber eher im Detail. Wer es vorher nicht mochte, wir es auch in der Pegasus-Ausgabe nicht mögen. Wer es vorher toll fand, wird es jetzt vielleicht noch ein bisschen toller finden. Und wer das Spiel nicht kannte, kennt es jetzt vielleicht ein bisschen besser.

Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
Peer Sylvester

Letzte Artikel von Peer Sylvester (Alle anzeigen)