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Legendary Forests

Verlag: Iello
Autor: Toshiko Sato
Spieleranzahl: 2-5
Alter: ab 8 Jahre
Spieldauer: 15-20 Minuten

Ich muss ja gestehen, dass ich bei den Farben pink, rot und grün nicht als erstes an einen Wald gedacht habe, aber gut. Dass man einen Baum in den Wald pflanzen muss, ist vielleicht auch nicht wirklich intuitiv. Als die Spielanleitung dann begann die Auslage „Planet“ zu nennen und einen der Spieler „Architekt“ ist mir aufgegangen, dass Legendary Forest gar kein Thema hat, sondern nur zufällig einige Wörter in der Anleitung durch irgendwelche anderen Wörter ersetzt hat, fast so, als stammte die thematische Einkleidung von einem Algorithmus, der sich die Spielanleitungen von 500 anderen Legespielen durchgelesen hat und daraus jetzt eine neue Spielgeschichte zusammengebastelt hat. Solche neuronalen Algorithmen können heutzutage ja eine ganze Menge.

Auch das Spielprinzip von Legendary Forest ist eine Mischung aus wohlbekannten Zutaten: Aus Spielen wie Take it easy, Träxx, Das Labyrinth des Pharao oder Bingo (nun ja, ist halt so) stammt die Regel, dass jeder immer das gleiche (zufällig bestimmte) Plättchen in die eigene Auslage legt. Aus so ziemlich jeden Legespiel der Menschheit stammt die Regel, dass abgeschlossene Gebiete mehr Punkte bringen als nicht -abgeschlossene Gebiete und größere Gebiete mehr Punkte als kleinere Gebiete. Aus Carcassonne & Co stammt schließlich die Regel, dass man ein Gebiet überhaupt nur dann punktet, wenn dort ein Pöppel steht (in diesem Fall eben ein Baum, weil ein Baum in einen Wald gehört). Anders als bei dem Vorzeigelegespiel geben weitere Bäume in einem Gebiet aber keine Extrapunkte und man darf sich auch nicht aussuchen, wann man einsetzt: Das wird durch die Plättchen vorgegeben und nur wenige erlauben das Setzen eines Punktegewächses (zudem sind die Pöppel limitiert, wobei gar nicht feststeht, ob man überhaupt alle Pöppel einsetzen darf, da nicht alle Plättchen ins Spiel kommen).

Ist Legendary Forest originell? Mit Sicherheit nicht. Wurde das Spielprinzip auch per Algorithmus entwickelt? Nein, das auch wieder nicht – dazu spielt es sich zu flott und ist auch durchaus auf den Punkt gebracht. Legendary Forest macht das was es soll und das ist eine 20 minütige kleine, nicht allzu anstrengende Puzzelei gefolgt von einer übersichtlichen Wertung ohne allzu viel Gerechne. Wird man in drei Jahren noch von dem Spiel sprechen? Kaum. Ist Legendary Forest ein Must-Have, das in keiner Spielesammlung fehlen darf? Beim besten Willen nicht. Ist es angenehm unterhaltsam? Ja, durchaus. Ist der Regel-Overhead gering genug, um es mal mit Nichtspielern oder seinen Kindern zwischendurch zu zocken? In der Tat. Ist damit alles gesagt? Wohl schon. Vermutlich ja. Denke ich jedenfalls. Oder so.

Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
Peer Sylvester

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