Autor: Uwe Rosenberg
Verlag: albi
Für 1-4 Personen ab 8 Jahren (eher 2-3 Personen ab 12 Jahren)
Spieldauer: 60 Minuten
Der Verlag sagt, Garden Lake sei für Achtjährige geeignet. Regeltechnisch ist das mit Sicherheit richtig – Man nimmt eines von 4 Plättchen und baut es ein. Für volle Reihen/Spalten gibt es Punkte und Bonusplättchen, die man einbaut, für das Umschlingen von Grünflächen gibt es eben diese Grünflächen, die potentiell Punkte bringen könnten und das ist schon so ziemlich alles an Regeln. Betracht man alle Rosenberger Legepuzzles, ist dies regeltechnisch garantiert das schlankeste.
Doch Regeln sind nicht die einzige denkbare Spielhürde.
Eines meiner Frühwerke wurde von knapp zwanzig Jahren mit der Begründung abgelehnt, dass Pentaminos für Wenigspielende zu schwierig zu erfassen seien ‑ Ja, Vielspielende, können mit denen umgehen, aber Normalsterbliche können sich die schwer vorstellen und schon gar nicht im Kopf rotieren oder so.
Bei Garden Lake puzzlen wir mit Heptaminos.
Wie immer man zum Wahrheitsgehalt der oben stehenden Aussage stehen mag, sind die Plättchen aus Garden Lake schon aufgrund der Größe (“Hepta”heißt “Sieben”) schlicht deutlich schwerer zu verpuzzeln. Und wenn man auch noch vier dieser Plättchen zur Auswahl hat, die dann nach ihrer Geeignetheit eruieren muss, dann kostet das schon eine Menge Hirnschmalz. Und ich meine wirklich: Eine Menge! Zudem möchte man ja nicht irgendwie puzzeln, sondern so, dass man möglichst an die richtigen Bonusplättchen kommt (die alle deutlich kleiner sind) und vor allem dann, wenn man sie braucht. Gleichzeitig möchte man noch Gruppen von Graphikelementen auf den Puzzleteilen zusammenbringen. Diese Graphikelemente kommen in zwei Sorten vor – auf jeder Seite des Plättchens eine. Das ist regeltechnisch auch elegant, graphildesigntechnisch intuitiv und Denkprozessig eine weitere Vertiefung.
Ob Achtjährige Garden Lake spielen können? Vermutlich ja. Ob sie es spielen wollen? Eher nein. Es mag zwar das regeltechnisch einfachste Rosenberg-Puzzle sein, es ist aber zugleich auch das schwerste, das

grübellastigste. Es ist ein Spiel speziell zugeschnitten auf alle, denen bisherige Plättchenlegespiele zu wenig herausfordernd waren, allen, die sich unterfordert fühlten lediglich simple Formen irgendwie zusammenzubekommen. Garden Lake, das ist die Champions League unter den Puzzeln. Insofern macht es absolut Sinn, dass Rosenberg hier auf jeglichen Regelschnickschnack oder mögliche strategische Optionen verzichtet hat. Er wollte ein Rätsel in den Mittelpunkt stellen, das ist ihm gelungen. Hier grübel ich, ich kann nichts anderes.
Es ist auch ein Rätsel, dass jeder für sich alleine löst. Einziger Berührungspunkt ist, dass man neben den eigenen zwei Plättchen, auch immer eines der beiden Nachbarplättchen benutzen kann, wenn diese besser passen. Das würde gemeines Hate-Wegnehmen Tür und Tor öffnen, wenn irgendjemand die mentalen Kapazitäten hätte, neben der eigenen Auslage auch noch die Nachbarauslagen zu erfassen und die Plättchenauslage diesbezüglich zu bewerten. Ich schaffe es nicht einmal, die Plättchen, die quasi für meine Auslage anstehen groß in irgendwelche Planungen einzubeziehen. Ich spiele vermutlich nicht in der Champions League. So wie es ist, sorgt die Nachbarschaftsregel vor allem dafür, dass die einzelnen Züge noch länger dauern, weil ggf. ein Plättchen ausgetauscht wurde. Für ein Spiel mit kurzen Spielhandlungen ist die Wartezeit bei Vollbesetzung schlicht zu lang.
Man muss klar feststellen, dass Garden Lake kein originelles Spiel ist. Das war aber auch gar nicht das Ziel – Rosenberg hat hier m.E. explizit versucht das Legespiel mit der größten mentalen Herausforderung zu gestalten – ohne dafür auf ein kompliziertes Regelwerk oder verquere Unintuitivitäten zurückgreifen zu müssen. Und ohne alle Legespiele am Markt zu kennen bin ich einigermaßen sicher, dass es ihm gelungen ist.
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