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Fruit Salad

Verlag: Ludically / Asmodee
Autor: Christophe Boelinger
Spieleranzahl: 2-6
Alter: ab 6 Jahre
Spieldauer: 10-15 Minuten

Als meine Tochter das Spiel sah meinte sie: „Wie willst Du das spielen? Man braucht doch ganz viele Leute dafür!“ Sie dachte an Obstsalat, ein klassisches Kreisspiel, für das man in der Tat ganz viele Leute braucht. Das hier besprochene Spiel heißt aber Fruit Salad und dafür braucht man 2-6 Leute. Das geht noch.
Es funktioniert auch ganz anders, denn niemand steht in der Mitte und möchte raus. Stattdessen möchte jeder seine Karten loswerden oder 5 SP machen, denn dann hat derjenige gewonnen. Das ist ähnlich originell, wie in der Mitte stehen zu müssen. Reihum legt nun jeder eine Karte in die Mitte. Diese zeigen jeweils ein paar Früchte. Sind eine bestimmte (vorher ausgewürfelte) Anzahl einer bestimmten (vorher ausgewürfelten) Obstsorte im Stapel, sollte jemand schnell mit der Hand auf den Stapel hauen, weil er dadurch Siegpunkte und die anderen Karten bekommt. Wenn es denn stimmt. Normalerweise sollte es stimmen, denn eine Frucht zu zählen ist nicht so schwer, nicht mal für Erwachsene. Damit das ganze schwieriger wird, zeigen einige Karten auch kleine Kobolde mit einem Würfel – jetzt muss entweder der Zahlen- oder der Obstwürfel neu gewürfelt werden. Der Zahlenwürfel stört dabei normalerweise nicht. Derr Obstwürfel verändert aber alles, denn die anderen Früchte hat sich keiner richtig gemerkt. Da hilft nur raten oder schätzen – mit dem Risiko falsch zu liegen.

Wenn Sie jetzt einen unerklärlichen Heißhunger auf Pizza bekommen haben, dann denkt ihr Unbewusstsein vermutlich an Mamma Mia von Abacus. Auch da wurde ein Stapel mit Lebensmittelkarten gefüllt. Mamma Mia war aber doch etwas cleverer, weniger simpel und es ging mehr um Gedächtnis, während Fruit Salad mehr ein Geschwindigkeitsspiel ist. Während man sich bei Mamma Mia zumindest rudimentär das eine oder andere merken konnte (und sollte) hängt hier alles am Obstwürfel: In Runden ohne ihn ist Fruit Salad ein reiner Reflextest. In Runden mit ihm wird mehr geraten als gewusst. Dafür sind die aber lustiger. Erwachsenen macht Mamma Mia mehr Spaß, weil es einfach pfiffiger ist. Und Kindern?
Kinder mögen die Einfachheit von Fruit Salad. Kinder mögen das schnelle auf den Stapel klopfen und sie mögen auch die Spannung beim Umdrehen einer neuen Karte und beim Würfel. Anders ausgedrückt: Meine Testkinder mochten Fruit Salad. Ich war zugegebenermaßen etwas überrascht, dass sie es gerne auch einmal selbst wieder herausholten, was ja letztlich der Lackmustest ist, ob ein Spiel wirklich gefällt.

Fruit Salad kommt was den Wiederspielreiz her nicht an z.B. Dobble heran, dass im selben Format erschienen ist und ein absoluter Dauerbrenner ist. Ich vermute, dass Fruit Salad keine Rolle mehr spielt, wenn die Kinder 1-2 Jahre älter geworden sind und neue Spiele kennengelernt haben, denn dazu bietet es letztlich zu wenig neues. Aber wenn sie es bis dahin weiterhin so gerne spielen, ist das ja auch ein Erfolg.

Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
Peer Sylvester

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