Dragon Castle

Dragon Castle

Verlag: Asmodee
Autoren: Hjalmar Hach, Luca Ricci, Lorenzo Silva
Spieleranzahl: 2-4
Alter: ab 8 Jahre
Spieldauer: 30-45 Minuten

Ich mag es ja, wenn ich bei einer Rezension mal so richtig klugscheißen kann: Egal was andere schreiben, ja egal was der Verlag behauptet: Dragon Castle basiert nicht auf dem chinesischen Mahjong.

Der Fehler ist allerdings leicht zu erklären: Dragon Castle benutzt Mahjong-Steine (wenn auch keinen ganzen Satz) und orientiert sich sichtbar an Mahjong Solitaire. Letzteres hat spielerisch aber rein gar nichts mit Mahjong zu tun und ist vermutlich eine Erfindung der Computerspielbranche (allerdings nicht von Activision, die mit Shanghai die bekannteste Version auf den Markt brachten) – wobei die Ursprünge im Dunkeln liegen. Es besteht die Möglichkeit, dass es auf einem nur sehr lokal bekannten, traditionellen Solitärspiel zurückgeht, aber Nachweise dazu fehlen. Wie gesagt sind die Regeln sehr unterschiedlich und von Mahjong Solitaire spricht man nur, weil eben Mahjongsteine benutzt werden. Nach der gleichen Logik müsste man bei Patiencen auch von „Mau-Mau Solitaire“ sprechen…

So, das musste mal raus! Jetzt aber zum Spiel: Wie bei der Vorlage zieht man hier gleiche Steine aus der Auslage. Dabei dürfen (wie bei der Vorlage) nur Steine genommen werden, die am Rand liegen, mindestens einer der Steine muss zudem aus der obersten Ebene stammen.

Anders als bei der Vorlage legt man diese nun wieder irgendwohin, genauer gesagt, auf die eigene Vorlage und zwar mit dem Ziel Gruppen von Steinen gleichen Typs zu bilden – denn dafür gibt es Punkte! Übersteigt die Gruppengröße die vier, wird gepunktet und die Steine werden umgedreht – Das ist wichtig, denn man kann auch auf umgedrehten Steinen bauen und das gibt potentiell noch mehr Siegpunkte.

Durch dieses Brett verschiebt sich das Spielgefühl: Bei der Vorlage puzzelt man ja am eigentlichen Aufbau, mit dem Ziel, alle Steine abzubauen. Hier puzzelt man an der eigenen „Burg“ (so heißen die Steingebilde – Thematisch ist das auch total passend, denn wenn Drachen umziehen, bauen sie die alte Burg Stein für Stein ab und dann… aber lassen wir das) und hofft und plant und betet auch ein bisschen, dass man sich nicht übernommen hat. Nur vier Steine zusammenzubringen ist nämlich sehr ineffizient – eher wird man versuchen verschiedene Grüppchen mit den Steinen zu verbinden und die Maximalgröße von 8 zu erreichen. Hoffen muss man vor allem deswegen, weil das Spiel überraschend schnell vorbei sein kann, Planen sollte man, weil man oft eben Steine aus der Auslage freispielen muss und beten tut man, weil die Mitspieler einen diese Steine oft nicht gönnen. Etwas frustig kann es werden, wenn man immer derjenige ist, der den letzten Stein der obersten Höhe entfernen muss und so den anderen wieder ein frisch bestelltes Feld hinterlässt, auf dem die sich gütlich tun können. Da man aber auch einzelne Steine nehmen kann (was aber selten gut ist), lässt sich das ein bisschen planen.

Überhaupt spielt sich Dragon Castle schön fluffig so runter. Es ist in meinen Augen eher ein 2-3-Spieler-Spiel als ein Vierer, weil jeder Mitspieler das Chaos erhöht und gleichzeitig die Spieldauer senkt – wobei „Spieldauer“ hier nicht in Minuten gemessen, sondern in Spielerzügen. Das Spiel ist einfach zu kurz zu viert! Kann man aber machen. Das Problem ist, dass Dragon Castle für meinen Geschmack sowieso schon etwas zu überdimensioniert daherkommt, für das, was es spielerisch auf den Tisch bringt. Da steckt viel Aufwand drin: Spielertableaus für jeden, tolle Mahjongg-Steine, tolle Karten für noch mehr Siegpunktgedöns und entsprechende verschiedene Wertungen und so, aber es fühlt sich nicht so an, als wäre das eigentliche Spiel so „groß“ wie die Schachtel.

Vom Spielgefühl her, haben wir hier einen wirklich netten Absacker, aber die Schachtel impliziert doch mehr. Das ist sicherlich auch ziemlicher Snobismus von meiner Seite aus, aber ich erwarte einfache Zwischendurchspiele eher in kleinen Schachteln, mit einfacheren Material und weniger Aufwand. Konditionierung, ich weiß.

 

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