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Cinema Code

Autor: K. Gyoungtae

Verlag: Gemblo Inc.

Für 3-8 Spielende ab 14 Jahren (vor allem weil sonst zu wenig Filme bekannt sein dürften)

Spieldauer: 15-30 Minuten (eher 10 Minuten pro Person)

Gemblo Inc ist ein Verlag, dessen Spiele in der Vergangenheit einen hohen Spielzeugcharakter hatten; Insbesondere durch besondere Haptikerlebnisse sollte die Beschäftigung mit den Spielen Spaß machen: Sei es durch die Plastikaxt in Toc Toc Woodman, seien es die Spiegel in Mirror Garden. Für Marble Bobsleight durfte es gleich eine kleine Murmelbahn sein und selbst das namensgebene Flagschiff des Verlages, das abstrakte Gemblo, wurde durch Glasperlen, deren Handhabung einfach Freude macht, aufgewertet.

Bei Cinema Code dagegen bot sich keine derartige Aufwertung an. Das Spiel gehört zum Genre der „Hinweisgeber gibt vage Tipps, die entschlüsselt werden müssen“-Ratespiele und entsprechend gibt es in erster Linie Karten und Pappmarker für Hinweise und Siegpunkte. Wie soll man da den Spielzeugfaktor erhöhen? Eben!

Stattdessen setzt der Verlag bei Cinema Code auf Graphik. Wohlgemerkt, damit ist nicht die Schachtelgraphik oder die Tokens gemeint. Die sind bestenfalls Durchschnitt, aber das macht auch nichts, denn im Zentrum des Geschehens stehen die Karten der Auslage, hier findet das eigentliche Spiel statt: Aus dieser Auslage bekommt eine Person den Film zugelost, den sie den anderen nahebringen muss. Auch die Hinweise werden hier gegeben: „Dieser Film stand aus demselben Genre“ oder „Diese Farbe passt zu meinem Film“. Diese Auslage steht entsprechend die ganze Zeit unter Beobachtung. Insofern ist es eine gute Entscheidung, dass genau hier die ästhetische Verbesseung  angesetzt wurde: Kein Film wird per Titel benannt (dadurch wird das Spiel auch ohne Koreanischkenntnisse spielbar), die Bilder zeigen lediglich eine Graphik, die im Stil irgendwo zwischen „Oink-Schachtelgraphik“ und „Minimalist Filmposter“ liegt. Wo andere Gemblo-Spiele zusätzlichen Spielreiz durch den Spielzeugfaktor bieten, gibt es bei Cinema Code durch die geniale Graphike eine Art Parallel-Spiel, wo es um das Erkennen und Entschlüsseln von Filmpostern geht: Was könnte damit gemeint sein? Ist das Jurassic Park? Nein, das ist Jurassic Park – das erste muss Nachts im Museum sein! Da Cinema Code einen nicht unerheblichen Teil seines Spielreizes aus diesem Aspekt bezieht, ist eine gewisse Vertrautheit mit den bekannteren Filmen der letzten 40 Jahre vonnöten, um sich bei Cinema Code wohlzufühlen. Auch wenn ein paar Blockbuster sicherlich von jedem zugeordnet werden können und auch wenn man für das Erraten eines Filmes diesen bei guten Hinweisen nicht unbedingt kennen muss, geht einem als Nicht-Filmnerd hier doch zu viel verloren.

Nein, ich erkenne auch nicht alle Filme Aber cool ists schon, oder?

Tatsächlich wurden in meinen Runden immer alle Filme schließlich irgendwann von mindestens einer Person erraten. Das ist gut, doch trotzdem fühlt sich  Cinema Code nicht immer auch so positiv an, wie es objektiv eigebntlich müsste: Es gibt fast immer eine Reihe Filme aus der Auslage, die man nicht kennt (insbesondere sind auch einige Koreanische Filme dabei und da kennt man hierzulande jenseits von Train to Busan nicht viele) und so macht sich Unsicherheit breit, ob man alles mitbekommt. Die Hinweise laufen zudem oft über Farben oder Symbolen und sind so naturgemäß vage. Man schwankt daher nicht selten zwischentonlos zwischen „Keine Ahnung“ und „OK, das ist dann klar“ und ist durch einen falschen Tipp zudem durch Untätigkeit verdammt. Ohne das graphische Element würde sich daher schnell ein negatives Spielgefühl darstellen. Aber zumindest für Filmfans wurde durch die Graphik eine Möglichkeit gegeben, sich am Spiel zu erfreuen. Keine Partie, ohne anschließendes Diskutieren der Graphik und das Teilen von filmische Erinnerungen.

Da bietet Cinema Code viel meta. Damit ist Cinema Code kein Spiel für jede Woche, sondern etwas, was man rausholt, wenn die Filmfreaks zu Besuch kommen. Ich hoffe jedenfalls auf Erweiterungen mit neuen Karten.

Peer Sylvester