Celtica

Verlag: Ravensburger
Autor: Wolfgang Kramer / Michael Kiesling
Spieleranzahl: 2-5
Alter: ab 10 Jahre
Spieldauer: ca. 30 Minuten

Ah, Kramer/Kiesling und Ravensburger – Was für eine erfolgsversprechende Kombination! Da denkt man an Spiele wie Tikal, Java, Mexika, Australia und (zugegebenermaßen) auch Verflixxt! (Wobei letzteres immerhin das Nürnberg-Quotenspiel der Jury war und es gerüchteweise auch Leute gibt, die das gerne spielen). Dann hammermäßig schönes Material mit einem detailverliebt gezeichneten Spielplan, der auch ein paar Plünderungen zeigt – Sollte da ein taktisches Kleinod auf uns warten?

Die Regellektüre bringt die erste Ernüchterung: Keine Aktionspunkte fürs Verteilen auf diverse Aktionsmöglichkeiten. Vielmehr läuft eine Spielerhandlung immer gleich ab: Eine Karte spielen und den dazugehörigen Druiden vorsetzen. Na ja, offenbar kein Java, aber immerhin spielen immer alle Druiden mit und jeder kann von jedem bewegt werden, also vielleicht wenigstens ein neues Heimlich & Co?
Nicht wirklich: Es gibt keine geheimen Aufträge oder sonstige Finessen. Karte spielen – vorsetzen – das war´s. Manchmal auch mehrere Karten spielen und den Druiden weiter als nur 1 Feld bewegen. Wozu denn nun eigentlich? Vielleicht eine ausgeklügelte Wertung á la Knizia? Bietet der Spielplan Wahlmöglichkeiten?

Äh…. Nein.

Der Weg ist vorgegeben. Auf einigen Feldern bekommt man neue Karten, was den eigenen Zug verlängert. Auf anderen Feldern bekommt man Amulettteile, die man sich aus der Auslage nimmt. Auf wieder anderen Feldern gibt man Amulette ab und bekommt dafür Erfahrungskarten.
Bevor jetzt aber wieder Hoffnung auf Interessantes aufkeimt: Mit Erfahrungskarten darf man lediglich einen Druiden Extrafelder setzen und bei Spielende Amuletteile austauschen oder (für 2 Karten) neue nehmen. Das Spiel endet wenn mindestens 1 Druide das Ziel erreicht hat (die Runde wird zu Ende gespielt, es sei denn alle Druiden sind im Ziel, was ich aber noch nicht erlebt habe). Nun gewinnt derjenige, der am meisten komplette (aus neun verschiedenen Teilen bestehende) Amulette fertig hat. Das sind zu viert meistens 2, es gibt also einen Tiebreaker – und zwar die meisten Amuletteile überhaupt.

Spielprinzip ist also: Karten so spielen, daß man günstige Felder erreicht und schlechte vermeidet und dann ggf. die Amulettteile nehmen, die man braucht oder – wenn das nicht geht – die zu nehmen, die der Mitspieler braucht. Da dies jeder macht, ist Taktik unmöglich – jeder spielt in seinem Zug die Karte aus, die am besten ist bzw. am wenigsten Schaden anrichtet. Irgendwann hat dann irgendjemand gewonnen. Wer das ist, ist praktisch völlig zufällig, es sei denn jemand hat absichtlich schlecht gespielt.

Also weder Tikal noch Heimlich Co, sondern… wieder Verflixxt. Und eigentlich sogar noch weniger, denn Verflixxt zeigt offen, was es ist, während Celtica den Eindruck erweckt mehr zu sein. Und während man bei Verflixxt wenigstens auf einen guten Würfelwurf hoffen und bangen kann, läuft Celtica völlig automatisiert ab und löst dabei keinerlei Emotionen aus. 30 Minuten lang wird man bei einer Partie beschäftigt – nicht unterhalten. Zugegebenermaßen zwar auch nicht gerade zu Tode gelangweilt, aber ist das wirklich ein Qualitätsurteil?

Was mich aber wirklich aufregt ist das aufgeblasene Material: Als Kartenspiel in einer kleinen Schachtel für 12 EUR mag diese Minimalstidee noch durchgehen, aber als großes Schachtelspiel für 20 EUR bietet es einfach viel zu wenig und wird nicht wenig Käufer maßlos enttäuschen.

Schade!

3 Gedanken zu „Celtica“

  1. Also ich mag Celtica als 2-Personenspiel sehr gerne – taktisch. Deswegen kann ich deine Review als 2-6 Personen-Spiel nachvollziehen, aber nicht als 2-Personen-Spiel. Da ist es nämlich ganz anders und sehr wohl taktisch.
    Das es an sich ein “kleines” Kartenspiel in einer “grossen” Kiste, ist allerdings richtig.

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