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Artline

Verlag: Hobby World
Autor: Till F. Teenck
Spieleranzahl: 2-5
Alter: ab 12 Jahre
Spieldauer: 20-30 Minuten (laut Schachtel, wir haben immer deutlich länger gebraucht)

Bilder von echten Gemälden sind in Spielen geradezu kriminell unterrepräsentiert: In ansprechender Qualität – so wie hier bei Artline – sind sie ein echter Hingucker und haben einen enormen Aufforderungscharakter. Außerdem bietet sich – so wie hier bei Artline –  eine Kooperation mit einem Museum geradezu an und kann so via Museumsshop neue Zielgruppen erschließen.

Allerdings muss auch ein Kunstliebhaber zugeben: Viele Motive alter Meister ähneln sich doch schon ein bisschen: Ein alter Mann mit Hut hier, eine Landschaft dort, ein paar Soldaten zu Pferd, eine Frau mit Baby, ein Gott mit Rauschebart. Das kann spieldesigntechnisch schon einschränkend wirken. Till F. Teenck hat mit Artline aus der Not aber eine Tugend gemacht und die Ähnlichkeiten zum Spielprinzip erhoben: Die Gemälde kommen in die gemeinsame Auslage und wer das zweite Bild in eine Reihe und/oder Spalte legt, bestimmt, was alle aktuellen wie zukünftigen Bilder gemeinsam haben sollen – z.B. „Tiere sind zu sehen“, „Min 3 Leute“  oder „jemand trägt eine schwarze Mütze“. Dabei ist der Zugspieler völlig frei in seiner Auswahl, solange er ein sinnvolles und eindeutiges Kriterium festlegt. Was „sinnvoll“ bedeutet wird in der Regel lang und breit erklärt – aber ganz ehrlich: Ein Problem hatten wir mit den Kategorien nie. Wer hier jetzt versucht die Regeln zu beugen und möglichst grenzwandlerische Eigenschaften festzulegen versucht, sollte wohl etwas anderes spielen. Unser Problem war eher, dass die Kategorien schneller wuchsen als der Löwenzahn in meinem Garten und unsere Merkfähigkeit nicht immer Schritt halten konnte. Der Grund für den Wildwuchs ist schlicht, dass es einfacher ist, sich eine neue Kategorie auszudenken, als ein Bild in eine bereits festgelegte Reihe einzugliedern. Ziel ist es Karten so zu legen, dass es sowohl in eine Reihe wie auch in einer Spalte passt und in beiden die jeweilige Bedingung erfüllt (also min. das zweite Bild ist). Das gelingtvor allem dann, wenn man in min. einen der beiden die Bedingung mit dem legen festlegen kann, sonst bedarf es Glück oder sehr großzügiger Kategorien.

Und an dieser Stelle fiel das Spiel für uns zusammen.

Einmal ist es so, dass man überhaupt nicht vorausplanen kann – man guckt was passt und wenn etwas an Zeile und Spalte passt – Super! – und wenn nicht, legt man halt irgendwo anders an (vermutlich so, dass man selbst eine Kategorie auswählen kann) und zieht eine neue Karte, die hoffentlich besser passt. Die Auslage wächst, aber es passiert nicht wirklich etwas.

Wenn man eine Karte in einer „punkteträchtigen Region“ legen durfte, zieht man keine Karte nach, denn Spielziel ist das Loswerden von Handkarten. Mit dem Effekt, dass man jetzt weniger Karten zur Auswahl hat und damit eine noch geringere Chance eine Karte dauerhaft loszuwerden. Irgendwann hat man nur noch eine, die man versucht irgendwo in der mittlerweile riesigen Matrix unterzubringen, wohlgemerkt, ohne dass man da groß Einfluss drauf hätte. Auch wenn Artline sich an Wenigspieler richtet, ist das Geschehen damit zu eindimensional, es fehlt ein alternatives Spielziel, dass etwas gezielter angesteuert werden kann – Eine Möglichkeit wäre, dass man belohnt wird, wenn man mehrere Karten in eine bereits festgelegte Reihe legt. Das würde nebenbei auch den Wildwuchs etwas eindämmen. So wie es ist, schafft es Artline aber nicht mehr zu bieten als das Hantieren mit wirklich tollen Karten. Das ist schade, denn der Aufforderungscharakter ist enorm.

 

Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
Peer Sylvester

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