Autorin: Jenna Felli
Verlag: Corax Games
Für 2-6 Spielende ab 13 Jahren
Spieldauer: 45-90 Minuten
Bei Cosmic Frog geht es nominell um riesige Frösche, die Teile des Universums verspeisen. Das Thema zeigt, dass man jedes Setting verwenden kann, wenn man es nur richtig verkauft bekommt. Und verkauft bekommt Cosmic Frog das Thema schon aufgrund der Optik und der Kurzzusammenfassung auf der Schachtelrückseite. In der Regel selbst gibt es dann sogar eine Einleitung zum Thema, die in Länge und Vortrag an Rollenspielbücher erinnert- Ob diese Hintergrundgeschichte in dieser Ausführlichkeit ernst gemeint ist oder eine Persiflage auf andere Abrisse in anderen Spielen ist für mich nicht leicht zu ermitteln. Alleine schon wegen des im überzeichneten Ernst eines Mike Pattons dargebotenen Vortrages, vermute ich allerdings schon recht stark, dass hier ein Statement zum Thema “Thema” gegeben werden sollte. Ich möchte das gar nicht verifiziert wissen, denn da kann man nur enttäuscht werden. Ich hoffe jedenfalls, dass das Regelwerk in der vorliegenden Fassung Absicht war, denn selten wurde ein Spiel so unnötig umständlich erklärt. Ich hoffe einfach mal, dass es Teil der Aussage, die Felli abgeben wollte, ist. Vielleicht geht es bei dieser Aussage sogar um das Thema „Eurogame“.

Nun wird niemand Cosmic Frog auf den ersten Blick mit einem Eurogame verwechseln, zu dominant die Miniaturen, die Würfel, die großen Fähigkeitenkarten, das Lore…Doch alles kann ein Eurogame sein, wenn man nur stark genug abstrahiert. Das wird auf den ersten Blick auf das Gameplay untermauert: Prinzipiell läuft man umher, steckt Landschaftsplättchen in den Schlund, wodurch sich die Reichweite des Frosches verkleinert (natürlich tut sie das). Dann muss man ins All springen (nicht fragen) und dort alles gesammelte in den eigenen Vorrat auswürgen (jaja). Das ist trotz aller Thematik eine Logistikaufgabe, bei der man seine wenigen Aktionen effizient ausführen kann. Profieurogamer optimieren sich noch einen kleinen Schutz gegenüber möglichen Angriffen herbei, aber wenn alles friedlich verläuft, sammelt man brav nebenher und hat tatsächlich irgendwie ein Eurogame gespielt. Vor allem die Wertung könnte aus einem Stefan Feld – Spiel stammen. Mit dieser Dissonanz gegenüber den Vibes des Spieles bleibt die Frage: Ist Cosmic Frog nur ein gigantischer Inside-Joke?
Jein. Irgendwann fällt auf: Mundraub ist effizienter als selber essen. Will sagen: Ein Angriff mag mit dem Risiko des Würfelwurfes verbunden sein (wobei es da eine Reihe von mitigierenden Faktoren gibt), aber man bekommt potentiell eben auch deutlich mehr Land aus seiner pobligen Aktion, als wenn man selber sammelt. Eine gewisse Grundaggression ist daher nicht nur sinnvoll, sondern wird ausdrücklich verlangt. Es ist kein Zufall, dass die Spieler nicht abwechselnd, sondern in zufälliger Reihenfolge an der Reihe sind – ein Mechanismus, der mir vorher nur in Tabletops und Wargames begegnet ist. Natürlich: Wenn niemand frisst, gibt es auch bei niemandem was zu holen. Ein reines Prügelspiel á la Kemet ist Cosmic Frog nicht – vielmehr will hier wie bei erwähnten Wargames eine gewisse Logistik beachtet werden. Ein Auge auf potentielle Opfer, ja, aber ein bisschen gezieltes Sammeln ist eben auch wichtig: Zum einen baut man so Kombos auf, zum anderen erinnere ich an die sehr Eurogamige-Wertung.
Ich weiß nicht, ob Cosmic Frog tatschlich eine Persiflage auf Eurogames sein will oder ob Jenna Felli dem Genre einfach eine ordentliche Portion Chaos spendieren wollte, eine Zutat, die dieser Zielgruppe eigentlich meistens nicht so schmeckt. Nun ist das Chaos aber eigentlich nicht die Frage, sondern, wie es den Spielenden gelingt, die Aggressivität in der richtigen Menge einzusetzen: Zu wenig und man spielt im wesentlichen aneinander vorbei. Das ist dann gefällig, aber wirkt in Anbetracht dessen, was das Spiel verspricht, unter Wert verkauft. Zu viel und man kämpft wortwörtlich um nichts. Auch das wäre eine Verschwendung des Systems, das überraschend geradeaus ist (auch wenn die Spielregel das geschickt verschleiert) und nicht zuletzt dank Sonderfähigkeiten erstaunlich subtil sein kann. Tatsächlich ist dies eines der wenigen Spiele, denen ich zugestehe, dass es Sinn macht, sie mit derselben Gruppe mindestens zweimal zu spielen. Normalerweise ist dies ein Zeichen dafür. dass bestimmte Regeln einfach schwer zu fassen, vermutlich sogar unnötig verquer geregelt sind. Hier müssen die Spielenden erst lernen, dass auch das Chaos wohldosiert sein muss und dann diese Dosierung nach ihren Vorlieben auch anzupassen.Was aber nach wie vor nicht ausschließt, dass dies alles nur ein großer kosmischer Witz ist.
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