Das beste Spiel wo gibt

Ich bin ein großer Statistik-Fan. Statistiken sind in vielen Bereichen die einzige Möglichkeit zu verwertbaren Aussagen zu kommen. Was man aber für jede Statistik wissen muss: Wenn ich aus vielen Daten wenige mache, verliere ich immer Informationen. Statistik ist daher auch die Wissenschaft die Daten so aufzubereiten, dass die Aussage dem Bild der Daten in den interessanten Punkten entspricht. Das ist nicht immer einfach – Fussballanalytiker suchen immer noch nach einer Methode ein Fussballspiel so in Daten zu gießen, dass man nur mit den Daten erkennen kann, wer “besser” gespielt hat.

 Mittelwerte und Streumaße der vier Verteilungen sind gleich, ebenso wie die Regression. Dennoch sehen die Bilder unterschiedlich aus… (aus Wikipedia)

Eines der Probleme für letzteres ist zudem dass “der Bessere” eine subjektive Empfindung ist, zudem eine, die sehr schwer quantifizierbar ist. Was bedeutet “besser”? Schöner? Effizienter? Überlegen? Cleverer?

Diese Probleme sind nichts neues, dennoch neigen Menschen dazu Zahlen für objektiver und wissenschaftler zu halten als geschriebene Aussagen. Das gilt (und zu dem Thema gibt es haufenweise psychologische Untersuchungen) sogar dann, wenn den Probanten vorher gesagt wird, die Zahlen seien zufällig zugeondnet oder frei erfunden. Zahlen beruhigen!

So ist kein Wunder, dass die wichtigste statistische Größe bei der wohl wichtigsten Spieldatenbank das “Geekrating” ist, also eine besondere Form der Durchschnittsberechnung. Und natürlich interessieren sich alle für die “besten” Spiele, also die Top-10. Und das obwohl alle wissen, dass jeder User andere Maßstäbe anlegt: Nicht nur persönlicher Geschmack, sondern überhaupt wann welche Noten vergeben werden oder wie mit Genres, die man generell nicht so mag (KIndespiele) umgegangen wird. Hinzu kommen noch User die Hass-Noten gegen Verlage/Autoren/Themen vergeben oder alle Spiele, die sie nicht kaufen wollen mit “1” bewerten oder alle Kickstarter, die gerade laufen mit “10” und was deren Probleme noch alle sind.

Das eigentliche Problem ist aberdass der Durchschnittswert von subjektiven Noten keinen objektiven Wert ergibt (Der Durschnittswert alle Lieblingszahlen der Deutschen ist 8,63 – und damit die schönste Zahl*) . Besonders gut merkt man dieses Problem bei Gloomhaven (mit Abstrichen gab es diesen Effekt auch schon bei Twilight Struggle): Gloomhaven ist derzeit das Spiel mit der höchsten Geek-Wertung. Ist es das beste Spiel? Ist es das Spiel, dass die beste Chance hat, einem zufälligen Brettspieler zu gefallen? Nein.

Gloomhaven hat eine ganz klar definierte Zielgruppe. Außerhalb der Zielgruppe wird es wenig gespielt und weniger bewertet. Die Zielgruppe wird aber perfekt bedient und wertet entsprechend hoch. Hinzu kommt der sehr hohe Preis (gerechtfertigt, bei dem Material, aber eben relativ zu anderen Spielen ein hoher Preis), der schon  mit dafür sorgt, dass sich außerhalb der Zielgruppe weniger Leute das Spiel kaufen und dann ggf. schlecht bewerten, während ein hoher gezahlter Preis immer auch eine höhere Wertschätzung mit sich zieht (Menschen rechtfertigen Entscheidungen im nachhinein um so stärker, desto größer die -in diesem Fall finanziellen -Folgen für sie sind) und auch so die Wertung nach oben zieht. Etwas verkürzt kann man sagen, dass Spiele mit einer breiten Zielgruppe größere Probleme haben hohe Durchschnittsweertungen zu bekommen, als Spiele mit einer klarer definitieren Zielgruppe, einfach weil breitere Zielgruppen inhomogener sind und die Noten daher mehr streuen.

Das bedeutet um heutzutage Nummer 1 bei BGG zu werden muss man entweder etwas völlig neues bieten (wie es bei Pandemic Legacy der Fall war) oder eine sehr klar umrissende Zielgruppe haben, die man perfekt bedient. Dabei muss die Zielgruppe eine Untergruppe des auf BGG häufigsten Spielertypen sein – Fantasy-Rollenspieler im Falle von Gloomhaven. Ein perfektes Civilisationsspiel, ein perfektes Eisenbahnspiel oder ein perfektes storybasiertes Spiel (möglichst Cyberspace vielleicht?) wären andere mögliche Kandidaten.

Auch ein Spiel mit klar umrissener Zielgruppe. Allerdings einer kleinen Zielgruppe. Und das Spiel ist hässlich.

Ist das ein Problem? Jein. Nein, weil das Problem Bestandteil des Geeksystems ist, es ist eben ein Zeichen dafür, dass es der Zielgruppe gefällt – und das sollte ja auch der Kern jeder Bewertung sein. Ja, weil hier verschiedene Zielgruppen miteinander verglichen werden und vor allem, weil die Außenwirkung nun einmal ist “Dies ist das beste Spiel der Welt”, egal was noch kommuniziert wird.

Kann man das Problem lösen? Man könnte statt dem Spielspaß verschiedene Faktoren bewerten: Interaktion, Aufmachung, Eleganz, Einfluss etc. Aber zum einen wird man auch dann nicht am Elefanten “Spielspaß” (wie auch immer der genannt wird) vorbeikommen – und wenn es den gibt, dann wird der auch gerankt! – und zum anderen neigen Menschen dazu , auch die Bewertung dieser Faktoren vom Gesamteindruck abhängig zu machen, wie man z.B. auch bei Hall9000 sieht (Ohne den Bewertern zu nahe treten zu wollen: Burgen von Burgund hat nicht die höchstmögliche Interaktion eines Spieles. Bei Trajan halte ich auch die 5/6 für gewagt – und dass selbst das komplett interaktionslose Don Quixotte noch ein paar 3/6 abbekommt zeigt den Effekt ganz gut – wobei ich nix gegen die Spiele gesagt haben will, BuBu und DQ finde ich sehr gelungen!).

Wenn ich das Problem wirklich für ein Problem halten würde – und das tue ich nicht, dazu messe ich dem Geek-Rating persönlich zu wenig Bedeutung bei – würde ich das Rangking erschweren, in dem ich die Notenskala anpasse. Ich brauche eh keine 4 Abstufungen von “macht keinen Spaß”. ich würde maximal die 5-Sterne-Amazon-Bewertung bevorzugen. Auch da kann man ranken, braucht aber eine Menge Nachkommastellen dazu, was ziemlich transparent machen würde, wie willkürlich die Reihenfolge doch ist – oder man gibt grundsätzlich nur eine Nachkommastella, so dass eine klare Reihenfolge aufgrund vieler Unentschieden gar nicht möglich ist. Darüber hinaus existiert aber keine Lösung, denn willkürlich Spiele runter zu bewerten, weil die Zielgruppe zu wenig diffus ist, führt das System ad absurdum. Also ad absurdumer als es ohnehin letztlich doch ist.

ciao

peer

 

Dieses Spiel finde ich 3,27 Punkte besser als der Durchschnittsgeek – und ist daher in meinen Augen das am meisten unterbewertete Spiel der ganzen weiten Welt.

*(Diese Statistik habe ich mir ausgedacht, aber ich bin sicher es gibt sie irgendwo)

5 Sterne deluxe

Über Noten wurde schon viel geschrieben. Auch hier. Und auch in der Spielbox, in dessen Editional harald Schrapers über die “7” schreibt – die 7 ist halt allgegenwertig bei Rezensionen, die eine Zehnerskala verwenden. Die 7 ist die Note für Spiele, die gut sind, aber eben nicht umwerfend. Die Spiele, die irgendwo solide sind. Die Spiele, die ein Spieler, der eine gewisse Vorauswahl vor einem Kauf trifft, am ehesten zu Gesicht bekommen wird. Die Note, die auch auf BGG schon recht oft gezückt wird – das  Gros der Spiele hat einen Schnitt mit einer 6 oder einer 7 vor dem Komma.

Das Problem ist nun, dass die Skala zwar einen Bereich von 1-10 umfasst, aber eigentlich interessiert gar nicht der ganze Bereich. Ob ein Spiel nun ganz schlecht, ziemlich schlecht oder ein bisschen schlecht ist, interessiert niemanden. Wenn ein Spiel keinen Spaß macht, braucht man keine Abstufung, dafür, wie wenig Spaß das Spiel jetzt genau macht. Umgekehrt interessiert es vielleicht eher schon, ob z.B. Star Wars Aramada wirklich ne ganze Ecke besser ist als X-Wing (und es sich deshalb lohnt, nochmal eine Hypothek aufzunehmen, um da auch noch mit einzusteiegn) oder ob der Spaß nur anders ist… Ist ein Spiel Außerdordentlich oder sehr gut oder nur “solide, kann man gut mal spielen” ist als Abstufung schlicht interessanter.

Die Lösung liegt aber nicht in einer Verfeinerung von Noten, sondern in einer Vergröberung. Letztlich braucht man nur: Schlecht (Vermeide ich, wenns geht), Mäßig/Geht so / Naja (Nicht so dolle, aber erträglich), Nett (spiele ich mit), Gut (Schlage ich vor) und vielleicht noch Sehr gut für die Creme ´de la creme, also um wirklich herausragende Spiele noch einmal würdigen zu können. Und voliá – wie sind beim 5-Sterne-Interneteinkaufspauschalbewertungssytem. Und das nicht von ungefähr, denn das hat sich ja durchgesetzt, weil es intuitiv ist und leicht anzuwenden (auch wenn die Mehrheit der Leute eher 1 als 2 Sterne vergeben). Witzigerweise habe ich das System bereits in Prä-Amazon-Zeiten angewand und wurde prompt gefragt, warum man dann nicht gleich Schulnoten vergibt ( statt 5) – Der Grund: 4, 5 und 6 zu differenzieren macht kaum sinn, wann vergibt man insbesondere eine 6 statt einer 5? Wenn das Spiel “broken” ist? Braucht man da wirklich eine Note für? Das ist doch heutzutagen fast schon ein Ausnahmefall…

Jetzt habe ich prinzipiell viel zu viel geschrieben, nur um zu sagen, dass ich am liebsten überall -uns insbesonderes auf BGG – mit dem 5-Sterne-System arbeiten würde…

 

ciao

peer

 

 

Für eine Handvoll Noten

Die Spielbox diskutiert wieder über das ewige Thema “Noten” und schon gibts bei uns (wieder) die Möglichkeit eine Note abzugeben! Was für ein Zufall! (Einfach auf die entsprechende Rezi klicken)

Ich mag Noten. Und ich mag sie auch wieder nicht. Das Gute an ihnen ist: Man bekommt schnell einen Überblick, wo die Reise hingeht. Und wenn mehrere Noten angegeben werden, sieht man auch, ob der Rezischreiber mit seiner Meinung eher abweicht oder eher den Geschmack der Allgemeinheit trifft.

Auf der anderen Seite wird ihnen doch zu viel Bedeutung zugewiesen. Da wird hier und da um einen Punkt gestritten, da werden Durchschnittsnoten bei BGG als Argument für oder gegen den persönlichen (!) Spielspaß ins Feld geführt, da wird mit subjektiven Noten verfahren, als wären es objektiv messbare Größen und schließlich werden Spiele mit völlig unterschiedlicher Zielgruppe ins selbe Bewertungsschema gepresst, mit dem Erfolg, dass Murks herauskommt: Wer “Diego Drachenzahn” mit “18xx” vergleicht, dürfte genauso Schwierigkeiten haben zu begründen, wenn er dieselbe Note vergibt wie wenn er unterschiedliche Noten vergibt.

Das Problem mit Noten ist also der Umgang mit ihnen, nicht die Note selbst.

Ganz notenfrei ein paar Ersteindrücke:

Illium: Das Spiel ist von Knizia und das merkt man auch. Und das im positiven Sinne. Es ist übrigens schon etwas älter und das ist bei Knizia eher ein gutes Zeichen, wenn man sich seine letzten Neuheiten so anschaut… Jedenfalls ist das Spiel regeltechnisch genial-einfach: Wer an der Reihe ist, deckt die oberste Karte seines persönlichen Stapels auf und stellt -je nachdem was die Karte zeigt – 1-3 eigene Pöppel auf EIN gemeinsames Feld auf dem Spielplan. Anschließend kann der Spieler noch eigene Würfel auf leere Felder ablegen, aber das geht nur sehr begrenzt, denn viele hat er nicht. Der Sinn des ganzen: 3-5 Felder bilden einen Weg und wenn alle Felder des Weges besetzt sind, bekommt der Spieler mit der Mehrheit einen Preis: Der Weg verbindet zwei Orte, in beiden liegen Punktetafeln. Er darf sich aus den beiden obersten eine aussuchen. Die andere bekommt der Spieler, der den zweiten Platz gemacht hat, vorrausgesetzt er hat mindestens die Halb so viele Figuren wie der erste. Gibt es keinen solchen Spieler bekommt der erste Spieler beide Tafeln. ieht man von den kniziatypischen Wertungsdetails ab (Die Tafeln kommen in 5 Sorten, man muss Mehrheiten und Sets bilden und von einigen vorher die beste abgeben) wars das auch schon. Aber das Spiel hat es wahrlich in sich! Nur ein Feld zu belegen – da muss der Einsatz wahrlich überlegt sein! Und dann noch die Würfel (mit denen eine Wertung erzwungen werden kann – wann machen sie Sinn? Wann verpfeffer ich die zu früh? Lohnt es sich hier noch einzusteigen? Aber wenn der andere 3 Steine platzieren darf, bekomme ich nix! Lieber hier den Weg langsam weiterbesetzen? Aber wenn jemand schmarotzt? Gleich dicht machen? Aber so interessant sind die Tafeln im Moment nicht… (Genialerweise werden die Wertungstafeln nach wert geortnet, so dass im Laufe des Spieles immer bessere Tafeln zur Verfügung stehen – dadurch wird der Spannungsbogen ganz natürlich aufrechterhalten) Etc. Dabei wird das Spiel nicht zu grüblerisch, denn man kann ja nur ein Feld besetzen. Mich erinnert es etwas an Durch die Wüste – die Spannung beim Zug ist jedenfalls ähnlich. Wäre es nicht bereits vor zwei Jahren erschienen, hätte es dieses Jahr Chance aufs Treppchen beim Sylvester!

Inotaizu/Kaigan: Ein japanisches Spiel, dass ich direkt beim Autor bestellt habe eine gefühlte Woche, bevor es ein obskurer amerikanischer Verlag für Essen angekündigt hat… (dann erscheint es als Kaigan) Nunja, das Material ist für ein Eigenverlagsspiel absolut geeignet, Regel ist auch in Ordnung, also ärgere ich mich nicht. Es geht um Landvermessung, aber auf recht abstrakte Weise, also nur der Mechanismus: Der Kernmechanismus ist von Zooloretto inspiriert: Reihum legen die Spieler eine Aktionskarte auf das Spielbrett und dürfen anschließend eine Reihe abgelegter Karten wählen, sind dann aber raus. Also muss man abwägen: Wer eine Reihe unbedingt haben möchte, greift zu, bevor sie voll ist, verzichtet also quasi auf Aktionen. Zudem werden die Aktionen spaltenweise abgehandelt, so dass u.U. auch eine Rolle spielt, wer früher dran kommt. Ein schöner Mechanismus! (Den ich bereits vorher in einem Prototypen eingebaut habe… Mal sehen was ich damit jetzt mache). Aktionen sind im Wesentlichen das Versetzen von Landvermessern gegen Geld und das Benutzen der Landvermessern auf dem Land, wo sie stehen gegen Geld. Oder man setzt auf einer von drei Leisten vor, die Leisten bringen Geld und/oder Siegpunkte. Geld ist verdammt knapp! Das haben wir in unserer ersten Partie deutlich zu spüen bekommen – sein Startkapital von 20 wird man nie auch nur annähernd erreichen… Insgesamt hat mir das Spiel wirklich gut gefallen. Es spielt sich angenehm flott, da jeder reihum ja nur eine Aktion durchführt / auf den Plan legt. Zwischendurch wird gewertet, auch das geht flott. Insgesamt haben wir ne Dreiviertelstunde gespielt und das ist für ein Spiel dieser Güte wirklich kurz. Zudem es scheinbar viele Strategien gibt: So kann man sich auf wenige, aber lukrative Ländereien konzentrieren oder versuchen viel Kleinkram abzustauben und man kann sich auch sehr auf die Leisten konzentrieren. Gut gemacht, wirklich! Nur die Endwertung ist mir etwas unnötig ausführlich. Bei einer zweiten Partie wars dann doch deutlich grüblerischer was wohl an den Beteiligten lag ;-) Spaß hats aber wieder gemacht – allerdings war wieder die Geldwertung am Ende entscheidend, was -sollte das häufiger vorkommen -vielleicht etwas eintönig wird. Bislang aber auf meiner “Gerne Spielen!”-Liste

Armorica: Kartenspiel von Vainglorious Games, Asara, Kamisado, das auch in Deutschland erhältlich ist. Wer an der Reihe ist, nimmt sich eine Karte aus der Auslage. Dabei bestimmt die Anzahl der Weizensymbole welche Karte er nehmen kann: Bei einem Weizen ist nur die erste Karte verfügbar, bei 2 Weizensymbolen, kann auch das zweite Weizen genommen werden etc. Die Karten tragen außer Weizensymbole noch andere Symbole und die kommen in der zweiten Phase zum tragen: Die funktioniert wie die erste, nur dass außer Weizen oft andere Symbole gefragt sind. Und in der dritten Phase müssen genügend Amphoren vorhanden sein, sonst muss man Karten abgeben. Am Ende gibt es Punkte für verschiedene Kartenfarben und Symbolmehrheiten. Man sammelt also Karten und versucht die Symbole so zu balanzieren, dass man möglichst große Auswahl hat (also flexibel bleibt), das Punktekonto aber nicht außer acht lässt. Das spielt sich flott runter, ist aber kein Brüller. Zu viele Kartensammelspiele kennt man schon und zu wenig neues oder geniales findet man in diesem Spiel. Ich würds nochmal spielen, auch um zu sehen, wie es sich mit mehreren spielt (bislang nur eine Dreierpartie), habs aber nicht eilig damit. Übrigens: Der Startspieler wechselt jeder Runde im Uhrzeigersinn. Wir habens in den Regeln nicht gefunden, ist aber dennoch so!

Asara Ein neues Ravensburger-Spiel von Kramer/Kiesling und es ist sicherlich das beste Ravensburger-Spieler seit den Baumeistern von Arkadia. Gut, dass heißt nicht viel, aber man merkt gleich, dass die beiden ihr Handwerk verstehen: Der Grundmechanismus ist wirklich gut und intuitiv: Wer eine Aktion machen will, legt eine Karte an die enstprechende Stelle. Wenn jemand anderes dasselbe machen möchte, muss er eine Karte derselben Farbe dahinlegen (und der Platz muss frei sein). Hat er keine passende kann er stattdessen zwei beliebige Karten ablegen, um die Aktion trotzdem durchzuführen. Aber das kostet defacto eine Aktion, denn in jeder Runde agiert man nur so lange wie man Karten spielen kann. Dieser einfache Kniff verstärkt den ohnehin großen Druck eigentlich alles als erstes machen zu müssen noch (Die Aktionen sind umso stärker, desto früher sie durchgeführt werden. Und der Platz ist begrenzt, so dass eine Aktion gegen Rundenende schlicht nicht mehr zur Verfügung stehen könnte). Das ist wirklich gelungen. Leider ist das Spielthema und -ablauf selbst etwas abgelutscht: Man baut Türme, die man aus zu kaufenden Einzelteilen zusammensetzen muss und bekommt Punkte für viele Türme und für die höchsten Türme und für Türme mit Bonuskrams. Das hat man im Prinzip schon oft gesehen und auch Asara bietet da nicht völlig revolutionäres. Aber das Spielprinzip ist gefällig, die Runden durchaus spannnend. Die Baumeister von Arkadia (völlig anderes Spiel, aber das letzte Ravensburger Highlight) waren viel besser, aber gut ist Asara allemal (viel besser als das eher langweilige Zeeland jedenfalls).

Kamisado: Regeltechnisch ist dieser Zweier obersimpel: Beliebig weit über freie Felder vorwärts ziehen. Das Feld auf dem man landet bestimmt, den Stein, den der Gegner bewegen darf. Wer die Grundlinie erreicht gewinnt (das Grundspiel). Einfach und in den ersten Züge einer Partie kann und muss aus dem Bauch heraus gespielt werden. Dann wirds immer taktischer, dann strategischer, dann hat einer gewonnen und es sind kaum 20 Minuten vergangen – Super! Interessant, ohne grüblerisch zu sein, intuitiv ohne banal zu sein. Mich erinnert es etwas an Sid Sacksons Netzwerk oder an das Agentenkomptor, da auch hier alleine das Stellungsspiel entscheident ist. Anders als bei den eben genannten kommt es bei Kamisado aber nicht vom ersten Zug auf fehlerfreies Spiel an und ist dadurch deutlich weniger anstrengend zu spielen. Kommt nicht an meinen Zweier-Primus Hive ran, ist aber ein echtes Highlight! Rezension folgt, sobald ich endlich mal Zeit für ein paar Partien mit den Erweiterungsregeln gefunden habe!

ciao

peer