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Zenith

Autoren: Grégory Grard, Mathieu Roussel

Verlag: PlayPunk/Asmodee

Für 2 oder 4 Personen ab 12 Jahren

Spieldauer: 25-35 Minuten

Ganz ist mir nicht klar, warum das Spiel Zenith heißt. Vermutlich, weil es einigermaßen cool klingt. Der -neben Geld – einzige Rohstoff im Spiel heißt übrigens Zenithium.

Es ist aber auch ein bisschen egal, denn Zenith ist ein Tauziehspiel: Gleich an fünf Planeten wird mittels anliegender Kartenauslage gezogen. Tauziehspiele sind generell nicht allzu thematisch angelegt, da ist es dann egal, wie die Rohstoffe genannt werden. Diese Art von Spielen sind bereits rein mechanisch intuitiv genug, als dass narrative Anker benötigt würden: Prinzipiell reicht schon ein Blick auf das Spielbeispiel: Man legt eine Karte an seine Seite an, und der Planet rutscht näher. Irgendwann rutscht der Planet vom Brett und man hat ihn eingefangen und kann ihn meistbietend verkaufen oder so, jedenfalls kommt er ins eigene Lagerhaus, zu den anderen Planeten. Genug Planeten gesammelt und man gewinnt (Die Galaktus-IP war vermutlich zu teuer).

Zwei Planeten auf dem Weg zum Zoo

Wäre das alles, wäre das eine etwas stupide Angelegenheit, die zudem niemals enden würde, wenn nicht gerade einer der Spielenden zwischendurch einschläft. Daher haben die Karten eigentlich noch immer weitere Aktionen. Und wo weitere Aktionen sind, da muss noch auch noch ein weiterer Kniff her und in diesem Fall ist es, dass das Kartenspielen Geld kostet, angenehmerweise aber weniger, wenn bereits mehr Karten am entsprechenden Planeten liegen. So haben wir nicht nur ein Tauziehspiel sondern auch Ansätze eines Engine Builders. Dadurch wird das Spiel schon um einiges interessanter und dynamischer, aber sehr abhängig davon, welche Karten gezogen werden. Das wird jetzt dadurch kompensiert, dass man mit Karten auch mehr anfangen kann, als sie lediglich dazu zu nutzen, auf Sieg zu spielen: Man darf damit auch vor allem einen von drei Bonustrack entlanglaufen, die eben jenes Zenithium benötigen, um Knalleffekte auszulösen. Dabei ist die Eskalation hier noch einmal deutlich größer, als bei den Planeten selbst, so das mit etwas Anlauf hier der Spielsieg lauert. Die dritte Alternative fällt dagegen eher in den Bereich „Verlegenheitszug“ und ich habe noch nicht erlebt, dass jemand, der hier deutlich mehr agieren muss als der Gegenüber auch nur in die Nähe eines Spielsieges kommen würde.

Generell neigt Zenith zu Kantersiegen: Mit etwas gutem Timing und Glück werden plötzlich gleich mehrere Planeten in abgeschöpft und vergoldet. Das ist kein Nachteil: Durch die Fragilität wird Spannung erzeugt und gleichzeitig aber eine gewisse Lockerheit beibehalten ‑ Die Karten sind so unterschiedlich, dass große Strategien kaum möglich sind. Auch sind durch Kaskadeneffekte überraschende Aufholjagden möglich, vor allem wenn die andere Person kartenbedingt leiser treten muss. Zu zweit ist Zenith sicherlich beachtenswert.

Doch Zenith ist ein Beispiel wie stark ein Spiel durch einen Partnermodus aufgewertet werden kann, wenn der mehr bietet als „abwechselnd dran zu sein“. Das gelingt vor allem aufgrund zweier Kniffs: Zum einen sind beide Personen eines Teams nacheinander an der Reihe, bevor das Team wechselt. Dadurch sind die Züge noch einmal in ihrer Auswirkung stärker, die oben erwähnte Fragilität des Tauziehens wird noch sehr viel mehr gestört, es passiert viel mehr zwischen den Zügen, die Eskalation ist größer und damit das Spiel spannender.

Zum anderen agieren beide nur an jeweils drei Planeten (die Mitte gehört beiden), was bedingt, dass sie sich Karten übergeben. Dazu dient der Teil, des Spieles, den ich oben als „Verlegensheitszug“ bezeichnet habe und der dadurch sehr stark aufgewertet wird. Jetzt sind es plötzlich die Bonusleisten, die weniger beackert werden, weil dafür nicht auch noch Zeit ist. Zudem darf sich abgesprochen werden (so lange das öffentlich geschieht), so dass durchaus ein Teamgefühl entsteht: Man agiert gemeinsam, nicht einzeln. Beach-Volleyball statt Team-Springen um mal Olympische Metaphern zu verwenden. Gerüchteweise mögen Vielspielende keine Partnerspiele, weil sie lieber alleine gewinnen. Falls das je gestimmt hat, ist es jetzt, im Zeitalter der Kooperativen Spiele, hoffentlich veraltet. Partnerspiele erweitern die sonst so vorherrschenden Möglichkeiten, wie ein Spiel ausgehen kann und Zenith zeigt dies auf sehr einfache Art und Weise.

 

Peer Sylvester
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