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The Book of Dragons

Verlag: Trefl
Autor: Adam Strzelecki, Pawel Suski, Wojciech Wisniewski
Spieler*innen: 2-5
Alter: ab 8 Jahren
Spieldauer: etwa 25 Minuten

Drachen sind cool. Das hat mir mein Sohn erklärt, als ich ihn gefragt habe, warum ihm The Book of Dragons gefällt. Meine Erfahrungen waren je nachdem mit wem ich gespielt habe sehr unterschiedlich. Aber die unverkopfte Antwort, dass Drachen einen unwiderstehlichen Reiz auf junge Menschen ausstrahlen, rückte einige meiner Überlegungen zum Spiel in ein neues Licht. Denn The Book of Dragons ist ein Kinderspiel.

In The Book of Dragons bietet man reihum auf ausliegende Drachenkarten. Diese Gebote werden in Form von Würfeln ausgelegt, welche das jeweilige Mindestgebot überbieten müssen, um auf einer Drachenkarte platziert zu werden. Wird man überboten, kehren die Würfel zum ursprünglichen Besitzer zurück und werden jeweils um 1 Punkt erhöht. So hat man zwar die Karte nicht erhalten, aber kann nun umgehend mehr bieten als zuvor. Alternativ kann man auch, wenn zu Beginn des Zuges eigene Würfel auf einer Karte liegen, auch die Karte an sich nehmen. Das wiederum hat zur Folge, dass die so zurückgekehrten Würfel um je 1 Punkte reduziert werden. Man konnte zwar Siegpunkte holen, aber startet nun etwas geschwächt in die nächste Runde. Das Ergebnis ist ein taktisches Platzieren, Bieten und Überbieten, welches von vereinzelten Sonderfähigkeiten der erworbenen Drachenkarten kurzfristig verändert wird.

Die Abläufe und Regelfeinheiten sind nicht besonders kompliziert. Aber The Book of Dragons ist nicht deshalb ein Kinderspiel, weil es besonders einfach oder banal ist. Selbst wenn viele Erwachsene das vielleicht so empfinden mögen. Es ist ein Kinderspiel, weil es in seinen klaren Handlungsoptionen und den kurz- bis mittelfristigen Planungen, gerade unerfahrene Spieler*innen an taktisches Spielen heranführt.

Erfahrene und kundige Vielspieler*innen werden hier nicht durch innovative und ausgefallene Designkniffe beeindruckt. Der Reiz des Spiels liegt auch nicht darin, dass man sich in hintergründige, psychologische Wettkämpfe verliert, weil ich weiß, dass du weißt, dass sie weiß, dass er weiß, dass ich weiß…. etc.

Die Würfelgebote stehen, jetzt geht es nur darum, ob und wer überboten wird.

The Book of Dragons ist ein einfaches Bietspiel, welche gerade weniger erfahrene Spieler*innen einlädt sich an vorausschauendes Spielen heranzutasten. Ein taktisch abgegebenes Gebot, welches nur allein dafür da ist, von jemand anderem am Tisch geschlagen zu werden, ist gerade für junge Spieler*innen ein tolles Erfolgserlebnis. Plötzlich hat diese „Niederlage“ ein höheres Gebot möglich gemacht.

Zumindest in meinen Runden schien Lob und Schulterzucken ziemlich genau entlang einer klaren Altersgrenze (und zum Teil auch Spielerfahrungsgrenze) zu verlaufen. Wer viel spielt, nickt das Spiel unaufgeregt ab. Wer noch jung und/oder unerfahren ist, ist von den möglichen Spielzügen fasziniert.

Allein die Sonderaktionen, die manche Drachen den Besitzern verleihen, bleiben zu bodenständig. Sie sind wirkungsvoll, aber auch recht naheliegend und hier hätte etwas mehr Einfallsreichtum oder Mut zum Ungewöhnlichen auch Vielspieler*innen überzeugen können. The Book of Dragons fährt hier zu sehr in bekannten Wassern, statt neue Höhen zu erklimmen. Es ist eine verpasste Chance.

Übrig bleibt ein unaufgeregtes Kinderspiel, welches zumindest wegen seiner erst auf dem zweiten Blick kindertauglichen Aufmachung, auffällt. So mancher Nachwuchs kann sich für feuerspeiende Riesenechsen einfacher begeistern als für die quietschbunte Welt der Niedlichkeiten, mit denen viele Kinderspiele sonst gestraft sind. Denn Drachen sind, wie ich kürzlich von einer Fachperson unterrichtet wurde, cool.

Georgios Panagiotidis

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