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Just One

Verlag: Repos Production
Autoren: Ludovic Roudy, Bruno Sautter
Spieleranzahl: 3-7
Alter: ab 8 Jahren
Dauer: 20 Minuten

Just One ist eine einsteigerfreundliche Wortraterei mit Partyspiel-Charakter. Seine große Stärke liegt ohne Frage darin, dass es sich rasend schnell erklären lässt. Ein Spieler muss mit Hilfe seiner Mitspieler einen zufällig gewählten Begriff erraten. Diese entscheiden sich einzeln für genau einen Tipp, der aus genau einem Wort besteht. Bevor diese Tipps jedoch kommuniziert werden dürfen, entfernen die Tippgeber alle Mehrfachnennungen. Wenn also mehrere Tippgeber den Begriff PlayStation mit den gleichen Worten umschreiben, hat der Ratende weniger Hinweise, um seine Aufgabe zu lösen. Nach jeder Runde wechselt der ratende Spieler und nach etwa 13 Runden ist das Spiel zu Ende. Je mehr Begriffe richtig erraten wurden, umso besser ist die Endabwertung.

Das ist alles. Der Kernmechanismus ist kurz und knapp und durch unerwartete Dopplungen gibt es immer wieder Überraschungen, die zu Lachern führen. Mit wenigen Regeln wird hier erfolgreich Unterhaltung geboten, die schon nach wenigen Runden stagniert.

Das große Problem an Just One ist seine Monotonie. Außer dem Ratemechanismus gibt es keine Anzeichen dafür, dass versucht wurde ein vollständiges Spiel abzuliefern. Die erste Runde unterscheidet sich strukturell in keinster Weise von der letzten. Oder von irgendeiner Runde dazwischen. Ein Spannungsbogen wird bestenfalls durch den High Score angedeutet, wenn man versucht in großer oder kleiner Runde ein fehlerfreies Spiel hinzulegen. Außer besonders ehrgeiziger Spieler lockt man damit aber kaum jemanden hinter dem Ofen hervor.

Dabei hat so eine Runde Just One durchaus das Potential zu mehr, wenn denn das Regelwerk die subtile Dynamik, die sich beim Spielen entfaltet, aufgreifen würde. Just One kann man nämlich durchaus als entfernten Verwandten von The Mind verstehen. Während bei letzterem die langsame Angleichung zwischen den Denkmustern der Spieler die Gruppe immer näher an den Erfolg brachte, führt sie bei Just One zum genauen Gegenteil.

Zu Beginn fällt es leicht Tipps zu wählen auf die sonst wohl niemand kommt. Es ist keine große Kunst ein wenig um die Ecke zu denken, um zum Begriff Vulkan weder Lava, Pompeji noch Eruption zu schreiben, sondern Spock. Auch in der zweiten Runde kann man bei Haselnuss vielleicht noch zwischen Allergie, Nutella oder Heino springen. Aber im Laufe des Spiels passiert das unvermeidliche, man beginnt ein ähnlichen Bahnen zu denken. Man kommt auf die selben Ideen. Es wird immer schwieriger „anders zu denken“. Prinzipiell ist das eine spannende und interessante Dynamik, die sich ein Spieldesigner zu Nutze machen könnte. Umso bedauerlicher also, dass Just One hier einfach nichts liefert.

Es gibt keinen Regelkniff, der diese Entwicklung aufgreift um die Spieler zu fesseln. Kein Veränderung im Rundenablauf, die dem Spiel einen interessanten Abschluß bietet. Die Achilles-Verse von Just One bleibt seine Unfertigkeit. Nachdem man ein oder zwei Mal selbst raten durfte, hat man alles gesehen was das Spiel zu bieten hat. Aber man wird das Gefühl nicht los, dass in dieser Idee noch mehr stecken könnte.

Was nicht heißen soll, dass Just One keinen Spaß macht. Die Partyspielstimmung kommt nicht wegen der bunten mitgelieferten Filzstifte auf. Eine unerwartete Dopplung bei den Tippgebern ist immer ein Garant für Gelächter. Aber Just Ones Halbwertszeit ist deutlich kürzer als man es von vielen vergleichbaren Spielen wie Codenames oder When I Dream kennt. Das lässt sich dann auch in einem Wort ausdrücken: Enttäuschung.

Georgios Panagiotidis

Einst als Podcaster unterwegs, schreibe ich nun über mein liebstes Hobby: Brettspiele in all seinen Variationen, Facetten und Eigenarten.
Georgios Panagiotidis

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