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Festival

Verlag: Grimpeur
Autor: Shinsuke Yamagami & TCD
Spieleranzahl: 4-5
Alter: ab 10 Jahre
Spieldauer: 20 Minuten

Es ist kein Geheimnis, dass ich seit dem letzten Jahr ein Fan von japanischen Kartenspielen bin: Traders of Carthage gewann den Sylvester, R-Eco gehört immer noch zu meinen Lieblings-Absackern. Hinzu kommt noch das etwas ältere Fairy Tale, das ebenfalls ein sehr ansprechender Vertreter seiner Gattung ist, bei dem allerdings die vielen, vielen Vernetzungen und Karteneffekte für eine (für einen Absacker) etwas hohe Einstiegshürde sorgen.
So ist es kein Wunder, dass ich mich auch dieses Jahr für die japanischen Vertreter der Kartenspielgattung interessiere. Leider konnte ich bislang nur eines spielen, das aber ausreichend oft für eine Rezension:
Festival erweckt auf den ersten Blick den Eindruck eines Fairy-Tale-Light, denn auch hier werden Karten in einem (vereinfachten) Draftmechanismus ausgeteilt. Die Effekte sind aber deutlich überschaubarer. Wenn sich dieser erste Eindruck verdichten würde, wäre das eine tolle Sache…

Der Startspieler zieht auf jeden Fall eine Karte mehr als Spieler teilnehmen, sieht sich alle Karten an, sucht sich eine aus und gibt den Rest weiter. Der nächste sucht sich seinerseits eine aus etc. Der letzte hat logischerweise die Auswahl zwischen zwei Karten. Ist das was schlechtes? Erst einmal nicht. Die Karten unterscheiden sich in erster Linie durch ihre Farbe (es gibt deren fünf) und in zweiter Linie in ihrem Punktwert, der ein oder zwei Sterne beträgt. Außerdem haben die Karten noch eine Zahl zwischen 1 und 9, doch dazu gleich mehr. Zurück zur Frage:
Nein, am Anfang ist es ziemlich egal, welche Karte man nimmt. Am Ende irgendwann nicht mehr, denn man möchte möglichst alle 5 Farben mindestens einmal haben, von einigen (möglichst vielen) Farben mehr Sterne haben, als die Mitspieler und dabei sollten nicht so viele Doppelsternkarten dabei sein. Genau dann nämlich maximiert man seine Punkte (Es gibt Punkte für verschiedene Farben, für Mehrheiten und zweite Plätze in Farben und Punktabzug für Doppelsterne).

Da man in der ersten Runde aber noch nicht weiß, was noch kommt, ist die Kartenwahl egal. Klar ist jedoch, dass es im Laufe des Spieles immer mehr darauf ankommt, die Karten zu ziehen, die man wirklich braucht – die fehlende Farbe oder ein fehlender Stern in einer bestimmten Farbe, in der man um die Mehrheit kämpft. Zum Glück kann man beeinflussen, wann man Karten ziehen kann:
Wählt man nämlich eine Karte aus, darf diese verdeckt oder offen abgelegt werden. Klar, wer die Karte verdeckt ablegt, hat den Vorteil, dass die Mitspieler nicht wissen, welche Karten man sammelt. Wer offen ausspielt hat aber den Vorteil, dass man zuerst auswählen darf: Neuer Startspieler wird nämlich der Spieler, dessen Karte die kleinste Zahl zeigt – und um das zu nutzen, muss man die Karten offen spielen. Der Startspieler kann dann die Karten an den Spieler seiner Wahl weitergeben. Dabei müssen aber erst Spieler bedient werden, die in der letzten Runde Karten offen gelegt haben.
Zusammengefasst gilt also: Wer seine Karte offen legt, verrät was er gerne hätte, hat aber generell mehr Auswahl. Wer sie verdeckt legt, hält seine Wünsche geheim, muss aber auch mit dem auskommen, was übrig bleibt. Eigentlich ein ganz nettes Dilemma.

Leider bleibt es letztlich bei „eigentlich“. In der Praxis spielt sich Festival etwas zu simpel – selbst für ein Absackerspiel fehlt Substanz. Dabei ist das Grundprinzip gar nicht schlecht, aber der Bonus für alle 5 Farben ist so hoch, dass sich kein Spieler erlauben kann, darauf zu verzichten – durch die verdeckten Karten ist es aber (besonders zu fünft wo mehr Karten vergeben werden) fast unmöglich einen Spieler gezielt von der fehlenden Farbe fern zu halten. Und die Mehrheiten sind so knapp und so zufällig, dass wirklich fieses oder auch nur gezieltes Spielen schwer fällt. Das ist umso bedauerlicher, als dass Grundgedanke und Auswahlmechanismus durchaus gefallen können – Vielleicht hätte eine sechste Farbe gut getan, und zum Ausgleich ein paar Drei-Sterne-Karten (die dann noch mehr Punktabzug bringen als die Doppelsterne).
In der vorliegenden Form ist Festival aber ein ziemliches Durchschnittsspiel, dass man spielen kann, aber beileibe nicht muss.

Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
Peer Sylvester

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