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Blooming Sea

Autor: Reiner Knizia

Verlag: Korea Boardgames

Für 2-4 Personen ab 8 Jahren

Spieldauer: Etwa 30 Minuten

Ein Knizia – Legespiel mit L-Förmigen Teilen, die jeweils drei Farben zeigen und in dem man sowohl versucht gleichfarbige Gruppen zu vergrößern, als auch Fische einzubauen? Gab´s das schon mal? Ist Blooming Sea eine Neuauflage?

Der Salat führt 3:2 gegen die roten Puschel, aber noch ist eine Seite des Fisches offen.

Keine Ahnung, laut BGG nicht, aber es fühlt sich mit Sicherheit so an. Das mag dem Spielverlauf geschuldet sein, der sich in großen Teilen an Spielen wie Sid Sacksons Klassiker Wu Hsing oder Maureen Hirons Klassiker Continuo orientiert, nur eben mit L-Förmigen-Teilen, die das mehrfache „Anhängen“ an größere Gruppe deutlich erschweren. Diese dennoch doch eher gewöhnliche Legeaufgabe wird kombiniert mit der Idee der Mehrheitenbildung um wertvolle Objekte. Auch das erinnert an bekanntes, allen voran an Dirk Henns Carat/Gärten der Alhambra, in dem Sinne, dass auch hier punkteträchtiges Platzieren schwierig wird, will man den anderen keine Vorlage für die wertvollen Fische liefern. Dirk Henns Spiel ist dabei allerdings deutlich schärfer, weil zwangsläufig jede gelegte Karte den anderen irgendwie hilft, während Blooming Sea genug Platz hat, um Plättchen woanders punkten zu lassen, wo sie nicht weiter stören.

Blooming Sea wirkt auch deswegen eher klassisch, weil es wieder dem aktuellen Trend eine allgemeine Auslage gibt, auf der alle gemeinsam herumpuzzeln. Gemeinheiten sind dennoch kaum zu erwarten: Den einzigen Konkurrenzkampf gibt es um die Fische herum (die danach übrigens anscheinend aussterben) und der Erfolg in diesem Bereich hängt doch sehr von den gezogenen Plättchen ab – und wie sich die Auslage mehr oder minder zufällig in Fischnähe entwickelt. Mit der fehlenden Konfrontation geht aber in diesem Fall auch Spannung verloren. Das Leben unter Wasser plätschert eher so nebenher aneinander vorbei. Auch das kann ein Pluspunkt sein, schließlich ist entspanntes Legen auch ein meditativer Wert an sich. Nur ist das Unterwasserlegen nicht so entspannt, sondern durch ständiges Grübeln, Schauen, Drehen und Rechnen geprägt: Gibt es hüben mehr Punkte oder drüben? Und wenn ich mein Teilchen anders herum halte? Aha. Und wenn ich es noch dreimal umdrehe? Am Dreiklang aus Gucken-Drehen-Grübeln ändert sich im Verlauf einer Partie auch nicht viel; Blooming Sea ist ein sehr typischer Vertreter der „Mach-das-Beste-aus-der-Karte“-Sorte, einem eher altgedientem Genre, zu dem Knizia selbst mit Einfach Genial bereits Großes beizutragen wusste. Blooming Sea fügt dagegen dem Spielekorpus leider so rein gar nichts neues hinzu, keinen Kniff, keinen Mechanismus, nicht einmal ein besonderes Thema. Um es auf den Punkt zu bringen: Es gibt nicht nur originellere Legespiele, es gibt auch originellere Legespiele von Knizia, die ebenfalls bei Korea Boardgames erschienen sind. Alternativen sind also vorhanden und Blooming Sea liefert kein wirkliches Argument, warum man sich nun ausgerechnet für diese Legespielvariante entscheiden sollte.

Solide Haumannskost hat nun zwar auch seinen Wert, aber ich gehe dafür nicht extra in ein Restaurant, respektive lerne neue Spielregeln.

 

 

 

#Spiel2025

Peer Sylvester
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