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Die Nachrichten des Jahres

Aller Vorraussicht nach ist das Jahr bereits um.

Nächste Woche ist Weihnachten (wer jetzt errötet und ein „Ich muss weg…“ murmelt hat noch keine Weihnachtsgeschenke gekauft) und da werde ich  wohl nicht viel Nennenswertes mehr posten. Und dann ist bereits Sylvester-Time mit meiner eigenen Preisverleihung. Folglich eine gute Gelegenheit bereits jetzt mit einer kleinen Jahresrückschau das Ende von 2011 einzuläuten. Was ist mir in Erinnerung geblieben? Nicht viel, gebe ich zu, bestimmt habe ich die eine oder andere wichtige Meldung vergessen und lass mich da gerne ergänzen. Aber bislang nehme ich aus 2011 folgende Themen mit:

Michael Sohre ist tot: Ich gebe zu, dass ich keine Thetaspiele besitze. Dennoch ist der Tod Sohres natürlich ein Verlust – für Angehörige und Freunde, aber auch für die Spieleszene. Sohre hatte einen ganz anderen Spieleansatz als andere Erfinder, Autorem oder Verlagschef und als solcher hat er die Spieleszene bereichert. Z.B. mit dem Theta-Stone, der uns sicherlich noch öfter begegnen wird.

Selecta zieht sich zurück: Eigentlich war immer zu hören: Der Vielspielermarkt ist übersättigt, aber dem Kinderspielbereich geht es gut. Kinderspiele verkaufen sich besser als der Hauptpreis „Spiel des Jahres“ . Größere Verlage konzentrieren sich auf Kinderspiele und finanzieren damit auch die Erwachsenenspiele. Trotz dieser Meldungen zieht sich einer der wichtigsten Kinderspielverlage aus dem Brettspielsegment zurück. Selecta gewann alleine zweimal den Kinderspielpreis des Jahres (und war noch 8x nominiert) und galt zusammen mit Haba als Primus. Jetzt sehen sie keine Zukunft mehr im Kinderspielsegment. Warum auch immer. Wenn der Kinderspielmarkt tatsächlich so lukrativ sein sollte, wie man so hört, wird wohl früher oder später ein anderer Verlag in die frei gewordene Lücke springen, Wenn nicht, wird mans nächstes Jahr als Zeichen deuten, dass der Brettspielmarkt doch irgendwie am Scheideweg angekommen ist. Ich jedenfalls tue es mir schwer, diese Meldung einzuordnen: Vorreiter der Apokalypse oder Einzelentscheidung eines Verlages, der schon lange etwas ausserhalb der Szene stand? (IIRC hat Selecta bereits letztes jahr z.B. auf einen Stand in Essen verzichtet).

Viele Apps, viele Onlineseiten, viel digitales Spielen: Videospiele sind ursprünglich aus Brettspielen entstanden (zumindest wenn man die Geschichte großzügig lesen will…) Jetzt wächst zusammen was  zusammengehört. Noch niemals gab es so viele Meldungen dass das Spiel X auf der Seite Y online gespielt werden kann oder es eine Apps auf dem Gerät Z dafür gibt. Oder beides. Kaum ein erfolgreiches Spiel ohne digitale Version. 2011 war vielleicht nicht der Wendepunkt, aber das Jahr, wo sich die Apps/Onlineversionen endgültig durchgesetzt haben dürften – teilweise erscheinen digitale Versionen mittlerweile vor den „echten“ Spielen, was neue Möglichkeiten des Testspieles bietet. Da kommen althergebrachte Seiten kaum noch mit: Der News-Teil auf Boardgamegeek, der sich mit iOS-Versionen beschäftigt ist umfangreicher, als der, der sich mit Brettspielen beschäftigt. Da mag ich kaum zugeben, dass ich mich diesem neumodischem Kram weitestgehend verweigere, weil ich Brettspiele doch lieber vis-a-vis Spiele. Ich glaub ich werd langsam eben doch alt und obsolet.

Kickstarter: Im Mai habe ich bereits alles über Kickstarter gesagt. Fast alles. Denn seitdem ist Kickstarter förmlich explodiert. D-Day Dice hat (trotz exorbitanten Portokosten nach Europa) mit 345.000$ Funding einen neuen Kickstarterrekord aufgestellt (für Spiele), war aber nicht allein, was astronomisch Dollarzahlen betrifft. Kickstartern ist das neue Vorbestellen. Zumindest in den USA werden im Moment wohl mehr Spiele „gefundet“ als „gepreordered“… Die Blase wird platzen, da bin ich sicher, denn die Spiele bei Kickstarter sind kaum besser als die woanders -eher im Gegenteil – und der Wundertüteneffekt wird früher oder später nachlassen. Im Moment aber genießen alle den Kindergeburtstag. Und die Spannung: Klappt es oder nicht? Und: Ist das Spiel wirklich so gut wie das Video?

7 Wonders gewinnt (fast) alles: Nicht nur neue Onlinespiele gab es, sondern auch mehr Auszeichnungen als je zuvor. Kaum ein Land (oder eine Organisation) ohne eigenen Spielepreis. Und 7 Wonders hat fast alles gewonnen. Und mit Recht – ich bin zwar nicht der größte Fan des Spieles, erkenne aber an, dass der Autor hier gezielt versucht hat, etwas neues zu machen und nicht dem normalen Trend zum Worker-Placement-Mittelalter-Aufbauspiel mitzugehen. Und wie sagte schon ein gewisser W. Kramer „Man darf Trends nicht hinterherlaufen, man muss sie setzen“. Das gilt nach wie vor. Schön, wenns auch belohnt wird.

Plagiate etc.: Weniger schön, dass die Internationalisierung in 2011 auch ihre böse Seite gezeigt hat. Mag man das „Selbstplagiat“ von Ruhm für Rom / Uchronia noch belächeln und den Fall Kunterbunt/Dobble als Zufallsprodukt bewerten, so hörts doch spätestens bei Thats my Fish und dem brasilianischen Eiertanz auf. Plagiatsfälle auf internationaler Ebene werden zunehmen – es ist aber an Autoren, Verlagen und Händlern gemeinsam dafür zu sorgen, dass dies aber niemals von Erfolg gekröhnt sein darf und dass sich ehrliche Arbeit weiterhin auszahlt. Links zum Thema sind z.B. dieser hier und der und der. Und natürlich der hier auch. (Interessant auch: Klickt man in der Tagcloud auf Urheberrecht, findet man 3 Beiträge aus diesem Jahr gefolgt von einem von 2008- sicher auch ein Zeichen der Zeit).

Die doppelte Venus: Positiv formuliert: Jetzt steht endgültig fest, dass man keine ebay-Preise mehr zu zahlen braucht. Praktisch jedes Spiel, dass irgendwann von irgendwem irgendwie dufte gefunden wurde, wird neu aufgelegt und das meist noch besser und sowieso schöner als die Originalversion. Mittlerweile streiten sich sogar zwei Verlage darum, wer jetzt eigentlich den Reprint, auf den wir seit x Jahren warten, endlich machen darf. Mal sehen wie viele Kopien der Venus 2012 im Handel sein werden. Und von wem. Ansonsten: Siehe letzter Punkt.

Ein Traum in Anthrazit: Und last aber sowas von nicht least: Die Jury stellt mal wieder was auf den Kopf. In diesem Fall kommt ein neuer Titel hinzu- Vermutlich damit der Hauptpreis auch einfach gehalten sein darf, ohne dass sich jemand beschwert. Was nicht klappt, wie man im Forum sieht. Was aber besser klappt, als in den Jahren davor, wie man auch im Forum sieht. Auch weil die Jury, immerhin, Methode im Wahnsinn gezeigt hat. Naja, es verlängert die Preisträgerlisten und wenn das Internet etwas braucht, dann sind das längere Listen. Ansonsten bleibt unterm Strich; Solide Arbeit, Ungünstige Kommunikation im Vorfeld und das Fehlen des Beweises der Existenznotwendigkeit. Und viel blabla.

Und dem kann ich nun wirklich nichts mehr hinzufügen!

Frohe Weihnachten!

ciao

peer

Peer Sylvester
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3 Kommentare

  • Hm.. zu Weihnachten werden immer wieder Brettspiele (gerne) gekauft, aber wie du richtig erwähnt hast primär für Kinder. Alle jubeln sie, dass Brettspiele immer unter den Top 10 der Geschenke sei… Ich finde es schade, dass Jugendlich / Erwachsene immer weniger spielen. Aber, dass Selecta komplett weg sein wird, glaube ich nicht – oder möchte es nicht glauben…

  • Ich frage mich andauernd, was eigentlich passieren könnte, damit das Jahr nicht bald rum ist?

    Ansonsten guten Rutsch!