spielbar.com

NEXT

Autoren: Lukas Setzke und Verena Wiechens

Verlag: Noctis Verlag

Für 2-5 Personen ab 12 Jahren (theoretisch kann man es auch mit mehr als 5 Personen spielen, dann dauert es aber entsprechend länger)

Spieldauer: 15-30 Minuten (eigentlich eher 5-10 Minuten pro Person)

Aus einer Mücke einen Elefanten zu machen, ist eigentlich gar nicht so schwer, immerhin sind es ja beides Tiere. Aber wie macht man aus einem Turm einen Rücken? Bei NEXT ginge das z.B. so: Turm – Schach – Figur – Bauch – Körperteil – Rücken.

Nur: Können die anderen am Tisch diese Kette auch irgendwie nachvollziehen? Immerhin ist NEXT ja kooperativ und das heißt: Meine Gedankensprünge müssen auch dann nachvollziehbar bleiben, wenn man die Kette nur so sieht:

Turm – S – F – B – K – R

Und als zweites Wort liegt jetzt vielleicht aus der Perspektive der Ratenden das „Schloss“ näher. Zwar bekommt man pro Fehlrateversuch auch noch den nächsten Buchstaben, aber das ist ja auch wieder dasselbe – Also schnell einen Joker gezogen! Auch die stehen zur freien Verfügung, wenn auch begrenzt und höchst unterschiedlich in ihrer Wirkung – es hilft bedeutend mehr einen Begriff zeichnen zu können (wenn man denn zeichnen mag) oder die Kategorie einzuschränken (hier wäre es wohl „Spiel“), als etwa die Länge des Wortes zu bekommen oder gar nur Beantworten zu dürfen, wie oft ein Buchstabe im Wort vorkommt (was in erster Linie hilft, Begriffe auszuschließen). Natürlich ist es Spielziel, die Ketten aller Mitspielenden zu erraten, ohne allzu viele Fehler zu machen, da sollte man gelegentlich den einen oder anderen Joker fest einplanen, um den anderen über beispielsweise Schachbezogene Hindernisse zu helfen.

Begriffe einer Farbe gehören zum selben Schwierigkeitsgrad. Aus einer Tomate einen Pilz zu machen ist bedeutend einfacher als aus einem Lieblingshobby Bibi Blocksberg. Vor allem weil die anderen auf letztere ja nun auch irgendwie kommen müssen.

Ich mag Spiele, wo man doppelt knobelt: Einmal um eine lösbare Aufgabe für die anderen zu erstellen, zum anderen, um die Aufgaben der anderen zu lösen. So bekommt man quasi das Beste aus beiden Welten: Die Knobelaufgabe und das Gemeinschaftsgefühl, das sich aus der gemeinsamen Aufgabe ergibt. NEXT schafft beides dank Jokern und Buchstabenvorgabe bei Fehlversuchen mit positivem Spielgefühl. Die Aufgabe ist mMn nicht ganz so elegant wie etwa bei So Kleever, dafür ist die Ratephase potentiell interessanter, weil mehr passieren kann und man auch große Blockaden und unvorhersehbare Gedankensprünge mit genügend Einsatz der verfügbaren Werkzeuge doch irgendwie noch aus dem Weg geräumt bekommt und nicht zusehen muss, wie die anderen, die bereits richtigen Begriffe wieder abräumen, um etwas ganz sinnfreies hinzulegen.

Ganz im Sinne der aktuellen Trends haben die Verantwortlichen NEXT zudem einen Kampagnenmodus spendiert, bei der die Aufgaben natürlich sukzessive schwieriger werden, aber auch interessante Startwörter -z.B. die eigenen Vornamen – zum Zuge kommen. Das ist witzig und für spielende Familien sicherlich brauchbar, wenn auch nicht unbedingt nötig, wenn man im Einzelspielmodus etwas mehr Übersicht über die zahlreichen Stellschrauben (Schwierigkeitsgrad der Wörter, Länge der Kette, Anzahl der Joker, Maximale Anzahl der Fehlversuche) gehabt hätte. So besteht ein bisschen die Gefahr des Magic-Maze-Syndroms: Man spielt die ersten Level oft, die späteren gar nicht. Insgesamt aber eine kreative Lösung, für ein gänzlich anderes Symptom: NEXT ist abseits der Kanpagne in der Kernaufgabe nicht so wild wie So Kleever, die Aufgaben ähneln sich auf Dauer daher mehr – was eben auch daran liegt, dass die Kombinationen aus dem Start und dem Ende der Kette bereits kuratiert wurden. Die Kampagne hält so zumindest die Möglichkeit am Leben, mehrere Partien in kürzerer Abfolge zu spielen.

Peer Sylvester
Letzte Artikel von Peer Sylvester (Alle anzeigen)