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Verlagsübersicht: Broadway Toys 2026

Dies ist ein Post im Rahmen unserer diesjährigen #Essen2026 – Berichterstattung: Broadway Toys war so freundlich mir bereits jetzt die zwei diesjährigen Neuheiten zukommen zu lassen und hier sind sie:

Bubble and Shadow

Autor: Kai Zu

Für 2-5 Personen ab 10 Jahren

Spieldauer: 30 Minuten (eher 5-10 Minuten pro Person)

Silbermond und Kupfermünze ist ein Roman von William Somerset Maugham aus dem Jahre 1919 und dieser Roman hat absolut nichts mit dem Spiel zu tun. Das mag anders vom Verlag kommuniziert werden, aber der Verlag liegt da falsch.

Der Roman erzählt eine fiktionalisierte Geschichte eines besessenen Malers, der alle in seinem Umfeld ins Verderben reißt. Im Spiel handeln wir mit Monden, Silberstücken und Seifenblasen.

Spielmittel sind große Karten mit aufgedruckten Handelswaren auf den Stirnseiten. Wer dran ist gibt einem anderen eine dieser Karten. Ähnlich dem Auswahlmechanismus „Ich schneide du wählst“, darf die andere Person die Karte drehen, wie es passt. Dann geben beide die Waren an ihrem Ende der Karte an die jeweils andere Person und voilá! Der Handel ist perfekt. Nun muss man handeln, wenn man kann, aber man kann durchaus Karten legen, mit Dingen, die man gar nicht hat. So ist der Trick zu versuchen Dinge zu bekommen, die man will und dabei abzugeben, was man sowieso nicht hat. Seifenblasen sind am Ende nicht nur wertlos, sondern schmeißen einen sogar aus der Wertung, wenn man zu viele davon hat. Silbermünzen sollte man dagegen schon haben (aber nicht zu viele), um in die finale Wertung zu gelangen, wo letztlich die Person mit den meisten Monden die meisten Siegpunkte einsacken darf.

Diese mehrstufige Wertung tauchte m.W. erstmals in Himalaya (später Lords of Xibit) auf, die Verwendung in einem reinen Tauschspiel ist schlicht genial, weil dadurch für jeden die Wertigkeiten der drei Währungen leicht unterschiedlich sind: Eine Person hat vielleicht genug Münzen und möchte lieber Monde bekommen (oder gar Münzen loswerden), jemand anderes muss verzweifelt Blasen loswerden, während andere da so wenig haben, dass keine Gefahr besteht. Die Wertung beginnt erst, wenn alle eine bestimmte Anzahl an Täuschen hinter sich hatten, so gibt es eine schöne Dynamik und vor allem ist auch Timing extrem wichtig: Was nützt die perfekte Kombination, wenn man danach noch einmal Waren tauschen muss?

Das Tauschen fühlt sich frisch an und ist eine schöne Mischung aus Bluff und Taktik. Und leider auch Gedächtnis und Übersicht, wer gerade eine Währung bereits bekommen hat und wer nicht. Bubble & Shadow wird weniger aus dem Bauch heraus gespielt werden, als dem Spieltempo bisweilen gut tut. Die späteren Varianten und insbesondere die optionalen Sondersteine versuchen die Übersicht deshalb etwas zu verschleiern. Das wirkt nicht immer ganz elegant, aber dennoch: Bubble & Shadow ist ein originelles Spiel, ein Spiel, dass ich nicht bereits in abgewandelter Form im Schrank habe.

Die thematische Einkleidung bleibt aber ein Enigma: Der Roman, der hier angeblich als Inspiration diente, hat nicht das Geringste mit Spielhandlungen oder auch nur der graphischen Einkleidung zu tun. Fast wirkt es so, als wäre irgendwann im Produktionsprozess das Thema dieses Spiel mit dem eines anderen vertauscht wurden. Wir werden es nächstes Jahr erfahren. Die Graphiken sind im Übrigen wunderschön, mit die besten in diesem Spieljahr. Leider erschweren sie die Übersicht. Vielleicht waren ja sogar drei Spiele am großen fiktionalen Spielethementausch beteiligt, wer weiß?.

Traveluencer

Autoren: Ryo Nakamura (中村 良), Zhonghao Yang, Kai Zu

Für 2-4 Personen ab 8 Jahren (eher 3-4 Personen)

Spieldauer: 30 Minuten

Traveluencer dagegen hat eine thematische Einkleidung, die voll im Trend liegt: Reisen! Und es ist ein Stichspiel und die haben es mit Thematischer Tiefe in der Regel nicht so. Das gilt auch für Traveluencer.

Die Stichspielerischen Idee sind hier: In jedem Stich gibt es eine andere (vorherbestimmte) Farbe und es dürfen mehrere Karten derselben Farbe zusammenausgespielt werden, die ähnlich Odin aus den Ziffern eine Zahl bilden. Diese Idee kam erstmals in Zimbabwe Trick vor und es macht zwangläufig Spaß eine Trumpf 78 mit einer Trumpf 3000 zu überbieten. Das Zahlenüberbieten ist deswegen nicht nur lustig, sondern auch clever, weil es mit einem Kartenmanagement einhergeht: Nicht nur möchte man Stiche gewinnen, man sollte auch nicht zu viele oder zu wenig Karten dafür ausgeben, denn dann gibt es Minuspunkte!

Die Reihenfolge der Trumpffarben, übersichtlich gestaltet. Bei jedem ! gibt es ein Ereignis

Thematisch ganz passend, gehört Traveluencer ganz klar zu den eher lockeren Stichspielen, mehr Ärgerspiel, den strategische Herausforderung. Das wird dadurch unterstrichen, dass alle zwei Stiche eine – Achtung! – Ereigniskarte ins Spiel geworfen wird. Die betreffen zwar alle, aber zwangsläufig nicht alle gleich viel. Das ist in Ordnung, ähnlich wie die fetten Decks bei Fischen, betont schon ihre Existenz, dass hier kein ernsthaftes Stichspiel, sondern eine lockere Keilerei vorliegen soll. Aber dennoch sind es Ereigniskarten, deren Existenz auch immer ein bisschen altbacken wirkt und vor allem alles bis dato erreichte eben auch etwas mental abwertet: Ja, du stehst gut aber die Ereigniskarten haben dich auch nicht wirklich getroffen und/oder haben dir gut in die Karten gespielt! Die Gefahr für Traveluencers besteht, dass das Spiel nicht nur aufgelockert, sondern gleich komplett verflacht wird. Ob es so kommt, hängt stark von den Ereigniskarten ab, die da so kommen und deren Wirkung zwischen „eine nette kleine Auflockerung“ und „Alles was bislang gespielt wurde, ist jetzt fast obsolet“. Wenn nur noch die Ereignisse in Erinnerung bleiben, ist das für das Spielerlebnis in der Regel weniger gut. Ohne die Ereignisse wäre das Spiel aber auch etwas salzarm, da die taktischen Feinheiten eben doch leicht beschränkt sind und sich darauf beschränken, ob man jetzt doch noch eine Karte dazulegt, weil man diesen Stich wirklich braucht, oder sich seine Hand lieber etwas besser einteilt, um den Unbills des Reisens besser gewappnet zu sein.

Traveluencer wagt sicherlich mit den Ereigniskarten etwas neues im arg umkämpften Stichspielsegment und verschiebt die Ernsthaftigkeit des Genres klar in den Aktionskartenspielbereich. Ob jemand die dort haben wollte, wird die Messe zeigen.

 

Peer Sylvester