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Escape Room in a Box : Das Werwolf Experiment und Crypt X

Escape Room in a box: Das Werwolf-Experiment:
Verlag: Mattel
Autoren:
Spieleranzahl: 2-8
Alter: ab 13 Jahre
Spieldauer: 30-60 Minuten

Crypt X (Preview)
Verlag: Inside the Box Game
Autor: Rose Atkinson
Spieleranzahl: 1-5
Alter: ab 10 Jahre
Spieldauer: laut Verlag: 480-1200 Minuten

Neues aus der Welt der Escape-Room-Spiele! Nun ja, ich kann mittlerweile beim besten Willen nicht mehr mithalten – wir leben in einer Zeit, in der Kosmos alleine drei Reihen mit Rätselspielen (Exit, Escape Tales, Adventure Games) auf den Markt wirft. Aber was ich kenne, kann ich auch vorstellen. Heute ein etwas älteres Spiel und ein Preview eines nagelneuem Spieles, das zur Zeit bei Kickstarter läuft und von dem ich nur einen kleinen Ausschnitt kenne.

Beginnen wir mit dem Werwolf-Experiment:

Wie wohl so ziemlich alle Verlage möchte auch Mattel ein Stück vom Escape-room-Kuchen abhaben und starten eine Reihe mit dem Namen „Escape Room in a Box“. Der erste Teil – Das Werwolf-Experiment – liegt auf Deutsch vor, ein zweiter Titel soll dieses Jahr in Englisch erscheinen und ist dann irgendwann vielleicht auch hierzulande verfügbar oder so.

Der Ansatz von Escape Room in a box:

Mattel erfindet das Rad nicht neu und entsprechend ist der Ablauf nicht außergewöhnlich. Was diese Reihe abheben soll sind vielmehr die echten, “physischen” Objekte in der Schachtel: Statt alles zum Ausschneiden bereit zu stellen oder auf Karten aufzudrucken oder gar eine App mitlaufen zu lassen, findet man hier tatsächlich echte Schlösser und Köfferchen und eine UV-Lampe in der namensgebenden Box. Auch wenn Plastik vorherrschenden Material ist, sorgt dass doch für einen hohen Aufforderungs- und Spielzeugcharakter. Der hat aber seinen Preis: Der Kistenescaperoom kostet in etwa so viel wie der Chrono-Dekoder von Escape Room – The Game, bei dem aber VIER Fälle beiliegen. Immerhin ist das Spielmaterial problemlos wiederverwendbar (wenn man alles ordentlich wegpackt).

Was für die Mattel-Variante spricht: Die meisten Rätsel können parallel gelöst werden und so ist dieser Escape-Room tatsächlich mal mit mehr als vier Personen spielbar, ohne dass Mitspieler nur zuschauen können. Die Kehrseite der Medaille: Zum einen ist man auf diese Weise sehr schnell durch (wir brauchten knapp 30 Minuten – was für den Preis doch etwas arg knapp ist) und zum anderen werden dann immer wieder Rätsel gelöst, von denen man rein gar nichts mitbekommen hat. Das ist bei „echten“ Escape Rooms auch nicht anders, aber stört doch das Gruppengefühl am Tisch etwas.

Die Rätsel:

Generell hat das Spiel m.E. aus dem physischen Material zu wenig originelles rausgeholt, was die Rätsel betrifft. Eigentlich hat nur eines wirklich die Objekte genutzt und natürlich gab es die UV-Lampe… Die Exiträtsel sind da eine ganz andere Liga – aber generell war jetzt kein Rätsel dabei, das mich wirklich umgehauen hätte – solide Hausmannskost, wenn auch noch eine Stufe über Sternwarten-Niveau. Viele Rätsel hat man als passionierter Escape-Room-Brettspieler in sehr ähnlicher Form schon anderswo gesehen.

Ein Rätsel hatte tatsächlich einen Zahlendreher konnte aber dennoch gelöst werden.

Es gibt ein Lösungsheft mit Hinweisen, aber wir haben das nicht gebraucht, daher keine Aussage wie gut das jetzt funktioniert hätte.

Die Geschichte und die Immersion:

Eine pseudolustige Geschichte mit flachen, vorhersehbaren Witzen und Rätseln, die nicht wirklich etwas mit dem Werwolf-Hintergrund zu tun gehabt hätten. Immersion kommt so kaum auf – da sind die physischen Objekte tatsächlich fast schon verschenkt. Im Prinzipi orientiert sich Mattel hier an den Exit-Spielen, was die Einbidnung in die Geschichte betrifft: “Geschichte” bedeutet hier, dass sich die Texte um Werwölfe und Experimente drehen, statt etwa um Kernkraftwerke und Tiefseetauchen, an den Rätseln selbst ändert das aber nichts.

Einordnung in die Escape Games:

Da kann man es kurz machen: Das Werwolf-Experiment ist ein Anfänger-Escape-Room, dass von den physischen Objekten lebt. Rätsel und Geschichte sind absolutes Mittelmaß. Exit hat bessere Rätsel (kann aber mehr frustrieren), Unlock! hat mehr Immersion, Escape room – The Game hat bessere Rätsel UND eine bessere Immersion. Deckscape ist deutlich einfacher in der Anwendung. ZU dem Preis wohl nur für Komplettsammler interessant oder als Geschenk für einen Unbeleckten zum Reinschnuppern in das Genre.

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Crypt X

Dies kann nur eine kurze Vorstellung sein; Das Spiel ist noch nicht erschienen, sondern kann lediglich gekickstartert werden. Mir liegt nur ein kleiner Ausschnitt vor – ich habe nur ein unvollständiges Presseset bekommen: Von 51 Rätseln, die das fertige Spiel beinhalten soll, liegen mir nur acht vor. Mein Eindruck ist entsprechend unter starkem Vorbehalt!

Prinzipiell ist die Story zum Spiel, dass man die Aufzeichnungen eines vermissten Professors durchwühlt, um herauszufinden was passiert ist und wo der Prof jetzt ist – Indiana Jones III lässt grüßen! Die Rätsel in meinem Presseset stehen alle auf Karten im Tarot-Formt und sind thematisch passend gestaltet – Servietten, Tickets, Aufzeichnungen, so was halt. Hinzu kommt ein bisschen Zusatzkram, den man für die Lösung benutzen kann/soll.

Crypt X ist dabei wohl eher ein Solospiel oder eine Puzzlei für Ehepartner – darauf deutet auch die Spielanleitung hin. 45 Rätsel können entsprechend in jeder beliebigen  Reihenfolge gelöst werden, deren Lösungen helfen dann dabei die restlichen 6 Rätsel zu lösen, um den Professor zu finden. Mit anderen Worten: Ein enormes Rätsel-Ding, ähnlich einem Rätselbuch, an das man sich immer wieder ransetzt und weniger etwas wozu man sich jetzt gemeinsam trifft, um es durchzuspielen. Das dürfte kaum gelingen, dazu ist die Menge an Rätseln zu groß.

Ich habe wie erwähnt nur einen sehr kleinen Ausschnitt an Rätseln gesehen und die sind eine ziemlich wilde Mischung. Ganz neuartig war keines von denen – Chiffren, im Text versteckte Koordinaten und so etwas. Wer viele Escape Room – Spiele spielt, dem wird vieles bekannt vorkommen, auch wenn man natürlich diese Rätsel erst einmal lösen muss. Ich nehme an bei der großen Rätselmenge lässt sich das auch kaum anders regeln (obwohl ich persönlich auf das Rätsel des Typs „Der Mann mit dem Kaffee sprach zu Frau Tee „Ich trinke gerne Cola“ hätte verzichten können). Der Schwierigkeitsgrad ist schwankend, zwei konnte ich auf Anhieb lösen, bei zweien wird der Schwierigkeitsgrad unnötig erhöht, als dass zusätzlich zum eigentlichen Rätsel auch noch Buchstaben im Lösungswort fehlen, was frustrieren kann, wenn man eigentlich auf dem richtigen Weg ist, aber dann nicht darauf kommt, das man auch raten muss. Ein Rätsel halte ich fast für unmöglich zu lösen – ich verstehe selbst mit Lösung und Hinweisen nicht den ganzen Rätseltext, der zudem erst einmal als solcher identifiziert werden muss. Ein weiteres war fehlerhaft, wird aber in der endgültigen Fassung dann korrekt sein.

Tipps und Lösungen wird man später per App abrufen können, zum Testen gab es quasi die Papierform davon. Es gibt drei Stufen an Hinweisen und dann noch die Lösung (ohne Erklärung, zumindest in der jetzigen Fassung). Gestufte Hinweise sind immer gut, aber auch immer schwer hinzubekommen. Hier hatte ich das Gefühl, dass die erste Stufe gar nicht hilft, da die das offensichtlich benennt. Die anderen beiden Stufen sind in Ordung, auch wenn es stark Rätselabhängig war, ob die zweite weiterhalf oder nicht.

Die Immersion ist bei einer solchen Ausschnitt natürlich kaum zu bewerten. Immerhin passt die “Hier sind verschlüsselte Aufzeichnungen” – Geschichte natürlich gut zum Genre (und wird ja auch in vielen Variationen benutzt. Ein, zwei meiner Rätsel machen auch innerhalb dieser Rahmenhandlung keinen sinn, aber erst einmal würde ich sagen, dass das Immersionsproblem recht gut gelöst wird. Es wird dann auch davon abhängen, wie mit den Lösungen der Erste-Stufe-Rätsel dann weiter verfahren wird.

Alles in allem erfindet Crypt X das Genre nicht neu. Mich erinnert die vorliegende Fassung sogar etwas an Kramers Palast der Rätsel. Crypt X hat aber den Vorteil der Nicht-Linearität, so dass man sich immer wieder mal ein Rätsel vornehmen kann, wenn man Lust und Zeit hat. Das ist für Fans sicherlich völlig in Ordnung – ich hoffe nur dass die Qualitätskontrolle bei den Rätseln in der fertigen Fassung dann noch etwas strenger ist, auch was den Schwierigkeitsgrad betrifft. Aber vielleicht ist es zur Zeit auch einfach zu warm für mich und diese Art Spiel.

 

Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
Peer Sylvester

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