Die Burgen von Burgund

Verlag: Alea
Autor: Stefan Feld
Spieleranzahl: 2-4
Alter: ab 12 Jahre
Spieldauer: 1-2 Stunden

Wer kennt sie nicht, die berühmten Burgen von Burgund? Majestätisch stehen sie da, im alten Burgundenland und ähm Wein gibt es da glaub ich auch. Und mmh, Klöster und Franzosen und so und… – ach ist doch völlig egal! Das Spiel könnte auch „Die Fischerdörfer von Flensburg“ oder „Die Herrenhäuser aus Hohenschönhausen“ heißen, so wenig haben Titel und Spiel miteinander gemein.

Allerdings mag ich mich irren und die Burgen von Burgund wurden tatsächlich so erbaut, wie sich dass der Autor ausgedacht hat: Dann wurde gewürfelt und geguckt: Was kann ich als Baumeister mit einem Würfelwurf machen? Ich könnte mir die Baupläne (respektive Bauplättchen) für Schiffe, Häuser, Wiesen mit Schafen drauf (die sind ja besonders schwer zu entwerfen!), Minen oder –Ja! – Burgen aus der Auslage sichern. Vorausgesetzt einer meiner Würfel korrespondiert mit der Fläche, auf dem das begehrte Bauplättchen liegt. Oder ich gebe Geld aus; ein paar zufällige Bauplättchen gibt es ganz unbürokratisch gegen Bares (zusätzlich zum regulären Zug). Auch könnte ich mit meinem Würfelwurf bauen und zwar ein Plättchen aus meinem Besitz auf ein Feld auf meine Privat-Landschaft auf meinem Privatspielplan legen, dass dieselbe Zahl hat, wie mein Würfel. Damit ich da nicht zu viel Auswahl habe, muss ich immer angrenzend an bestehendes Bauen. Als dritte Option kann ich ein zahlenmäßig passendes Warenplättchen verkaufen, wofür es etwas Geld und Siegpunkte gibt.
Bauen tue ich nämlich nicht als Selbstzweck, sondern einerseits um Vorteile zu bekommen, andererseits natürlich für Siegpunkte. Was für Vorteile mag so eine zuginge Burg oder ein paar Schweine schon bieten? Das kommt drauf an! Tiere bringen Siegpunkte und zwar je mehr, desto mehr gleiche Tiere bereits auf der Weide stehen. Häuser bringen Vorteil, je nach Haus (wers genauer haben mag, schaut bitte in die Regel!), Burgen bringen mir einen Bonuszug und Schiffe verändern potentiell die Spielerreihenfolge und geben mir die Waren, die ich verkaufen kann. Minen bringen Geld und Wissen bringt alles was noch an Vorteilen irgendwie denkbar ist.
Außerdem bringt das alles noch einmal weitere Siegpunkte: Und das geht so: Der private Spielplan zeigt Sechsecke mit den Zahlen drauf, die mir sagen, wann ich bauen kann. Und außerdem sind dort verschiedene Landschaften zu sehen, die aus eben diesen Sechsecken bestehen. Diese Landschaften sind den Plättchensorten zugeordnet: Burgen sollen schließlich nebeneinander stehen und nicht irgendwo zwischen den Häusern oder Schweinen des gemeinen Fußvolkes! Ist eine Landschaft vollständig verbaut, gibt es Punkte und zwar je mehr, desto früher im Spiel das geschieht.

Man merkt: Es gibt viel zu tun in Burgundistan! Plättchen sichern, Plättchen legen, Landschaften vollbauen, Waren verkaufen, Siegpunkte scheffeln… Und all das ist vom Würfelwurf abhängig. Allerdings sind die Würfel so flexibel einsetzbar, dass das Würfelglück keinesfalls dominiert. Zudem kann man mit sogenannten Arbeitern (die gibt’s auch noch zwischendurch) den Würfelwurf modifizieren. Grübelpotential ist also vorhanden und, glaubt mir, das wird auch genutzt!
Überhaupt gibt es viel was man den Burgen von Burgund ankreiden kann: Abhängigkeit vom Würfelwurf, Thema kaum vorhanden, Hohe Downtime (vor allem in Vollbesetzung), viele Regeln, viel Kleinteiliges, viel Grübelei, viele Sonderfunktionen zum lernen, ständiger Siegpunktregen, nur geringe Interaktion… Auf dem Papier ein Spiel, dass ich nicht mögen sollte!
Doch alles passt zusammen und da jeder immerhin fast unbeeinflusst von den Mitspielern herumgrübelt fallen diese Nachteile nicht weiter auf. Zumindest ich überlege dann: Baue ich Haus A da? Oder nutze ich den Würfel lieber da? Oder ganz anders – erst Gebäude B kaufen, dann mit Würfel 1 auf den Plan setzen und mit Würfel 2 Waren verkaufen? Oder… Gerade durch die Gebäude, die oft Kettenzüge ermöglichen sind schöne Kombinationen möglich. Dadurch ist Burgen von Burgund eigentlich ein „Mach das beste aus der Karte“-Sorte, nur halt nicht mit Karten, sondern mit Würfeln. Und solche Spiele mag ich. Ich mag auch die Burgen von Burgund: Irgendwie passt alles wunderbar zusammen und ich kann mich schön in meine Privat-Landschaft reinknien und versuchen die so optimal und schnell wie möglich zu bepflastern. Aber wenn jemand sich an den oben genannten Kritikpunkten stößt, kann ich ihn verstehen. Und bedauern.

2 Gedanken zu „Die Burgen von Burgund“

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