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Arlecchino

Verlag: LUD Editions
Autor: Bernard Tavitian
Spieleranzahl: 2-4
Alter: ab 6 Jahre
Spieldauer: ca. 15 Minuten

Blokus ist GOTT!

Nein, das musste mal gesagt werden.

Im Ernst: Blokus gehört zu meinen absoluten Lieblingsspielen. Und natürlich musste ich mir daher Tavitians neuestes Spiel ansehen. Und genau das habe ich auch getan. Arlecchino ist leider nicht ebenfalls Gott – wäre in einem monotheistisch geprägten Land auch unpassend – sondern eher Popcorn.

Bei Arlecchino spielen Quadrate eine Rolle. Diese sind in 4 Dreiecke geteilt und die Dreiecke haben die Spielerfarben. Dabei trägt nicht jedes Quadrat alle 4 Spielerfarben, sondern vielmehr sind alle Kombinationen vertreten: Von nur Gelb über ein bisschen gelb mit ein bisschen blau und ein bisschen grün bis hin zu Hälfte Gelb und Hälfte rot. Selbst Steine ohne gelb sind vertreten, aber wen interessiert das schon? Nun, wahrscheinliche jeden, denn bewegt werden dürfen nur Steine, die (u.a.) die eigene Farbe tragen. Bewegt wird in erster Linie wie beim Einsiedlerspiel: Man überspringt einen anderen Stein, der dann das Brett verlässt. Zeigt der bewegte Stein mehrere Dreiecke der eigenen Farbe, darf man entsprechend viele Sprünge mit dem Stein machen – die Möglichkeiten müssen natürlich da sein. Alternativ darf man den Stein auch ganz schnöde um ein Feld seitwärts bewegen, solange man in seinem Zug mindestens einen Sprung durchführt. Mit jedem Zug wird das Brett also um mindestens einen Stein ärmer. Wer nix überspringen kann, setzt aus.
Das Ende wird eingeläutet, wenn niemand mehr springen kann und dann gewinnt der Spieler, von dem noch die meisten Dreiecke auf dem Brett sind. Das war eigentlich auch schon alles.

Das erfreuliche – und damit sind wir beim Popcorn – es spielt sich wunderbar flockig und vor allem schnell. Und noch besser: Denkt man am Anfang man hat eher simples 0815-Popcorn vor sich, stellt man nach einigen Partien fest, dass sich unter der oberen Schicht Standardmaisware leckeres karamellisiertes Edel-Popcorn befindet. Weil: Ganz so simpel wie man am Anfang denkt, ist Arlecchino doch nicht; es bietet einiges an taktischen Möglichkeiten, insbesondere was den Schlagzwang (wer einen Zug machen kann, muss dies tun) und die passive Seitwärtsbewegung nach einem Übersprung betrifft. Sicherlich darf man kein Huhn Marengo erwarten, aber immerhin wirklich gutes Popcorn. Man kann also sagen: Das Spiel macht was es will und das macht es gut!

Allerdings erwischt man manchmal eine von diesen Tüten, wo sich arg viele ungepoppte Kerne in Tüte sammeln, an denen man sich dann etwas die Zähne ausbeißt. Die Endebedingung hat nämlich den Nachteil manchmal merkwürdige Effekte hervorzurufen: Unter Umständen setzt nur noch einer, der dann alle seine eigenen Steine schlagen muss. Dann ist der Gewinner absolut unberechenbar. Normalerweise versucht man, dass Spielende zu seinen Gunsten zu beeinflussen, aber manchmal gelingt das niemanden und auch dann stellt sich das unbefriedigende Gefühl ein, der Gewinner würde fast zufällig bestimmt. Solche Enden sind zwar bei steigender Spielerfahrung seltener, aber sie treten immer mal wieder auf.

Vielleicht ist Arlecchino auch kein reines Popcorn, sondern eher so ein Promoangebot im Kino, wo es neben dem Popcorn noch eine kleine Figur des Helden gibt. Der Held ist Blokus. Arlecchino ist so eine kleine Version davon: Es ist ebenso abstrakt, ebenso einfach, ebenso hoch ist der Gegenseitig-Ärgern-Faktor, ebenso wenig sind die ersten Gemeinheiten (bei anständigem Spiel) für den Spielausgang relevant, auch wird zu zweit mit zwei Farben gespielt, was nicht so optimal ist (Dafür geht Arlecchino im Gegensatz zu Blokus wunderbar zu dritt, sogar besser als zu viert, denke ich). Aber es ist eben doch nicht das Original. Das ist Gott. Und Arlecchino ist nur Popcorn.

Aber ich mag Popcorn. Nicht zum Mittag, aber bei passender Gelegenheit bestellte ich mir gerne einen ganzen Eimer davon.

Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
Peer Sylvester

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