{"id":981,"date":"2009-07-12T10:46:37","date_gmt":"2009-07-12T08:46:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=981"},"modified":"2009-07-11T11:45:17","modified_gmt":"2009-07-11T09:45:17","slug":"alea-iacta-est","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2009\/07\/12\/981\/","title":{"rendered":"Alea iacta est"},"content":{"rendered":"<p>W\u00fcrfel haben in den letzten Jahren ein gro\u00dfes Comeback gefeiert, das sollte mittlerweile auch der letzte mitbekommen haben. Die Frage ist: Wie sieht es nun mit weiteren Comebacks alter Klassiker aus? Um diese Frage zu beantworten gibts eine kleine Einf\u00fchrung in Sachen Zufallsfaktoren:<\/p>\n<p><strong>Karten <\/strong>sind wohl die beliebtesten und universellsten Zufallswerkszeuge. Nicht nur kann man die beliebig komplex und zusammenh\u00e4ngend gestalten (selbst die klassischen Karten unterscheiden Zahl und Symbol und damit einen Faktor mehr als W\u00fcrfel, was die deutliche gr\u00f6\u00dfere Varianz von klassischen Kartenspielen im Vergleich zu klasssichen W\u00fcrfelspielen erkl\u00e4rt) und sie k\u00f6nnen verdeckt gehalten werden. Aus Sicht der Wahrscheinlichkeitsbeeinflussung bieten Karten zudem eine Wahlm\u00f6glichkeit: Wenn zwischendurch nicht gemischt wird, wird jedes Karte einmal gezogen werden k\u00f6nnen (wenn denn alle Karten gespielt werden) &#8211; es ist also klar <em>was <\/em>passieren kann, aber nicht <em>wann<\/em>. Extremverteilungen wie Siedler-Partien mit vier gew\u00fcrfelten Zw\u00f6lfen (schon erlebt) sind nicht m\u00f6glich. Das kann durch &#8220;Mischkarten&#8221; ge\u00e4ndert werden. Wird zwischendurch gemischt k\u00f6nnen w\u00fcrfel\u00e4hnliche Verteilungen erreicht werden. Karten genie\u00dfen damit von allen Wahrscheinlichkeitsprinzipien die gr\u00f6\u00dften Variationsm\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p><strong>W\u00fcrfel <\/strong>sind etwas simpler gestrickt, denn sie haben nur eine Information pro Seite (meistens) und haben (anders als ein Kartenstapel) kein Ged\u00e4chnis. Gerade in der Einfachheit liegt ihre St\u00e4rke &#8211; W\u00fcrfeln und fertig! Zudem ist die Berechnung der Wahrscheinlichkeiten einerseits sehr einfach oder zumindest intuitiv irgendwo zu erfassen\u00a0 was spielerisch genutzt wird &#8211; siehe <em>Backgammon <\/em>oder <em>Siedler von Catan<\/em>. Ausbauf\u00e4hig ist der Einsatz von anderen W\u00fcrfeln abseits des Sechsseiters. Hier kann der Zufallsfaktor gezielt gesteuert werden &#8211; ein Zwanzigseiter steht spieltechnisch f\u00fcr etwas anderes als die Summe von 2 Zehnseitern.<\/p>\n<p>An <strong>Urnenmodelle <\/strong>denkt man beim Spielen ja nun nicht unbedingt. Und doch werden sie seit Jahren verwendet: Und zwar immer wenn irgendwas aus einem Beutel\/Tasse gezogen wird. Vorteil ist hier eine gro\u00dfe Flexibilit\u00e4t und ein &#8220;Ged\u00e4chnis&#8221;. Allerdings lies sich das ganze grunds\u00e4tzlich auch immer als Kartenspiel simulieren &#8211; Das ziehen ist aber oft athmosph\u00e4risch stimmiger (Jenseits von Theben) bzw. erm\u00f6glicht besseres\/interessanteres\/billigeres Material (Ra, Livingstone). Der einzige Vorteil von &#8220;Karte&#8221; vs. &#8220;Beutel&#8221; den die Beutel tats\u00e4chlich haben, ist dass Beutel die M\u00f6glichkeit bieten etwas zu f\u00fchlen. Das wird aber selten genutzt.<\/p>\n<p><strong>Spinner <\/strong>sind jenseits von Kinderspielen selten geworden. Dabei haben sie die Einfachheit der W\u00fcrfel und bieten zus\u00e4tzlich zwei Vorteile: Zum einen k\u00f6nnen die Wahrscheinlichkeiten v\u00f6llig frei gew\u00e4hlt werden &#8211; 10% Option A, 5% Option B, 3% Option C und 82% Option D? Kein Problem! Einfach die Fl\u00e4chen entsprechend einf\u00e4rben! Au\u00dferdem sind sogar flexible Wahrscheinlickeiten m\u00f6glich, wenn die Fl\u00e4chen selbst verschoben\/gedreht werden k\u00f6nnen oder\u00a0 wenn der Spinner zwischen zwei Figuren zeigen soll, von denen min. eine beweglich ist (nicht dass ich solche Spiele kennen w\u00fcrde, m\u00f6glich ist es aber). Hier ist noch viel m\u00f6glich und daher erwarte ich einen Spinner-Boom in einigen Jahren. Allerdings haben Spinner auch zwei Nachteile: Zum einen ist es Materialtechnisch immer umst\u00e4ndlich einen Spinner zu verwenden (Loch stanzen, Sockel einbauen etc.) &#8211; Da sind die anderen Methoden billiger und sehen auch besser aus. Zum anderen\u00a0 gibts bei Spinnern immer das Problem der Grenzlinien, die gerne mal getroffen werden.<\/p>\n<p>Zu Beginn des letzten Jahrhunderts wurden gerne mal <strong>Kreisel <\/strong>verwendet. Das hatte vor allem religi\u00f6se Gr\u00fcnde: In den USA galten Spiele mit W\u00fcrfel als Gl\u00fccksspiele und Brettspielhersteller wichen dem mit Kreiseln aus. Spieltechnisch macht es keinen Unterschied ob ein Kreisel oder ein Spinner (oder ein W\u00fcrfel, wenn alle Fl\u00e4chen des Kreisels gleich gro\u00df sind) verwendet wird und daher glaube ich nicht an ein Comeback des Kreisels.<\/p>\n<p><strong>M\u00fcnzen <\/strong>sind eigentlich nur zweiseitige W\u00fcrfel und doch wll ich sie kurz erw\u00e4hnen: Wenn es nur zwei M\u00f6glichkeiten gibt nimmt man einen W\u00fcrfel. Gibt es aber viele M\u00f6glichkeiten nur zwei Dinge zu ermitteln, sprich br\u00e4uchte man sehr viele W\u00fcrfel, w\u00e4ren M\u00fcnzen eine echte Alternative. Allerdings: Ich hatte einen M\u00fcnzmechanismus und viele Spieler fanden es vom Handling her besser zu w\u00fcrfeln als zu werfen. Daher glaube ich auch nicht an M\u00fcnzen.<\/p>\n<p><strong>Computerbasierte Zufallsfaktoren<\/strong> bieten nat\u00fcrlich gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Flexibilit\u00e4t und zudem ein belieb einsetzbares Ged\u00e4chnis. Doch ebenso klar ist, dass ihre Einsetzm\u00f6glichkeiten stark begrenzt sind. Letzte Woche habe ich bereits dargelegt, w<a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2009\/07\/04\/969\">arum mit Computer-Brettspielhybriden in absehbarer Zeit nicht zu rechnen sein d\u00fcrfte<\/a>. Bei echten Brettspielen kommen sie nur bei den gro\u00dfen Verlagen Ravensburger (Die Insel) oder Hasbro (Monopoly- Die B\u00f6rse) oder bei Yvio zum Einsatz.<\/p>\n<p>Fazit: An der Vorherrschaft von Karten und W\u00fcrfeln wird es nichts zu r\u00fctteln geben. Ihre Einsatzm\u00f6glichkeiten werden weiter ausgebaut. Urnenmodelle (Ziehen aus dem Beutel) wird aber an Boden gewinnen. Hier ist noch viel m\u00f6glich und hier kann viel Athmosph\u00e4re und Spielspa\u00df erzeugt werden.<\/p>\n<p>Und weil Autoren gerne was neues mit alten Mechanismen probieren progostiziere ich ein kleines Spinner-Comeback (nicht nur im Forum &#8211; SCNR). Nicht so gro\u00df wie das aktuelle W\u00fcrfelcomeback, aber sicherlich sp\u00fcrbar.<\/p>\n<p>ciao<\/p>\n<p>Peer<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00fcrfel haben in den letzten Jahren ein gro\u00dfes Comeback gefeiert, das sollte mittlerweile auch der letzte mitbekommen haben. Die Frage ist: Wie sieht es nun mit weiteren Comebacks alter Klassiker aus? Um diese Frage zu beantworten gibts eine kleine Einf\u00fchrung in Sachen Zufallsfaktoren: Karten sind wohl die beliebtesten und universellsten Zufallswerkszeuge. 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