{"id":809,"date":"2009-03-14T12:05:48","date_gmt":"2009-03-14T11:05:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=809"},"modified":"2009-03-14T12:05:48","modified_gmt":"2009-03-14T11:05:48","slug":"mehr-uebers-spiele-erfinden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2009\/03\/14\/809\/","title":{"rendered":"Mehr \u00fcbers Spiele erfinden"},"content":{"rendered":"<p>Keiner meiner Artikel in diesem Blog wurde so oft aufgerufen wie &#8220;<a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2007\/01\/22\/177\">Spiele erfinden<\/a>&#8220;. Was vermutlich daran liegt, dass Google den tats\u00e4chlich als ersten Hit angibt, wenn man &#8220;Spiele erfinden&#8221; in die beliebte Suchmaschine eingibt. Wie auch immer, gerade kam wieder ein Kommentar hinzu, &#8220;Dokka&#8221; m\u00f6chte Spiele erfinden, wei\u00df aber nicht wie. Nunja, konkretere Fragen sind immer einfacher zu beantworten, aber ich versuchs mal.<\/p>\n<p><strong>Als erstes ist die Spielidee&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Und das kann eine Idee f\u00fcr einen Mechanismus oder f\u00fcr ein Thema sein. Es kann aber auch sein, dass man von einem Spiel getr\u00e4umt hat (hat meistens den Nachteil, dass Tr\u00e4ume nicht dazu neigen koh\u00e4rente Regeln zu entwickeln) oder ein Titel den man cool findet (&#8220;Kudos&#8221; klingt nach einem Spiel!) oder man m\u00f6chte das Computerspiel &#8220;Loom&#8221; als Brettspiel umsetzen. Ich hatte schon so manche Idee beim \u00dcberfliegen von Messeberichten oder Webseiten. Wenn man kurz hintereinander was \u00fcber <em>Age of Steam<\/em> und \u00fcber <em>Prophecy <\/em>liest, kommt einem (oder zumindest mir) die Idee Fantasy und Eisenbahnbau zu verbinden.<\/p>\n<p>Obs klappt ist erst einmal irrelevant: Ich schreib mir alles auf, was mir so einf\u00e4llt und habe zu diesem Zweck eine riesige Datei, bei der alles vom fertig ausgearbeitetem Spiel, bis zum schn\u00f6den Titelvorschlag reinkommt (Sch\u00f6n ist auch meine Sammlung von potentiellen Spielpl\u00e4nen &#8211; so gibt es z.B. eine kreisrunde Stadt in Israel, welche die Inspiration f\u00fcr <em>De Ontembare Stad<\/em> gewesen sein k\u00f6nnte).<\/p>\n<p><strong>Und was kommt dann?<\/strong><\/p>\n<p>Das weitere Vorgehen ist kritisch und h\u00f6chst individuell. Ich \u00fcberlege in einem Brainstorming was mir zur Idee alles einf\u00e4llt und wie man die so umsetzen k\u00f6nnte. Und schreib alles auf. Ob ich da B<a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2007\/01\/22\/177\">ottom-Top oder Top-Bottom <\/a>vorgehe h\u00e4ngt von der Idee ab, obgleich ich eher ein Bottom-Top-Mann bin. Nicht selten gehe ich auch meine Liste aus Spielmechanismen durch, um zu sehen, ob ich was passendes finde. So eine Liste zu haben ist oft hilfreich, aber nicht notwendig. Ich fange normalerweise erst mit dem Basteln an, wenn ich alles in meinem Kopf durchgeplant habe. F\u00fcr ein paar Regeln habe ich oft Alternativen \u00fcberlegt, denn nat\u00fcrlich kann man nicht alles &#8220;im Kopf&#8221; durchplanen und muss ausprobieren. Wenns geht, mache ich vorher erst ein paar Skizzen, mit denen ich gegen mich selbst spiele. Einige bekannten von mir sind da bastelfreundlicher und basteln quasi von der ersten Minute an. Denn dann merkt man schon oft, ob was klappen kann oder nicht. Und man muss sich entscheiden -&#8220;Drei Siegpunkte f\u00fcr die Kapelle oder 2?&#8221; Aber keine Bange, das alles kann (und wird) sp\u00e4ter wieder ge\u00e4ndert werden. Erstmal muss man &#8220;Pi mal Daumen&#8221; bestimmte Sachen festlegen. Spieleerfinden ist eben nichts f\u00fcr Entscheidungsneutoriker!<\/p>\n<p>Aber wann mans auch immer macht: Wenn m\u00f6glich sollte man das Spiel gegen sich selbst spielen. Einfach deswegen weil man dann schnell feststellt, welche Abl\u00e4ufe noch unklar sind, ob bestimmte Sachen \u00fcberhaupt funktionieren oder ob man am Anfang z.B. \u00fcberhaupt eine Wahlm\u00f6glichkeit hat. Dies ist die &#8220;hei\u00dfe Phase&#8221; der Spieleerfindung. Hier wird aus der Idee das Spiel herausgezimmert und wenn man tats\u00e4chlich mit einem funktionierenden Spiel aus dieser Phase herausgeht hat man was geleistet. Und f\u00fchlt sich auch so. Doch das Gef\u00fchl ist tr\u00fcgerisch, denn jetzt folgt<\/p>\n<p><strong>Die erbarmungslose Testphase<\/strong><\/p>\n<p>Bereits der erste Test zeigt in der Regel einige Schw\u00e4chen auf. Wenn nicht, dann: Gl\u00fcckwunsch! Aber es m\u00fcssen dennoch weitere Partien &#8211; insbesondere mit anderen Spielerzahlen und wenn irgend m\u00f6glich auch anderen Spielern &#8211; folgen. Was viele \u00fcberrascht: Das Testen von Spielen ist erlernbar! Erfahrene Tester k\u00f6nnen gezieltere Kritik abgeben und bessere L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge machen. Auch will das &#8220;kritisieren&#8221; an sich (Was ist gut, was schlecht?) ge\u00fcbt sein. Und schlie\u00dflich muss man auch den Umgang mit der Kritik \u00fcben: Was muss ich wirklich beachten und was ist vielleicht nicht ganz so wichtig? Kann ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen? Lohnt es sich \u00fcberhaupt das Projekt weiterzuf\u00fchren oder f\u00fchrt es letztlich in eine Sackgasse (= ein Spiel das viel Arbeit gekostet hat, aber letztlich nichts dolles ist)? Auch andere Fragen tun sich im Laufe der Testphase auf: Wo kann man ggf. am Material sparen? Ist alles funktional? Ein Prototyp muss nicht gut aussehen (aber es hilft), aber funktional sollte er schon sein. Ist die Startphase zu langatmig? Hat man von Anfang an was zu entscheiden, oder macht man \u00fcber l\u00e4ngere Spielphasen immer dasselbe? Ein Merksatz ist auch &#8220;Offensichtliche Entscheidungen sind keine Entscheidungen&#8221; &#8211; und Entscheidungsvielfalt ist das Salz in der Spielesuppe!<\/p>\n<p><strong>Und wenn alles fertig ist?<\/strong><\/p>\n<p>Sollte man tats\u00e4chlich ein Spiel fertig haben, dass alle (oder fast alle) Testspieler \u00fcberzeugt, dass nicht zu materialaufwendig und nicht zu exotisch (\u00fcberlange Spieldauer, sehr komplex z.B.) ist und man tr\u00e4umt von einer Ver\u00f6ffentlichung, dann sollte man sich \u00fcberlegen zu welchem Verlag das Spiel am ehesten passt. Es lohnt sich nicht, blind 30 Verlage anzuschreiben. Lieber gezielt 1 oder 2 Verlage rauspicken, denen eine Email schreiben mit den wichtigsten Daten und abwarten was passiert. Kommt keine Antwort innerhalb einer Woche (innerhalb von Messezeiten kanns auch mal l\u00e4nger dauern), kann man auch mal nachfragen oder ggf. einen anderen Verlag anschreiben.<\/p>\n<p>Und nein, man muss keine Angst vor Ideendiebstahl haben. Das kommt bei professionellen Verlagen praktisch nicht vor (mir sind lediglich 1-2 F\u00e4lle aus den letzten 15 Jahren bekannt). Und durch zahlreiches Testspielen kann man im Zweifelsfall auch immer belegen, dass man derhenige war, der ein Spiel zuerst entwickelt hat.<\/p>\n<p>Wenns optimal l\u00e4uft fordert der Verlag einen Prototypen an. Und jetzt hat man eine gesch\u00e4tzte 5%-Chance auf eine Ver\u00f6ffentlichung. Mehr nicht. Man muss sich klar sein, dass auf eine Ver\u00f6ffentlichung im Schnitt 20 Absagen kommen. Wenn nicht mehr. Gut ist es, wenn der Verlag Feedback abgibt (Besonders Alea und Phalanx sind mir da positiv aufgefallen, aber auch andere Verlage geben Feedback), dann kann man nochmal dran arbeiten. Manchmal ist ein Verlag auch interessiert und verlangt \u00c4nderungen &#8211; auch das ist eine Herausforderung, indbesondere wenn man sich mit dem etsprechendem Proto schon l\u00e4nger nicht mehr besch\u00e4ftigt hat.<\/p>\n<p>So, das wars in aller K\u00fcrze. Konkrete Fragen beantworte ich gerne. Einige lesenswerte Spielgeschichten gibt es <a href=\"http:\/\/berlingamedesign.blogspot.com\/\">hier <\/a>(auf englisch). Berliner Spieleautorentreffen sind zudem Montags in die <a href=\"http:\/\/www.spielwiese-berlin.de\/\">Spielwiese <\/a>eingeladen (wobei wir uns nicht jeden Montag treffen, am besten vorher nachfragen).<\/p>\n<p>ciao<\/p>\n<p>Peer<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Keiner meiner Artikel in diesem Blog wurde so oft aufgerufen wie &#8220;Spiele erfinden&#8220;. Was vermutlich daran liegt, dass Google den tats\u00e4chlich als ersten Hit angibt, wenn man &#8220;Spiele erfinden&#8221; in die beliebte Suchmaschine eingibt. Wie auch immer, gerade kam wieder ein Kommentar hinzu, &#8220;Dokka&#8221; m\u00f6chte Spiele erfinden, wei\u00df aber nicht wie. 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