{"id":702,"date":"2008-12-14T11:29:54","date_gmt":"2008-12-14T10:29:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=702"},"modified":"2008-12-14T11:29:54","modified_gmt":"2008-12-14T10:29:54","slug":"aus-alt-mach-neu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2008\/12\/14\/702\/","title":{"rendered":"Aus alt mach neu"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2008\/12\/07\/695\">Letzte Woche<\/a> ging es zum die Schwierigkeiten die sich ergeben, wenn man den &#8220;Erfinder&#8221; eines Mechanismus benennen will. Eines der Probleme ist es imho, dass ein &#8220;alter&#8221; Mechanismus in neuer Umgebung schon u.U. (meiner Ansicht nach jedenfalls) als neue Erfindung gelten k\u00f6nnte. Oder umgekehrt: Gen\u00fcgend Abstraktion vorrausgesetzt\u00a0 ist ein Telefon auch nichts anderes als &#8220;Laut rufen&#8221; &#8230;<\/p>\n<p>Heute m\u00f6chte ich von einem \u00e4hnlichen Startpunkt ausgehen, aber eine andere Richtung einschlagen: Das <em>absichtliche <\/em>Modifizieren bekannter Spiele. Das klingt in\u00a0 nach Ideendiebstahl (*), ist es jedoch nicht unbedingt. Viele gute Spiele sind sichtlich von anderen Spielen inspiriert. Der Ansatz muss es in diesem Fall sein, ein bestehendes Spiel zu verbessern, neu zu beleben, eine neue Seite abzugewinnen. Besonders reizvoll ist dabei das modifizieren von Public Domain &#8211; Spielen. Denn die kennt ja jeder. Doch gleichzeitig ist das auch verdammt schwer. Denn man m\u00f6chte ja schlie\u00dflich mehr bieten, als nur eine kleine Variante eines eh frei verf\u00fcgbaren Spieles.<\/p>\n<p>Ein Beispiel: Ein bekanntes Spiel in Jugendgruppenkreisen funktioniert folgenderma\u00dfen: Alle Spieler schreiben einen Begriff auf ein Blatt Papier und ein Spieler muss nun eine Geschichte aus dem Stegreif erfinden, in der er alle diese Begriffe einbaut. Manchmal ist dies reiner Selbstzweck, meistens m\u00fcssen die anderen Spieler die Pflichtbegriffe erraten.<\/p>\n<p>Professionelle Versionen dieses Spieles gibt es schon relativ lange: <em>Carabistouille <\/em>z.B. oder auch (verkn\u00fcpft mit &#8220;Koffer packen&#8221;) <em>Die Story vom Pferd<\/em> von Max Kobbert. Doch alle f\u00fchlen sich mehr oder weniger wie das Original an. Und daf\u00fcr bedarf es nunmmal eigentlich kein eigenst\u00e4ndiges Spiel. Jetzt ist gerade<em> Ein bisschen Mord muss sein<\/em> bei Asmodee erschienen und hier wird das Spielprinzip wirklich erweitert: Die Storys sind kein Selbstzweck, sondern dienen der Ermittelung des M\u00f6rders. Der hat n\u00e4mlich andere Begriffe einzubauen als die Unverd\u00e4chtigen. Und alle wollen den Komissar mit ihren Geschichten verwirren. Die Grundidee wird also nicht blos erweitert, sondern benutzt um ein wirklich anderes Spiel zu gestalten &#8211; Herrlich!<\/p>\n<p>Aus k\u00fcnstlerischer Sicht ist das Bearbeiten &#8220;klassischer&#8221; Spiele sehr reizvoll. Ich hab mal gelesen, dass so ziemlich jeder M\u00f6beldesigner mindestens einmal versucht hat ein v\u00f6llig neues Stuhl-Design zu kreiieren. So ist das mit klassischen Spielen und Spieleautoren auch (nicht umsonst kam es zu einer Renaissance der W\u00fcrfelspiele, nun der kooperativen Spiele und der Rennspiele). Doch wie es auch M\u00fcllhalden unbrauchbarer Stuhl-Ideen geben d\u00fcrfte, ist auch eine sinnvolle Neuerfindung eines klassischen Spieles wirklich oberste K\u00f6nigsklasse. Der Grund daf\u00fcr ist die T\u00fccke, die eine solche Bearbeitung in sich tr\u00e4gt: In aller Regel ist das Grundspiel eben schon recht gut. Jede Variante wird also ebenso recht gut (aber eben nicht bemerekenswert) sein. Zudem besteht immer die Gefahr, dass man sich nicht traut, sich wirklich von den Regeln und Prinzipien des Urspieles zu l\u00f6sen. Dabei ist gerade das Verwenden eines alten Mechanismus in neuer Umgebung das Rezept f\u00fcr etwas wirklich k\u00fcnstlerisch und spielerisch wertvolles!<\/p>\n<p>Eine einfache Variante eines Urspieles ist dabei eher \u00fcberfl\u00fcssig, es sei denn das Urspiel ist sehr unbekannt &#8211; wie es z.B. bei <em>Die Werw\u00f6lfe von D\u00fcsterwald<\/em> der Fall war oder auch bei <em>Uno <\/em>(<em>Mau-Mau<\/em> ist\/war in den USA nahezu unbekannt). Hier kann eine Variante durchaus sinnvoll sein (Haim Shafir setzt bei Amigo erfolgreich Variationen von traditionellen israelischen Kartenspielen um) &#8211; inwieweit das dem eigenen k\u00fcnstlerischen Anspruch gen\u00fcgt muss aber jeder f\u00fcr sich selbst enstscheiden!<\/p>\n<p>ciao<\/p>\n<p>peer<\/p>\n<p>(*) Ja ich wei\u00df. Blo\u00dfe Ideen sind nicht gesch\u00fctzt und daher gibt es auch keinen Ideendiebstahl. W\u00e4re auch bl\u00f6d, weil dann Fortschritt nicht m\u00f6glich w\u00e4re. Von der Beweisbarkeit mal abgesehen. Aber der Begriff klingt nun einmal sch\u00f6n knackig und treffend.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzte Woche ging es zum die Schwierigkeiten die sich ergeben, wenn man den &#8220;Erfinder&#8221; eines Mechanismus benennen will. Eines der Probleme ist es imho, dass ein &#8220;alter&#8221; Mechanismus in neuer Umgebung schon u.U. (meiner Ansicht nach jedenfalls) als neue Erfindung gelten k\u00f6nnte. 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