{"id":554,"date":"2008-10-17T15:40:26","date_gmt":"2008-10-17T14:40:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=554"},"modified":"2008-10-19T09:52:40","modified_gmt":"2008-10-19T08:52:40","slug":"die-zweiseitige-medaille","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2008\/10\/17\/554\/","title":{"rendered":"Die zweiseitige Medaille"},"content":{"rendered":"<p>Nun habe ich mich letzte Woche dazu hinrei\u00dfen lassen eine Anekdote weiterzuerz\u00e4hlen ohne diese genauer zu pr\u00fcfen. Das ist gerade bei einem solch brisanten Thema eine grob fahrl\u00e4ssige Vorgehensweise, f\u00fcr dich um Entschuldigung bitten m\u00f6chte. Nach einem Gespr\u00e4ch mit der anderen Seite (sprich dem Rezensenten) f\u00fcge ich im folgenden noch einige Klarstellungen an. Ich werde das ganze auch zum Anlass nehmen, den ganzen Komplex um die Rezensionsexemplare noch etwas n\u00e4her zu beleuchten. Aber jetzt erst einmal zur\u00fcck zum konkreten Fall:<\/p>\n<p>Wichtig ist im Vorfeld schon einmal anzumerken, dass der betroffende Verlag zum Zeitpunkt des Geschehens zum ersten Mal in Essen ausgestellt war. Rezensent und Verlagsvertreter kannten sich nicht, der Verlagsvertreter kannte die Geflogenheiten der Essener Messe nicht. Zudem kommt es immer wieder vor, dass sich irgendwelche Messebesucher f\u00fcr Rezensenten f\u00fcr irgendwelche Magazine ausgeben, um Rezispiele abzustauben (Eine sehr \u00e4rgerliche Randerscheinung, die aber nicht auf die Spielemesse beschr\u00e4nkt ist. Auch in anderen Branchen versuchen sich Betr\u00fcger als Journalisten auszugeben &#8211; wie jeder der mal als &#8220;Security&#8221; bei einem Konzert gearbeitet hat, best\u00e4tigen kann). Um sich davor zu sch\u00fctzen kam der Verlagsvertreter auf die (wie er heute selber sagt) etwas merkw\u00fcrdige Idee dem Rezensenten eine schriftliche Rezensionsverpflichtung zum unterschreiben vorzulegen. Als Alternative (keine Unterschrift) die Idee mit dem Schriftzug auf der Schachtel. Beides lehnte der Rezensent ab.<\/p>\n<p>Einige Tage sp\u00e4ter liefen sich die beiden wieder \u00fcber den Weg und der Rezensent bot an, dass Spiel zum vollen Kauf zu kaufen &#8211; f\u00fcr den Privatgebrauch. Erst daraufhin bot der Verlagsvertreter das Spiel zum Rezensentenpreis an.<\/p>\n<p>Es erschien tats\u00e4chlich keine Rezension, aber ein Kurzbericht \u00fcber das Spiel. Die Begr\u00fcndung des Rezensenten war, dass Spiele von Verlagen, die kostenlose Reziexemplare gestiftet haben nat\u00fctlich vorgehen.<\/p>\n<p>Soweit die Geschichte. So ungl\u00fccklich das damals f\u00fcr die Beteiligten gelaufen und so ungl\u00fccklich auch meine etwas leichtfertige Erw\u00e4hnung der Geschichte war, kann man dem ganzen doch zumindest etwas Gutes abgewinnen: Eine sehr differenzierte Sichtweise der Rezensionsproblematik n\u00e4mlich.<br \/>\nDer Verlagsvertreter hat das Problem, dass er nicht zwischen seri\u00f6sen und unseri\u00f6sen Rezensionsgesuchen unterscheiden kann. Wie erw\u00e4hnt gibt es viel mehr Gesuche als man erf\u00fcllen kann, andererseits muss man scho die richtigen Stellen mit Reziexemplaren versorgen, damit \u00fcber das Spiel berichtet wird. Und selbst wenn man die Quellen kennt: Wer wei\u00df schon wer tats\u00e4chlich vom Magazin XYZ oder der Webseite ABC kommt? Selbst die Identifizierung der SdJ-HJurymitglieder d\u00fcrfte dem durchschnittlichem Neu-Aussteller schwerfallen. Eine Rezensionsverpflichtung ist da aber eher geeignet seinen Gegen\u00fcber zu ver\u00e4rgern als tats\u00e4chlich irgendwas sinnvolles zu bewirken &#8211; will man tats\u00e4chlich sein Recht einklagen (und wer macht das schon?) ist eine m\u00fcndliche \u00dcbereinkunft genauso rechtskr\u00e4ftig wie eine schriftliche (Es reicht schon ein &#8220;Ich gebe Dir dieses Rezensionsexemplar unter der Bedingung, dass in den n\u00e4chsten 12 Monaten eine Rezi erscheint&#8221; &#8211; &#8220;Einverstanden&#8221;). Der Rezensent wollte das Spiel nun einfach kaufen und der Verlagsvertreter bietet ihm das Spiel zum g\u00fcnstigeren Preis an. Damit r\u00fcckt er nat\u00fcrlich aus der Rolle des Bittempf\u00e4ngers in die Rolle des Bittenden &#8211; &#8220;Ich helfe dir [beim Preis] und hoffe daf\u00fcr auf Hilfe f\u00fcr mich[durch eine Rezi]&#8221;. Dass der Bitte dann nicht entsprochen wird (sprich: Keine <em>Rezension<\/em>) sorgt naturgem\u00e4\u00df f\u00fcr verst\u00e4ndliche Frustration. Jedes Rezensionsexemplar, dass keine Rezension nach sich zieht ist schlie\u00dflich eine Fehlinvestition.<\/p>\n<p>Umgekehrt der Rezensent: Er wei\u00df, dass seine Zeit und seine Ressourcen als Nebenberuflicher (oder gar Hobbym\u00e4\u00dfiger) Rezensent sehr beschr\u00e4nkt sind, wei\u00df umgekehrt aber auch, dass sein Magazin\/Webseite nur l\u00e4uft, wenn regelm\u00e4\u00dfig \u00fcber die neuesten und wichtigsten Spiele berichtet wird (<em>Anmerkung: Die Situation hier in der Spielbar ist eine etwas andere, da der Schwerpunkt hier bei diesem Blog liegt. Aber auch hier sind Rezis wichtig, z.B. um neue Leser zu locken&#8230; Zudem haben wir hier nicht die finanziellen Verpflichtungen, die andere Webseiten haben. Von Magazinen ganz zu schweigen<\/em>). Nun kann sich kein Rezensent alle entsprechenden Spiele leisten &#8211; insbesondere in den letzten Jahren, in denen dank Internet und Internationalisierung die &#8220;interessanten Spiele&#8221; sehr viel zahlreicher geworden sind. Er ist also auf Rezensionsexemplare angewiesen. Er wei\u00df auch nicht unbedingt, welche Spiele er in seinen Testrunden auf den Tisch bringen kann und will deswegen seine Verpflichtungen m\u00f6glichst klein halten. Daher muss er Priorit\u00e4ten setzen und da ist die Gewichtung nach Verpflichtungen vielleicht nicht die schlechteste aller L\u00f6sungen. Und wie gesagt: Da stehen Freiexemplare vor gekauften Exemplaren.<\/p>\n<p>Verst\u00e4ndlich sind also beide Positionen.<\/p>\n<p>Ich bin zum Gl\u00fcck nicht so von Reziexemplaren abh\u00e4ngig, da -wie gesagt &#8211; die Rezis hier eh einen eher kleinen Teil ausmachen. Generell halte ich mich an folgendes Credo: Wenn ich ein Reziexemplar anfordere (was selten vorkommt), dann folgt eine Rezension innerhalb weniger Monate. Sollte sich ein Termin verschieben, teile ich das dem Verlag mit. Das gilt sowohl f\u00fcr Rezi-Exemplare die ich umsonst bekomme, als auch f\u00fcr Spiele, f\u00fcr die ich dann weniger bezahle.<\/p>\n<p>Schickt mir ein Verlag dagegen ein Rezensionsexemplar zu, dann bem\u00fche ich mich zwar um eine Rezi, verspreche aber keine. Bei den Interviews weise ich die Verlage darauf hin, dass ich keine Reziexemplare erwarte, dass ich aber verspreche, alles zu spielen, was sie mir schicken und meine Ersteindr\u00fccke zu posten. Das tue ich dann auch &#8211; ob aber dara\u00fcberhinaus eine Rezi erscheint (wie bei <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/ice-flow\">Ice Flow<\/a>) h\u00e4ngt vom Spiel ab.<\/p>\n<p>Wie h\u00e4tte ich in o.s. Situation reagiert? Immer schwer zu sagen, wenn man nicht drinsteckt. Wenn ich das Spiel f\u00fcr interessant genug gehalten h\u00e4tte und h\u00e4tte absch\u00e4tzen k\u00f6nnen, dass ich mich f\u00fcr eine Rezi verpflichten k\u00f6nnte, h\u00e4tte ich wohl unterschrieben (und mich hinterher mit meinen Kollegen dar\u00fcber am\u00fcsiert, nehme ich an ;-) ). Zumindest h\u00e4tte ich vielleicht den Verlag kontaktiert, als der Kurzbericht erschien, mit kuzem Kommentar, ob eine Rezi noch zu erwarten ist oder so. Aber wie gesagt, als Au\u00dfenstehender zu urteilen f\u00e4llt schwer.<\/p>\n<p>ciao<\/p>\n<p>peer (n\u00e4chstes Mal &#8211; Nach der Messe!)<\/p>\n<p>P.S.: Messetipps:<\/p>\n<p>&#8211; F\u00fcr Partyspielfreunde: <em>Defender of ClayArt<\/em> von Japan Brand, nimmt die Variante aus den deutschen regeln. Kneten und dar\u00fcber diskutieren &#8211; witzig!<\/p>\n<p>&#8211; F\u00fcr Absackerspielfreunde: Bernd Eisensteins <em>Zack und Pack<\/em> (Kosmos) &#8211; ein schnelles Spiel um das schnelle Einsch\u00e4tzen von dreidimensionalen Figuren. &#8220;Das bessere Obongo&#8221; hie\u00df es gestern aus meiner Spielrunde. (Ja, ich bin mit Bernd befreundet. Mag das Spiel aber dennoch)<\/p>\n<p>&#8211; F\u00fcr Kartenspielfreunde: Jeff Allers: <em>Circus Maximus <\/em>(noch ein Freund von mir): Trickreiches &#8220;Versteigerungsspiel&#8221;, dass sich nicht so anf\u00fchlt und sch\u00f6n thematisch ist. Viel Spiel f\u00fcrs Geld!<\/p>\n<p>&#8211; F\u00fcr Freunde von etwas anspruchsvollerem: Ohne es gespielt zu haben; <em>Municipium <\/em>von Knizia (Valley Games) sieht sehr vielversprechend aus!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun habe ich mich letzte Woche dazu hinrei\u00dfen lassen eine Anekdote weiterzuerz\u00e4hlen ohne diese genauer zu pr\u00fcfen. Das ist gerade bei einem solch brisanten Thema eine grob fahrl\u00e4ssige Vorgehensweise, f\u00fcr dich um Entschuldigung bitten m\u00f6chte. Nach einem Gespr\u00e4ch mit der anderen Seite (sprich dem Rezensenten) f\u00fcge ich im folgenden noch einige Klarstellungen an. Ich werde [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_feature_clip_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":false,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2},"jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-554","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-1"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/554","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=554"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/554\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":559,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/554\/revisions\/559"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=554"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=554"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=554"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}