{"id":507,"date":"2008-09-27T12:50:41","date_gmt":"2008-09-27T11:50:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=507"},"modified":"2008-09-29T15:08:08","modified_gmt":"2008-09-29T14:08:08","slug":"kulturgut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2008\/09\/27\/507\/","title":{"rendered":"Kultur und Urheberrecht"},"content":{"rendered":"<p>Die Meldung der Woche ist sicherlich dass die Spieleautorenzunft in den deutschen <a href=\"http:\/\/www.kulturrat.de\/detail.php?detail=1402&amp;rubrik=2\">Kulturrat <\/a>aufgenommen wurde. Ein sicherlich begr\u00fc\u00dfenswerter Schritt, nicht zuletzt deswegen weil damit still und heimlich ein kompletter Kurswechsel vollzogen wurde. 2004 &#8211; der Zeitpunkt der umstrittenden &#8220;Ravensburger Erkl\u00e4rung&#8221; &#8211; stand noch das Unwort &#8220;Professionalisierung&#8221; ganz gro\u00df auf der SAZ-Flagge. Damals war die Politik (zumindest erweckte die Au\u00dfenwahrnehmung diesen Eindruck) noch, dass Spieleautoren &#8220;professionell&#8221; zu sein hatten: Wer Spiele erfindet, soll das wenigstens &#8220;professionell&#8221; tun &#8211; was ich so \u00fcbersetze: &#8220;Macht, was die Verlage wollen oder lasst es bleiben!&#8221;. F\u00fcr den Hobby-Autoren, der nur ein Spiel f\u00fcr sich und seine Freunde machen m\u00f6chte und keine Ahnung vom &#8220;Markt&#8221; hat, ist kein Platz in der (Spieleautoren-)Welt.<br \/>\nVon dieser Marschrichtung ist die SAZ nun ganz klar abger\u00fcckt. Wenn ein Brettspiel ein Kulturgut ist, dann ist es ein Werk, keine Ware. Das bedeutet insbesondere, dass auch Spiele ohne vermarkbaren N\u00e4hrwert ihre Daseinsberechtigung haben. Witzigerweise gibt es dank Damien Hirst auf dem Kunstmarkt ja gerade die gegenteilige Entwicklung &#8211; aber ich schweife ab.<br \/>\nB\u00f6se Zungen k\u00f6nnten nun einwerfen, dass die Mehrheit der SAZ-Mitglieder an diesem Kurswechsel genauso wenig Anteil hatten, wie an der Ravensburger Erkl\u00e4rung. Aber das liegt wohl in der Natur eines schwerf\u00e4lligen Vereines und soll hier nicht er\u00f6rtert werden (Zumal ich diesen Kurswechsel ja sehr begr\u00fc\u00dfe).<\/p>\n<p>Wird die Aufnahme in den Kulturrat Auswirkungen auf die Urheberschutzdebatte haben? Bevor ich mich dieser Frage widme eine kleine Zusammenfassung der bisheriegen Geschehnisse:<\/p>\n<p>Reiner Knizia hatte ja den Humboldt Verlag verklagt, weil dieser in seiner &#8220;Enzyklop\u00e4die der W\u00fcrfelspiele&#8221; Spiele und Spielanalysen von Knizia abgedruckt hatte, ohne ihn als Autoren um Erlaubnis zu fragen. Die Klage wurde abgewiesen, das Urteil findet man (anonymisiert) <a href=\"http:\/\/lrbw.juris.de\/cgi-bin\/laender_rechtsprechung\/document.py?Gericht=bw&amp;nr=10326\">hier<\/a>. Ich habe mich dann in einem <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2008\/06\/14\/316\">Blogeintrag <\/a>ausf\u00fchrlicher mit dem Urteil und m\u00f6glichen Konsequenzen auseinandergesetzt. In den Kommentaren wurde eifrig diskutiert, auch Eckhard Schwettmann, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer bei Humboldt diskutierte mit. Die SAZ folgte dann mit einem eigenen <a href=\"http:\/\/spielblog.com\/\">Blog<\/a>, auf dem bislang 4 Artikel zu lesen sind &#8211; alle zum Urheberrecht, der neueste allerdings auch schon wieder gut 2 Monate alt. Die Artikel und die zugeh\u00f6rigen Kommentare sind durchaus lesenswert. Besonders interessant der Kommentar von Andreas Sch\u00e4fer zu dem Artikel &#8220;Fabelhaftes Urheberrecht&#8221; : Hier erkl\u00e4rt er, dass eigentlich zwischen regulierenden Regeln und erschaffenden Regeln unterschieden werden m\u00fcsse (Die ersten regeln etwas was auch ohne sie existiert &#8211; z.B. den Verkehr &#8211; die anderen erschaffen erst das wassie regeln &#8211; z.B. ein Brettspiel). Auch au\u00dferhalb der SAZ wurde diskutiert. So folgte auf eine entsprechende Meldung des B\u00f6rsenblatts (die sich eher f\u00fcr eine Versch\u00e4rfung des Urheberrechts &#8211; allerdings f\u00fcr B\u00fccher &#8211; einsetzen) einige b\u00f6se <a href=\"http:\/\/www.boersenblatt.net\/201407\/\/template\/b4_tpl_rechtundgesetz\/\">Kommentare<\/a>.<br \/>\nLeider ist die Diskussion seitdem bereits wieder eingeschlafen. Das liegt sicherlich zum einem am Sommerloch, zum anderen auch daran, dass die Bewertung des Urteils nach wie vor schwer f\u00e4llt. Jurist Stefan Risthaus nimmt das Urteil in der aktuellen Ausgabe der Spielbox (4\/2008) regelrecht auseinander. Eine Revision h\u00e4tte\u00a0 also anscheinend durchaus hohe Erfolgschancen gehabt. Warum Knizia diesen juristischen Weg nicht gegangen ist, ist mir schleierhaft &#8211; Nun ist das Urteil rechtskr\u00e4ftig und kann zur Begr\u00fcndung weiterer Urteile dienen. Insgesamt hat er damit der Szene wohl einen B\u00e4rendienst erwiesen.<\/p>\n<p>Allerdings bleibt die Frage der \u00dcbertragbarkeit des Urteils auf andere Rechtsf\u00e4lle und die Frage wieweit Spiele nun <em>wirklich <\/em>in der Praxis gesch\u00fctzt sind. Das die Frage nicht eindeutig zu beantworten ist, sieht man schon an der kuriosen Tatsache, dass der Vorstand der SAZ fast zeitgleich zwei widerspr\u00fcchliche Erkl\u00e4rungen verfasst hat:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.spieleautorenzunft.de\/joomla\/#stellungnahme_02-07-2008\">Hier <\/a>schrieb er, dass das Urheberrechts auch Spiele umfasst, w\u00e4hrend er <a href=\"http:\/\/www.spieleautorenzunft.de\/joomla\/#PI_08-07-2008\">hier <\/a>davon spricht, dass es bislang nur einen Ehrenkodex g\u00e4be, der endlich auf eine rechtliche Basis gestellt werden m\u00fcsste&#8230;<\/p>\n<p>Was ist nun richtig? Das wei\u00df vermutlich kein Mensch. Wie ich <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2008\/06\/14\/316\">bereits <\/a>schrieb, halte ich es f\u00fcr kaum bestreitbar, dass komplexere Spiele gesch\u00fctzt sind. Grenzwertig sind aber Spiele mit einfachen Grundideen: Kinderspiele, abstrakte Zweier, Partyspiele etc. Hier t\u00e4te ein Grundsatzurteil sicherlich gut. Eine Alternative w\u00e4re auch eine entsprechende Gesetzesklarstellung (insbesondere auch, dass Spielregeln keine &#8220;Gebrauchstexte&#8221; sind). Zumal keiner wei\u00df wie weit der &#8220;Ehrenkodex&#8221; tats\u00e4chlich reicht, wenn es hart auf hart kommt &#8211; und in Zeiten der EU und der internationalen \u00d6ffnung des Spielemarktes sowieso.<br \/>\nSoweit ich jetzt beurteilen kann hat sich nach einiger hektischer Betriebsamkeit letztlich nicht viel getan. Wichtig w\u00e4re es zumindest einmal alle Beteiligten (Autoren, Verlage, Juristen) mal an einen Tisch zu holen und gemeinsam eine L\u00f6sung zu diskutieren. So etwas zu Organisieren ist sicherlich nicht einfach, aber was ist schon einfach?<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zum Kulturrat: Die SAZ ist \u00fcberzeugt davon, dass durch die Aufnahme in den Kulturrat &#8220;Spiele in der Zukunft denselben Schutz genie\u00dfen wie andere Kulturg\u00fcter&#8221; (<a href=\"http:\/\/www.spieleautorenzunft.de\/deutsch\/aktuelles\/index.html\">Quelle<\/a> (Dank an G\u00fcnter Cornett f\u00fcr den <a href=\"http:\/\/www.spielbox.de\/phorum4\/read.php4?f=3&amp;i=7942&amp;t=7937&amp;\">Hinweis im Autorenforum<\/a>). Ich bin da nicht ganz so euphorisch, aber immerhin noch optimistisch ;-)<br \/>\nDurch die Aufnahme wird das Spiel tats\u00e4chlich eher als Kulturgut wahrgenommen und sorgt f\u00fcr etwas mehr Lobby. Auch Juristen k\u00f6nnten durch das Siegel &#8220;Kulturgut&#8221; einen etwas anderen Blickwinkel bekommen. Aber verlassen sollte man sich darauf eben so wenig wie auf den sogenannten &#8220;Ehrenkodex&#8221;. Nach wie vor m\u00fcsste die SAZ auf eine gesetzliche Klarstellung hinarbeiten(*) und dabei kann der Kulturrat sicherlich helfen: Die haben Erfahrung mit Urheberrechtdebatten (aktuell fordern sie z.B. eine Verl\u00e4ngerung der Schutzfrist f\u00fcr Tontr\u00e4ger) und sicherlich auch deutlich mehr politisches Schwergewicht als\u00a0 SAZ. Aber letztlich muss jegliche Aktion zuerst einmal von irgend jemandem iniitiert werden &#8211; ich kann nur hoffen dass das auch geschieht!<\/p>\n<p>ciao<br \/>\npeer<\/p>\n<p>(*) oder sogar Gleichstellung, sollte das noch nicht erfasst sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Meldung der Woche ist sicherlich dass die Spieleautorenzunft in den deutschen Kulturrat aufgenommen wurde. Ein sicherlich begr\u00fc\u00dfenswerter Schritt, nicht zuletzt deswegen weil damit still und heimlich ein kompletter Kurswechsel vollzogen wurde. 2004 &#8211; der Zeitpunkt der umstrittenden &#8220;Ravensburger Erkl\u00e4rung&#8221; &#8211; stand noch das Unwort &#8220;Professionalisierung&#8221; ganz gro\u00df auf der SAZ-Flagge. 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