{"id":435,"date":"2008-08-23T11:04:26","date_gmt":"2008-08-23T10:04:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=435"},"modified":"2008-09-26T15:33:34","modified_gmt":"2008-09-26T14:33:34","slug":"spiele-preview-playing-gods","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2008\/08\/23\/435\/","title":{"rendered":"Spiele-Preview: Playing Gods"},"content":{"rendered":"<p>Ja, eine neue Kategorie auf der Spielbar! Die Verlagsvorstellungen werden jetzt erg\u00e4nzt um Spielepreviews. Alles f\u00fcr die Kleinverlage! :-)<\/p>\n<p>Aber keine Angst! Ich werde versuchen, meine Previews immer etwas mit einem etwas allgemeineren Thema zu verkn\u00fcpfen. Wer sich also nicht f\u00fcr noch nicht erschienene Spiele interessiert, hat dennoch was zum lesen.<\/p>\n<p>Regelm\u00e4\u00dfig erscheinen Spiele, die eine besondere Aussage machen m\u00f6chten. Positiv formuliert: Hier nutzt der Autor sein k\u00fcnstlerisches Werk um auf Mi\u00dfst\u00e4nde oder Probleme hinzuweisen. Und wie das mit der Kunst so ist: Spiele, die eine Aussage haben, m\u00fcssen dann auch keinen Spa\u00df machen. Allerdings w\u00fcrde es nat\u00fcrlich schon helfen, wenn sie auch aus spielerischer Sicht was b\u00f6ten, denn dann k\u00e4me die Aussage doch noch etwas besser r\u00fcber. Leider ist es so, dass die meisten Versuche Spielbarkeit mit Aussage zu verkn\u00fcpfen gescheitert sind. Mein Deutschlehrer pflegte zu sagen: &#8220;Wer sich auf die Form konzentriert, vernachl\u00e4ssigt oft den Inhalt und umgekehrt. Nur wirklich gute Autoren k\u00f6nnen beides auf hohem Niveau bieten.&#8221; \u00c4hnliches scheint f\u00fcr Spiele zu gelten. So verarbeitete Dr. J\u00fcrgen Jungh\u00e4nel in dem Spiel &#8220;Die riesige Gemeinheit&#8221; die neuen Abrechnungsvorschriften f\u00fcr \u00c4rzte. Wohl sogar recht gut umgesetzt, f\u00e4llt die Satire als <em>Spiel <\/em>flach: Zu dicht an der Wirklichkeit, zu undurchschaubar f\u00fcr Au\u00dfenstehende. Noch schwieriger ist es in F\u00e4llen, in denen Anspielungen zeitlich sehr kurzlebig sind. <em>Viva Republica<\/em> oder <em>Bimbes waren <\/em>solche F\u00e4lle. Beide Spiele beziehen sich auf politische Skandale der Vergangenheit. Ohne den Kontext, in dem sie erschienen sind, k\u00f6nnen sie aber nicht bestehen &#8211; spielerisch bieten sie doch arg wenig. Noch eine Stufe weiter sind Spiele, die nicht nur eine Aussage machen wollen, sondern sogar gezielt provozieren. <em>War on Terror<\/em> ist ein solches Spiel. Die Autoren wollen darauf hinweisen, dass im Kampf gegen den Terror nicht nur den Terroristen jedes Mittel Recht ist. Und f\u00fcr diese Aussage provozieren sie auch ordentlich &#8211; inklusive eines Selbstmordattent\u00e4ters auf dem Cover. Und wer provoziert muss damit rechnen, dass er entsprechend Gegenwind bekommt &#8211; und der war wohl st\u00e4rker als der Verlag es letztlich wollte (u.a.: Durfte das Spiel damals in Essen nicht vorgestellt werden).\u00a0 Die Autoren m\u00fcssen sich den Vorwurf gefallen lassen, \u00fcber das Ziel hinausgeschossen zu sein. Dadurch wird die eigentliche Aussage von der Kontroverse ums Spiel in den Hintergrund ger\u00fcckt.<\/p>\n<p>Besser machen m\u00f6chte es Benjamin Radford, ein Skeptiker (er schreibt f\u00fcr den <em>Skeptical Inquirer<\/em> und hat gerade ein Buch mitverfasst in der es um die Untersuchung von legend\u00e4ren Seemonstern geht &#8211; Nessi inklusive), Journalist und neuerdings auch <a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt1071781\/\">Filmemacher <\/a>mit seinem Spiel <em>Playing Gods -The Board Game of Divine Domination<\/em> , das im Oktober erscheinen soll.<\/p>\n<p><em>Playing Gods<\/em> ist als eine Satire auf die religi\u00f6sen Kriege gedacht. 2-5 Spieler schl\u00fcpfen in die Rolle ihres Lieblingsgottes -Neben den 5 gro\u00dfen Religionen kann man auch Chtuhulu, Scientology, Zeus oder den Amerikanischen Dollar spielen &#8211; oder sich einen eigenen Gott ausdenken- und versucht die Konkurrenz in den Staub zu treten. Dazu entsendet man seine J\u00fcnger, konvertiert die J\u00fcnger des Gegners oder erledigt diese kurzerhand mit Naturkatastrophen.<\/p>\n<p>Urspr\u00fcnglich sollte <em>Playing Gods<\/em> ein normales Pr\u00fcgelspiel mit \u00e4gyptischen, griechischen und nordischen Gottheiten werden. Nach dem 11. September begann der Autor jedoch verst\u00e4rkt dar\u00fcber nachzudenken, dass viele Konflikte in der Welt ihre Wurzel in religi\u00f6sen Differenzen haben: Der Nordirlandkonflikt, der Krieg gegen den Terror&#8230; Also begann er auch die modernen Gottheiten miteinzubeziehen und dem Spiel eine satirische Note zu geben. Er legt wert auf die Feststellung, dass er niemanden br\u00fcskieren will, dass er sich aber auch nicht den Mund verbieten lassen will. Die Schachtel enth\u00e4lt \u00fcbrigens den Aufdruck: &#8220;WARNING: Contains satire. Keep away from easily-offended fundamentalists.&#8221; Er ist der Meinung, dass Satire das richtige Mittel zum Zweck ist. Au\u00dferdem sind alle Religionen im Spiel gleichwertig &#8211; er empfindet die Vorstellung, dass eine Religion &#8220;besser&#8221; ist als eine andere als arrogant.<\/p>\n<p>Spielerisch soll <em>Playing Gods<\/em> auch was bieten: Radford m\u00f6chte nicht, dass es als reines &#8220;Gimmick-Spiel&#8221; gesehen wird. Nat\u00fcrlich geht es ums erobern und entsprechend zeigt der Spielplan die Erde, komplett mit heiligen St\u00e4tten, in denen die G\u00f6tter neue Kraft tanken k\u00f6nnen. Die G\u00f6tter selbst bewegen sich nicht auf der Erde, sondern bleiben im Himmel &#8211; ein Kreis, der um den Spielplan herumf\u00fchrt. Hier man\u00f6vrieren die G\u00f6tter und spielen auf passenden Feldern passende Karten aus, um eigene J\u00fcnger zu st\u00e4rken oder gegnerische mittels Naturkatastrophen zu t\u00f6ten. Bestimmte Kombinationen sorgen f\u00fcr eine permanente St\u00e4rkung der eigenen Macht. Insgesamt ergibt sich (laut Autor) eine homogene Mischung aus Gl\u00fcck und Strategie, bei einer Spieldauer zwischen 30 (zu dritt) bis 90 minuten (zu f\u00fcnft). Die Karten sind so gestaltet, dass sich aus ihrer Farbe ihre Funktion erschlie\u00dft und somit keine allzu gro\u00dfen Englischkenntnisse zum Spielen vonn\u00f6ten sind. Allerdings versteht man dann auch nicht die satirischen Kommentare zu den Karten&#8230;<\/p>\n<p>Der Autor verhandelt z.Z. noch mit einem bekannten deutschen Vertrieb, sollte es mit der Kooperation nichts werden, so kann man das Spiel direkt \u00fcbers <a href=\"http:\/\/www.PlayingGods.com\">Internet <\/a>beziehen. \u00dcber den Entwicklungsprozess kann man sich \u00fcber das <a href=\"http:\/\/playinggods.blogspot.com\/\">Blog des Autoren<\/a> infomieren.<\/p>\n<p>Ich jedenfalls bin gespannt auf das Spiel &#8211; vor allem ob es endlich mal gelungen ist, ein satirsches Spiel mit Aussage UND gutem Spielgef\u00fchl zu kreiren. Da der Autor selbst Brettspieler ist, bin ich guter Hoffnung!<\/p>\n<p>ciao<\/p>\n<p>Peer<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ja, eine neue Kategorie auf der Spielbar! Die Verlagsvorstellungen werden jetzt erg\u00e4nzt um Spielepreviews. Alles f\u00fcr die Kleinverlage! :-) Aber keine Angst! Ich werde versuchen, meine Previews immer etwas mit einem etwas allgemeineren Thema zu verkn\u00fcpfen. Wer sich also nicht f\u00fcr noch nicht erschienene Spiele interessiert, hat dennoch was zum lesen. 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