{"id":4177,"date":"2013-01-13T11:12:03","date_gmt":"2013-01-13T09:12:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=4177"},"modified":"2013-01-13T11:25:58","modified_gmt":"2013-01-13T09:25:58","slug":"kartenspiele-mit-zwangsjacke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2013\/01\/13\/4177\/","title":{"rendered":"Kartenspiele mit Zwangsjacke"},"content":{"rendered":"<p>Vorab: Ich habe das Erscheinen von <em>10 Tage durch Deutschland<\/em> genutzt, um mich mal <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/10-tage-serie\">mit der gesamten 10-Tage-Serie zu befassen<\/a>.<\/p>\n<p>In den letzten 12 Monaten haben mir drei Verlage gesagt, dass sie Kartenspiele f\u00fcr ihr Verlagsbprogramm suchen. Hinzu kommen die bekannten Reihen von Amigo oder Adlung. Nun sind reine Kartenspiele (ohne Zusatzmaterial) nicht so mein Designding, aber auf den ersten Blick siehts ja gut aus f\u00fcr ambitionierte Autoren.\u00a0 Kleiner Einschub:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2012\/02\/18\/2668\">Letztes Jahr<\/a> hatte ich mich gefragt, wer wohl mehr Einfluss auf die Spielelandschaft hat, die Autoren oder die Redakteure, die was f\u00fcr ihre Verlage riskieren. W\u00e4hrend ich denke, dass bei Brettspielen innovative Ans\u00e4tze schon ver\u00f6ffentlicht werden, wenn das Spiel \u00fcberzeugt (zumindest hoffe ich noch f\u00fcr die originelleren meiner Protos ;-) ) so gibt es bei Kartenspielen schon deutliche No-Gos, die heutzutage wenig Chancen haben, bei etablierten Verlagen zu landen:<\/p>\n<p><em>(Kurze Anmerkung: Das klingt im folgenden ein bisschen nach &#8220;Die Trauben sind sauer&#8221;, aber tats\u00e4chlich habe ich nur ein einziges reines Kartenspiel &#8220;im Programm&#8221;, ich schreibe also nicht aus &#8220;frustrierter Autor&#8221;, sondern eher als &#8220;frustrierter Kartenspieler&#8221; &#8211; dazu unten mehr)<\/em><\/p>\n<p><strong>Keine Versteigerungen<\/strong>: Versteigerungen sind mittlerweile ein sbsolutes Tabu bei den meisten Verlagen &#8211; oftmals wird beim V-Wort nicht einmal die Regel angesehen. Die Kritik: Versteigerungen sind Anf\u00e4ngerfeindlich. Da ist nat\u00fcrlich auch etwas Wahres dran. Um versteigern zu k\u00f6nnen, muss man den Wert einer Sache einsch\u00e4tzen k\u00f6nnen und das ist bei den ersten Partien schwierig. Und Wenigspieler m\u00f6gen das offene Bieten auch nicht so, sondern haben lieber etwas, an dem sie sich festhalten wollen. Auf der anderen Seite stehen Spiele wie <em>Kuhhandel<\/em> oder <em>For Sale<\/em> (vielleicht auch <em>High Society<\/em>), die sich trotz Versteigerungen gut verkauft haben m\u00fcssen, bedenkt man die lange Marktpr\u00e4senz. Auch sehe ich (als Nicht-Redakteur) Unterschiede in den verschiedenen Versteigerungstypen &#8211; nicht jede Versteigerung ist das \u00fcbliche &#8220;Wer bietet mehr?&#8221; , Anlegetypen wie z.B bei <em>Evo<\/em> geben Wenigspielern etwas vor, an dem sie sich orientieren k\u00f6nnen oder die gar nicht als solche Wahrgenommen werden (Poker-Kombinationen sind ja auch eine Art Versteigerungen, wenn man sich damit gegenseitig \u00fcberbietet, vor allem bei &#8220;einmal rum. <em>Geschenkt ist noch zu teuer<\/em> w\u00e4re ein weiteres Beispiel). Doch auch innovative Versteigerungen sind prim\u00e4r uninteressant f\u00fcr die meisten (wenn nicht alle) Verlage zur Zeit.<\/p>\n<p><strong>Keine Stichspiele<\/strong>: Mitte der 90er Jahre entdeckten die Verlage die Kartenspiele und fluteten den Markt mit einer riesigen Menge innovativer (und weniger innovativer) Produkter. Viele meiner Lieblingskartenspiele stammt aus dieser Zeit, z.B. <em>6 nimmt<\/em>, <em>Comeback<\/em> (ein Versteigerungsspiel) oder <em>Sticheln<\/em> (ein Stichspiel). Schnell war der Markt \u00fcbers\u00e4ttigt &#8211; denn wie viele Stichspiele braucht man denn so? Viele sp\u00e4ter erschienen Stichspiele gingen in der Flut und in den darauffolgenden satten Jahren unter und die Verlage lernten: Stichspiele verkaufen sich nicht. Das ist als Stichspielfan schade und ich wei\u00df nicht inwieweit das stimmt. Innovative Stichspiele k\u00f6nnten durchaus noch stechen, wenn sie ab und an mal rauskommen &#8211; die Flut ist ja fast 20 Jahre her und mittlerweile gibt es eine neue Spielergeneration. Aber Stichspiele haben wenig Lobby und ich habe das Gef\u00fchl, das bei Stichspielen eher herausgestellt wird, dass es ein weiteres Stichspiel ist, anstelle dass etwas originelles, eigenst\u00e4ndiges ist. Aber das mag spielerische Verblendung sein&#8230;<\/p>\n<p><strong>Keine reinen Zweier<\/strong>: Hugh, der Markt hat gesprochen! Spiele m\u00fcssen m\u00f6glichst von 2-20 alle Spielerzahlen abdecken. Auch diese Regel kommt nicht von ungef\u00e4hr: Au\u00dfer Kosmos hat es kein ein Verlag geschafft eine best\u00e4ndige Zweipersonenkartenspielreihe aufzubauen. Und es haben vielen versucht, denn Kosmos Erfolg wollte ja kopiert werden. Woran es liegt, wei\u00df ich nicht, aber reine Zweier werden von Verlagen nur in homeopathischen Dosen und nur mit feuerfesten Handschuhen angefasst.<\/p>\n<p><strong>Nichts Komplexes<\/strong>: Kartenspiele m\u00fcssen einfach sein, dass gilt bei Kartenspielen noch mehr als bei Brettspielen, denn reine Kartenspiele richten sich viel st\u00e4rker an Wenigspieler als an Vielspieler aus (siehe auch Stichspiele). Wer gerne soziologische Forschungen betreibt kann sich mal mit der Frage auseinandersetzen warum das so ist: Haben Vielspieler gelernt, dass Kartenspiele selten komplexe Optimierungsdinger sind oder erscheinen Vielspielerspiele nicht in Kartenspielformat, weil Vielspieler die gar nicht beachten w\u00fcrden?<\/p>\n<p>Aus dem gesagten ergibt sich, dass Kartenspiele keine Versteigerungen enthalten d\u00fcrfen, f\u00fcr m\u00f6glichst viele verschiedene Spielerzahlen geeignet sein m\u00fcssen, nicht zu regelkomplex sein d\u00fcrfen und Stichspiele scheiden eh aus. Als Resultat darf es da kaum verwundern, dass neuartige Kartenspiele selten sind. Die meisten sind entweder Sammelspiele (S\u00e4tze sammeln) oder 6-nimmt-m\u00e4\u00dfige Ablegeaufgaben, die sich alle eher \u00e4hnlich spielen und sich qualitativ wie spielerisch im Kern recht wenig unterscheiden. Originelle Vertreter wie The City oder <em>Hanabi<\/em> sind selten. Das ist als Kartenspielfan etwas frustrierend &#8211; waren fr\u00fcher z.B. Amigo-Spiele immer ein Blick wert, so gucke ich heutzutage nur gezielt mal eines an. Zu viele Spiele erscheinen, die durch die eben erw\u00e4hnten regeltechnische Zwangsjacken zu \u00e4hnlich sind, als dass sie Platz in meiner Sammlung finden w\u00fcrden (das gesagte gilt f\u00fcr Kartenspiele im allgemeinen, nicht nur f\u00fcr Amigo im speziellen).<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite k\u00f6nnte eine sehr restriktive Kartenspielpolitik auch daf\u00fcr sorgen, dass kreative Spiele erscheinen m\u00fcssen &#8211; warum geschieht das nicht? Vermutlich weil hierzulande entsprechende Autoren dann eben andere Spiele machen, vollwertige Brettspiele oder aufgemotzte Kartenspiele f\u00fcr die kleinen Brettspielschachteln. In Japan sieht die Lage anders aus: Hier klappt die Beschr\u00e4nlung und sorgt f\u00fcr Spiele wie <em>Love Letter<\/em>,<em> R-\u00d6ko<\/em> oder <em>Grimoire<\/em>. Dort haben <em>Brett<\/em>spiele n\u00e4mlich keine Ver\u00f6ffentlichungschance.<\/p>\n<p>ciao<\/p>\n<p>peer<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorab: Ich habe das Erscheinen von 10 Tage durch Deutschland genutzt, um mich mal mit der gesamten 10-Tage-Serie zu befassen. In den letzten 12 Monaten haben mir drei Verlage gesagt, dass sie Kartenspiele f\u00fcr ihr Verlagsbprogramm suchen. Hinzu kommen die bekannten Reihen von Amigo oder Adlung. 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