{"id":314,"date":"2008-06-06T18:31:07","date_gmt":"2008-06-06T17:31:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=314"},"modified":"2018-05-23T20:53:28","modified_gmt":"2018-05-23T18:53:28","slug":"ein-mangel-an-kunden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2008\/06\/06\/314\/","title":{"rendered":"Ein Mangel an Kunden"},"content":{"rendered":"<p>Nach dem kleinen Interview-Marathon der letzten Wochen wieder ein normales Post von mir. Und anl\u00e4\u00dflich des G\u00f6ttinger Spieleautorentreffen (zu dem ich aus famili\u00e4ren Gr\u00fcnden nicht kommen konnte) m\u00f6chte ich mit einem Zitat beginnen:<\/p>\n<p style=\"center;\"><em>[Es gibt] keinen Mangel an guten Ideen, nur einen Mangel an den Ressourcen diese zu produzieren und einen Mangel an potentiellen Kunden. <\/em><\/p>\n<p style=\"center;\"><em>&#8211;<\/em> Paul Edels (Solbenk).<\/p>\n<p>Ich finde diesen Satz bemerkenswert, obgleich ich in der Spieleszene nun ja schon ein paar Jahre aktiv bin. Bevor ich angefangen habe Spiele zu erfinden, hatte ich (als gut informierter Vielspieler) aus den diversen Aussagen von diversen &#8220;wichtigen&#8221; Leuten den Eindruck gewonnen es g\u00e4be nur wenig &#8220;echte&#8221; Spieleerfinder und die meisten Ideen, die ein Verlag so zu sich bekommt besteht aus unproduzierbaren Schrott. Letzteres mag sogar stimmen, doch die Aussage, so wie sie sich liest, vermittelt ein falsches Bild (\u00fcbrigens ist das vielleicht sogar manchmal Absicht, dieses Argument war z.B. bei der ber\u00fchmten &#8220;Ravensburger-Erkl\u00e4rung&#8221; der SAZ zu lesen). Als ich mein erstes Spiel damals fertig hatte und mir auch alle best\u00e4tigten, dass es sich so ganz gut spielen w\u00fcrde, dachte ich mir &#8220;Ach, wenn ich ein gut entwickeltes Spiel einschicke, wird es schon jemand nehmen! Ich bin ja nicht die breite Masse, die keine Ahnung von Spielen hat!&#8221; Nat\u00fcrlich dauerte es nicht lange, bis ich merkte, dass da was nicht stimmen konnte. Nicht nur meine eigenen Ideen worden abgelehnt, auch imho ausgezeichnete Prototypen bekannter Autoren gingen an ihre Urheber zur\u00fcck (darunter Sylvester-Preistr\u00e4ger wie <em>Pala<\/em> oder <em>Portho Carthago<\/em>, aber auch G\u00fcnter Cornetts <em>Toledo<\/em>). Heute wei\u00df ich zwar dass rein statistisch 1-3 Ver\u00f6ffentlichungen auf 100 eingesendete Spiele kommen, aber wie viele von diesen 100 Spielen tats\u00e4chlich &#8220;brauchbare&#8221; Einsendungen sind, vermag ich immer noch nicht zu sch\u00e4tzen. Zweifelsohne ist da auch echter Schrott dabei, aber es gibt doch eine ganze Reihe von etablierten Autoren, deren Spiele ebenfalls nicht ver\u00f6ffentlicht werden (Reiner Knizia sagte mal, 20% seiner Prototypen w\u00fcrden ver\u00f6ffentlicht. Angesichts der doch hohen Zahl von Knizia-Spielen und insbesondere Knizia-Auftragsspielen eine \u00fcberraschend niedrige Zahl).<\/p>\n<p>F\u00fcr das falsche Bild verantwortlich sind aber nicht nur die &#8220;Mensch-\u00e4rgere-dich-nicht-Erfinder&#8221;, sondern nat\u00fcrlich auch die Verlage mit ihrem Verlagsprogramm. Da sind immer eine Reihe Spiele dabei, von denen man denkt &#8220;Sowas wird angenommen?&#8221; Dabei wird zum einen \u00fcbersehen, dass es sich dabei meistens um Auftragsarbeiten handelt: Um Lizenzprodukte etwa oder um gezielt ein Spiel f\u00fcr eine bestimmte Zielgruppe auf den Markt zu bringen. Diese Spiele stammen dann oftmals von einem etablierten Autoren. Oder der Autor hat das Gl\u00fcck bereits eine gewisse &#8220;Schallmauer&#8221; durchbrochen zu haben, so dass seine Spiele per s\u00e9 eine bessere Ver\u00f6ffentlichungschance haben (Franz-Benno Delonge meinte einmal zu mir: &#8220;Sehr gute Spiele werden immer fr\u00fcher oder sp\u00e4ter einen Verlag finden. Schlechte Spiele niemals. Bei allen anderen Spielen hilft es wenn man bereits einen Namen hat&#8221;).<\/p>\n<p>Aber man kann es denn Verlagen auch nicht vorwerfen, dass sie auch mal zu Unrecht ein Spiel ablehnen (Au\u00dfer es ist von mir nat\u00fcrlich ;-) ) &#8211; letztlich stochern die Redakteure (bei aller Erfahrung die sie haben) genauso im Nebel wie alle anderen auch. Sie k\u00f6nnen versuchen zu raten was gut ankommen w\u00fcrde und sie k\u00f6nnen sich auf ihr Profil bei der Prototypenauswahl st\u00fctzen, aber letztlich ist die Auswahl des &#8220;richtigen Spieles&#8221; (aus Marketingsicht &#8220;richtig&#8221;) Gl\u00fcckssache.<\/p>\n<p>Umgekehrt gilt f\u00fcr den Autoren: Er kann versuchen das Spiel so oft wie m\u00f6glich zu testen und muss ehrlich zu sich sein was potentielle Verbesserungsm\u00f6glichkeiten betrifft. Er kann viel Zeit in die Verlagssuche investieren, so dass er potentiell dem perfekten Verlag ein perfektes Spiel anbietet. Aber letztlich braucht er eine Sache: Gl\u00fcck (Und Beziehungen sind auch nicht zu verachten, wenn auch nicht unbedingt n\u00f6tig)<\/p>\n<p>Um zum Schlu\u00df zu kommen: Es gibt viel mehr Ideen auf dem Markt, als der Uneingeweihte meint &#8211; Das G\u00f6ttinger Autorentreffen sei ein Zeugnis- insofern darf es nicht verwundern, dass sich Verlage den Luxus erlauben nur perfekt ausgearbeitete Spielideen zu akzeptieren (auch wenn man immer wieder von &#8220;starken Bearbeitungen&#8221; h\u00f6rt). Mich wundert daher eines: Laut den <a href=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/news.php\">Westpark-Gamern<\/a>, sollen sich tats\u00e4chlich Verlage gemeldet haben, die Interesse an Moritz Eggers Ideen haben &#8211; wohlgemerkt sind das Rohideen, keine Prototypen! Ich vermute ja eine Ente, aber wenn nicht: In meiner Wohnung schnuppern ca. 250 Ideen und Prototypen in allen Stadien der Entwicklung -Verlage,&nbsp;&nbsp;Meldet euch einfach, wenn ihr Interesse habt ;-)<\/p>\n<p>\u00dcbrigens: Bei der Spieleumfrage landete <em>Stone Age<\/em> vorne, imho verdient. B\u00f6se Zungen k\u00f6nnten behaupten: Ein Eigenverlagsspiel. H\u00e4tte es als Einsendung in einen anderen Verlag Chancen gehabt, ver\u00f6ffentlicht zu werden? W\u00e4ren Friedemann-Friese-Spiele wie <em>Funkenschlag<\/em>, <em>Fiese Freunde, Fette Feten, Foppen<\/em> oder <em>Filou<\/em> bei anderen Verlagen erschienen? Ich vage nach meiner bisherigen Erfahrung mit Verlagen die Aussage: <strong><em>Nein<\/em><\/strong>!<\/p>\n<p>ciao<\/p>\n<p>peer<\/p>\n<p>P.S. Als kleine Pause zwischen zwei Unterrichtsvorbereitungen habe ich diese kleine kreative Finger\u00fcbung erstellt, viel Spa\u00df damit (ist auf englisch): <a href=\"http:\/\/www.boardgamegeek.com\/geeklist\/32118\">http:\/\/www.boardgamegeek.com\/geeklist\/32118<\/a><br \/>\n&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem kleinen Interview-Marathon der letzten Wochen wieder ein normales Post von mir. Und anl\u00e4\u00dflich des G\u00f6ttinger Spieleautorentreffen (zu dem ich aus famili\u00e4ren Gr\u00fcnden nicht kommen konnte) m\u00f6chte ich mit einem Zitat beginnen: [Es gibt] keinen Mangel an guten Ideen, nur einen Mangel an den Ressourcen diese zu produzieren und einen Mangel an potentiellen Kunden. 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