{"id":3055,"date":"2012-07-28T13:19:41","date_gmt":"2012-07-28T11:19:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=3055"},"modified":"2012-07-28T13:19:41","modified_gmt":"2012-07-28T11:19:41","slug":"der-konig-von-potsdam","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2012\/07\/28\/3055\/","title":{"rendered":"Der K\u00f6nig von Potsdam"},"content":{"rendered":"<p>Im englischen kann man zwischend &#8220;themed&#8221; und &#8220;thematic&#8221; unterscheiden, wenn es um Spielthemen geht und wenn der Grad einer Simulation noch nicht erreicht ist. Im Deutschland fehlen mir solche Vokabeln, denn es ist ein Unterschied, ob ein Spiel irgendwie thematisch ist oder eigentlich abstrakt und das Thema nur in Begrifflichkeiten besteht. <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2012\/07\/06\/3017#comment-22882\">Zumindest sehe ich das so<\/a>. Im einen Fall erkennt man das Thema wieder, im anderen nicht. Beispiele f\u00fcr ersteres sind <em>K2<\/em> oder vielleicht auch <em>The Viallage<\/em> (wenn &#8220;Leben in einem namenlosen Dorf&#8221; ein Thema ist), Beispiele f\u00fcr letzteres zum Beispiel <em><a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/die-burgen-von-burgund\">die Burgen von Burgund<\/a><\/em> oder <em>Goa<\/em>. Das ist kein Qualit\u00e4tsurteil &#8211; alles sind hervorragende Spiele &#8211; sagt aber dennoch etwas \u00fcber das zu erwartende Spielgef\u00fchl aus: Bei dem einen steht das Eintauchen ins Thema mehr im Vordergrund als beim anderen und potentiell Intuitiver ist es auch, da die Mechanismen sich aus den Themen speisen.<\/p>\n<p>Dennoch macht auch eine \u00fcbergest\u00fclpte Thematisierung durchaus Sinn &#8211; Burgen von Burgund h\u00e4tte zwar auch rein abstrakt gehalten werden k\u00f6nnen, doch das h\u00e4tte Spielverst\u00e4ndnis und Regellekt\u00fcre erschwert. Dazu ein thematisches Beispiel: Ein Prototyp von mir spielt im fr\u00fchen Irland. Die korrekte (weil historische) Bezeichnung f\u00fcr bestimmte Spielelemente w\u00e4re Ri, Ruiri und Ri Ruirech gewesen. Das h\u00e4tte ein Leser auswendig lernen m\u00fcssen und w\u00e4re vermutlich dennoch st\u00e4ndig durcheinander gekommen. Ich habe daher die \u00fcblicheren Begriffe St\u00e4dte, Provinzen und Gebiete gew\u00e4hlt. Das ist f\u00fcr ein thematisches Spiel, das keine Simulation sein will, legitim. Je abstrakter das Spiel, desto freier darf der Autor mit den Spielelementen sein, wenns denn der <del>Wahrheitsfindung<\/del> Herabsetzen der Einstiegsh\u00fcrde dient (Siehe auch <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2011\/11\/05\/2484\">hier<\/a>).<\/p>\n<p>Dennoch sollte man eines beachten: Krasse thematische Fehler sollte man aber durchaus vermeiden. Denn zum einen sind die kontraproduktiv, denn ein Kenner der Materie w\u00fcrde intuitiv das andere erwarten. Vor allem aber sind es thematische Br\u00fcche und die st\u00f6ren den Spielgenuss. Das ist wie mit Filmen: Wenn die innere Filmlogik stimmt, kann man \u00fcber manches hinwegsehen &#8211; aber wenn selbst die nicht korrekt ist, bekommt man sowas wie Emmerichs <em>Godzilla<\/em>.\u00a0 Ein paar kleine Beispiele f\u00fcr F\u00e4lle wo Autor und Redaktion vielleicht h\u00e4tten aufpassen k\u00f6nnen (Und gerne d\u00fcfen in den Kommentare weitere genannt werden):<\/p>\n<p>Aktuell: <em>Deadwood<\/em>. Ich konnte es noch nicht spielen, aber es schaut interessant aus. Aber der Titel weckt falsche Assoziationen: Mit dem realen Deadwood (vor allem bekannt aus der gleichnamigen US-Serie) hat es n\u00e4mlich nur den Namen und Wild Bill Hickock gemein. In Deadwood (Stadt) gab es n\u00e4mlich keine Cowboys (wie in Deadwood-Spiel) &#8211; die Stadt lag im Indianergebiet und war genaugenommen illegal. Deadwood (Stadt) war eine Minenstadt in den Black Rock Hills, die -wie der Name andeuted &#8211; nicht gerade flaches Weideland f\u00fcr K\u00fche und Farmen darstellt wie Deadwood (Spiel) andeutet. Ein anderer Name w\u00e4re passender gewesen.<\/p>\n<p><em>St\u00f6rtebecker<\/em> von Hans im Gl\u00fcck\u00a0 ist immer noch ein Lieblingsbeispiel. Es ist schon etwas \u00e4lter, so dass ich um Nachsicht bitte, wenn mir nicht mehr alle Waren einfallen, aber IIRC waren Bananen und Rum dabei. Beides sehr ungew\u00f6hnliche Waren f\u00fcr einen Piraten der Hanse, der im 14.\/15. Jahrhundert lebte &#8211; also bevor Amerika entdeckte und somit bevor jemand wusste was &#8220;Rum&#8221; \u00fcberhaupt ist (Skat kannte man da ja auch noch nicht). Salz und Gold w\u00e4ren wohl logischere Waren gewesen&#8230;<\/p>\n<p>Bei <em>K\u00f6nig von Siam<\/em> \u00e4nderten wir (Richard und ich) den Namen einer Provinz, da der urspr\u00fcngliche Name damals noch nicht verwendet wurde und zudem auch nicht leicht auszusprechen war. Stattdessen verwendeten wir Roi Et. Eine im Nachhinein etwas voreilige Wahl, denn die Stadt Khorat ist historisch (und auch heute) deutlich einflussreicher gewesen &#8211; ein bisschen so, als h\u00e4tte man die Provinz um Berlin &#8220;Potsdam&#8221; oder &#8220;Klein Machnow&#8221; genannt.<\/p>\n<p>Sind solche Fehler schlimm? Nein &#8211; eher am\u00fcsant. Aber sie sind eigentlich unn\u00f6tig und \u00e4rgern und verwundern den Kenner der Materie. Und gerade wenn man ein Thema nur benutzt, um die P\u00f6ppel und Spielsteine koh\u00e4rent zu benennen, ist es vermutlich nicht zu viel verlangt, bei den paar thematischen Teilen allzu gro\u00dfe Patzer zu vermeiden.<\/p>\n<p>ciao<\/p>\n<p>peer<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im englischen kann man zwischend &#8220;themed&#8221; und &#8220;thematic&#8221; unterscheiden, wenn es um Spielthemen geht und wenn der Grad einer Simulation noch nicht erreicht ist. Im Deutschland fehlen mir solche Vokabeln, denn es ist ein Unterschied, ob ein Spiel irgendwie thematisch ist oder eigentlich abstrakt und das Thema nur in Begrifflichkeiten besteht. 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