{"id":283,"date":"2008-03-23T00:00:42","date_gmt":"2008-03-22T23:00:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2008\/03\/23\/283"},"modified":"2008-03-24T10:27:25","modified_gmt":"2008-03-24T09:27:25","slug":"die-kanadier-kommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2008\/03\/23\/283\/","title":{"rendered":"Die Kanadier kommen!"},"content":{"rendered":"<p>Mit 16 habe ich Kanada bereist (British Columbia und Alberta) und war von dem Land begeistert. Viel Natur, Ruhe und wundersch\u00f6ne Landschaften. Ein tolles Land. Ich hatte mir geschworen zur\u00fcckzukommen, aber bislang habe ich noch keine Gelegenheit dazu gehabt. Die Frage w\u00e4re auch: Bietet das Land spielerisch etwas?<\/p>\n<p>Als erstes denkt man nat\u00fcrlich an <em>Crokinole<\/em>, ein Geschicklichkeitsspiel, dass auf wundersch\u00f6nen Brettern gespielt wird und entfernt an <em>Carrom<\/em> erinnert. <a href=\"http:\/\/www.crokinoleworld.com\/\">Hier <\/a>ein paar schicke Bilder.<\/p>\n<p>Viele Spieleverlage gibt es nicht in Kanada. Aber einen gr\u00f6\u00dferen gibt es: <a href=\"http:\/\/www.valleygames.ca\">Valley Games<\/a>, bekannt geworden, weil sie das letzte Spiel von Franz-Benno Delonge, <em>Container<\/em>, in Essen pr\u00e4sentieren konnten. Zu dem Spiel weiter unten mehr.<br \/>\nIch hab mich mit Torben Sherwood, einer der K\u00f6pfe von Valley Games unterhalten:<\/p>\n<p><strong>F<\/strong>: Wie hat Valley Games angefangen?<\/p>\n<p><strong>A<\/strong>: Die Idee zu Valley Games kam uns w\u00e4hrend wir in unserem Spieleladen spielten. Wir h\u00f6rten, dass &#8220;Die Macher&#8221; neu aufgelegt werden sollte und der Autor (Karl-Heinz Schmiel) einen Verlag sucht, der an dieser Neuauflage interessiert sei. Wir dachten uns, dies w\u00e4re eine gute Gelegenheit uns in die Brettspielindustrie einzubringen. Also kontaktierten wir den Autoren, besorgten uns Papier und Stift und los gings!<\/p>\n<p>Am Anfang waren es nur Rik Falch und ich (Torben Sherwood), sp\u00e4ter holten wir noch Kevin Nesbitt mit ins Boot. Die ersten zwei Jahre waren sehr erfolgreich und es sieht so aus, dass es sogar noch besser werden k\u00f6nnte!<\/p>\n<p><strong>F<\/strong>: Nun reden wir einmal \u00fcber eure Spiele! Was kann man von euren Spielen erwarten?<\/p>\n<p><strong>A<\/strong>: In erster Linie sind wir selbst Spieler. Wir wollen nur gro\u00dfartige Spiele produzieren: Einige f\u00fcr Wargamer, andere f\u00fcr den Strategen und alle f\u00fcr Leute, die gerne Spa\u00df am Spiel haben. Ich will jetzt nicht behaupten, dass wir die absoluten Experten bei der Spieleauswahl sind, aber ich denke doch, dass wir im allgemeinen eine recht gute Wahl treffen! Wir legen viel Wert auf gutes Artwork und auf qualitativ hochwertiges Spielmaterial. Wir wollen, dass der Kunde nach Hause kommt und denkt: &#8220;Wow, das war ein guter Einkauf!&#8221;<\/p>\n<p>Valley Games will auch gro\u00dfartig in Bezug auf das Spektrum der angebotenen Spiele sein. Fr\u00fcher oder sp\u00e4ter werden wir eine Art Spiel im Programm haben, dass Dich &#8211; Brettspieler! &#8211; anspricht. Wir hoffen, dass die Zeit kommt, in der jedes Spieleregal mindestens ein Spiel von uns anbietet.<\/p>\n<p><strong>F<\/strong>: Welche Spiele sind denn gerade in der Mache? Irgendetwas auf das ihr besonders\u00a0 euer deutsches Publikum hinweisen wollt?<\/p>\n<p><strong>A<\/strong>: Ah die Deutschen haben solches Gl\u00fcck \u00fcber so viele tolle Spiele zu verf\u00fcgen! Es gibt so viele tolle Spieleautoren bei euch &#8211; Muss am Bier liegen :-)<\/p>\n<p>Nun, jeder wei\u00df wohl dass unser n\u00e4chstes gro\u00dfes Spiel die Neuauflage von <em>Titan<\/em> sein wird. Ungef\u00e4hr zur selben Zeit kommt <em>Municipium<\/em> von Reiner Knizia raus. Es folgen <em>Supernova<\/em>, <em>Republic of Rome<\/em> und eine Reihe Kartenspiele, die jedem Spa\u00df machen werden, egal was er sonst so spielt.<\/p>\n<p><strong>\u00a0F<\/strong>: Ich kenne <em>Republic of Rome<\/em> und habs fr\u00fcher viel gespielt &#8211; wird sich etwas \u00e4ndern?<\/p>\n<p><strong>A<\/strong>: Bei RoR gabs eine ganze Reihe von Regelproblemen und Erratta. Wir werden uns da durch arbeiten und die ganzen Klarstellungen und Verbesserungen in die Regeln und die Karten einarbeiten. Das Spiel wollen wir nicht ver\u00e4ndern. Warum sollten wir auch? Das Spiel ist ein Klassiker! Wir werden nat\u00fcrlich das Artwork verbessern und das Layout bekommt ein Facelift verpasst aber davon ab k\u00f6nnen die Spieler <em>Republic of Rome <\/em>in all seiner Gr\u00f6\u00dfe genie\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>F<\/strong>: Wie sieht eigentlich die Brettspielszene in Kanada aus? Ist es ein Nischenmarkt oder ist Brettspielen etablierte Freizeitbesch\u00e4ftigung? Was wird denn so gespielt?<\/p>\n<p><strong>A<\/strong>: Kanada ist &#8211; wie ja jeder wei\u00df &#8211; die meiste Zeit \u00fcber kalt. Da sind Brettspiele nat\u00fcrlich eine gute M\u00f6glichkeit sich drinnen seinen Zeit mit Freunden zu vertreiben. Ich w\u00fcrde sagen, dass die Anzahl der Brettspieler in jedem Jahr weiter zunimmt. In unserer Gegend (Calgary, Alberta) gibt es eine Reihe von Spieletreffs und eine kleinere Convention und jedes Jahr kommen mehr und mehr Leute! Vielleicht sind Brettspiele immer noch ein Nischenprodukt, so mit den ganzen Videospielen als Konkurrenz, aber ich denke schon das der Brettspielmarkt w\u00e4chst.<br \/>\nWas die Spiele betrifft: Es gibt in Kanada mehr Wargamer als man denken w\u00fcrde und ich denke es werden tats\u00e4chlich vor allem Wargames gespielt! Welche es nun genau sind, wei\u00df ich nicht, aber ich sehe die ganzen Wargamer auf den Conventions. Auch Eisenbahnspiele sind sehr beliebt. Doch richtig eingeschlagen haben vor allem die Eurogames, dank ihrer interessanten Mechaniken und ihrer k\u00fcrzeren Spieldauer. Die meisten Leute wollen wenn sie zusammen kommen kurz mal was spielen und daf\u00fcr sind Eurogames nun einmal bestens geeignet. Ab und an geht aber nichts \u00fcber epische Brettspielschlacht, die ihre 8 Stunden dauert!<\/p>\n<p><strong>F<\/strong>: Hast Du noch gute Tipps f\u00fcr den reisenden Spieler, der Kanada besucht?<br \/>\n<strong>A<\/strong>: Wir haben ein paar kleinere Conventions, aber nichts, dass mit den Veranstaltungen in den USA oder in Deutschland vergleichbar w\u00e4re. Unser Land ist einfach zu gro\u00df und zu d\u00fcnn besiedelt, um eine gr\u00f6\u00dfere Veranstaltung zu rechtfertigen. Ich hoffe aber trotzdem, dass es mal jemand tut &#8211; Wir w\u00fcrden denjenigen dabei auf jeden Fall unterst\u00fctzen!<\/p>\n<p>Der reisende Spieler kann sich hier aber an den wundersch\u00f6nen Bergen, den fantastischen W\u00e4ldern, den interessanten St\u00e4dten, dem ausgezeichneten Bier und den netten Leuten erfreuen &#8211; eine Brettspielpartie ist dabei auch niemals weit weg&#8230;<\/p>\n<p><strong>F<\/strong>: Vielen Dank f\u00fcr das Interview!<\/p>\n<p><em>Container<\/em> hab ich bereits gespielt: Es ist ein ausgesprochen ungew\u00f6hnliches Wirtschaftsspiel: Man kauf Container vom Mitspieler, packt sie in sein Lagerhaus und verkauft sie wieder an einen Mitspieler, der sie dann zu einer Insel verschifft und dann versteigert. Der Versteigerer kann sich aussuchen, ob er dann das H\u00f6chstgebot animmt oder den Container selbst f\u00fcr den Preis veh\u00e4lt. Verkauft er den Container bekommt er von der Bank eine Subventionszahlung in H\u00f6he des Preises. Das sorgt f\u00fcr eine interessante Dynamik: Haben alle Spieler wenig Geld (Depression), kommt auch nur wenig Geld in die Kasse und alle bleiben arm. Sobald aber ein, zwei Spieler zu Geld kommen (oder einen Kredit aufnehmen) und die Gebote dadurch h\u00f6her werden, kommen letztlich auch die anderen Spieler durch diese Verdopplung zu Geld und alle werden reicher: Ein echter Aufschwung. Dadurch wird elegant schon fast ein ganzes Wirtschaftssystem simuliert. Die Container am Ende bringen bei Spielende weiteres Geld (wobei jeder Spieler f\u00fcr andere Farben Geld bekommt, so dass der Wert eines Containers von Spieler zu Spieler verschieden ist). Allerdings spielt sich das System so unintuitiv und ungew\u00f6hnlich, dass ich mir noch kein abschlie\u00dfendes Urteil bilden konnte. Es kann passieren, dass das Spiel nicht recht in Gang kommt. Es ist zudem sehr anf\u00e4llig f\u00fcr Group-Think-Ph\u00e4nomene und eine &#8220;falsche&#8221; Gruppe kann aus dem Spiel eine sehr schmalgeistige Angelegenheit machen, weil kein Geld in die Kassen kommt. Und zu viert sollte man auch mindestens sein. Auf jeden Fall sollte es jeder Wirtschaftsfan einmal probieren!<br \/>\n<em>Republic of Rom<\/em> habe ich zu Studentenzeiten gerne gespielt. Es ist ein echtes Zeitmonster mit sehr langer Spieldauer und nicht gerade einfachen Regeln. Aber daf\u00fcr ist ein sehr einzigartiges Spiel: Alle Spieler spielen gegen das System: Geht Rom unter, haben alle verloren und als Senatoren m\u00fcssen wird genau das verhindern. Aber: Alle Spieler spielen auch und vor allem gegeneinander und da werden auch mal Niederlagen gegen die Feinde Roms in Kauf genommen, damit ja der gegnerische Feldherr nicht zu m\u00e4chtig wird. Es wird also verhandelt und abgestimmt und sich gegenseitig betrogen was das Zeug h\u00e4lt. Einzigartig und auch klasse gemacht! Aber ein Problem hat das Spiel imho: Das k\u00fcrzeste und regeltechnisch einfachste Szenario ist zugleich das langweiligste. Erst die sp\u00e4teren Szenarien erlauben richtig viel Spielraum in den Entscheidungen. Aber gerade bei denen ist die Einstiegsh\u00fcrde am h\u00f6chsten. Damit bleibt es ein Spiel f\u00fcr Freaks. Aber was f\u00fcr eines!<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>In den <a href=\"http:\/\/www.berliner-akzente.de\/jobs_karriere\/artikel_93981.php\">Berliner Akzenten <\/a>wurde ich (mit falschem Vornamen) zitiert. Allerdings habe ich in dem Zitat Wolfgang Kramer zitiert, mit der Erg\u00e4nzung &#8220;Kramer meinte 99% Transpiration und 1% Inspiration, ich w\u00fcrde das Verh\u00e4ltnis auf 20% Inspiration und\u00a0 80% Arbeit sch\u00e4tzen&#8230; Daraus ist das abgedruckte Zitat geworden, dass dem Insider geklaut vorkommen muss.<\/p>\n<p>\u00a0Naja, da dort mein Blog als Seite f\u00fcr Spieleautoren genannt wird, sollte ich demn\u00e4chst mal wieder was zum Thema Spieldesign schreiben, oder? ;-)<br \/>\nciao<br \/>\npeer<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit 16 habe ich Kanada bereist (British Columbia und Alberta) und war von dem Land begeistert. Viel Natur, Ruhe und wundersch\u00f6ne Landschaften. Ein tolles Land. Ich hatte mir geschworen zur\u00fcckzukommen, aber bislang habe ich noch keine Gelegenheit dazu gehabt. Die Frage w\u00e4re auch: Bietet das Land spielerisch etwas? 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