{"id":281,"date":"2008-03-09T11:03:10","date_gmt":"2008-03-09T10:03:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2008\/03\/09\/281"},"modified":"2008-03-24T10:27:47","modified_gmt":"2008-03-24T09:27:47","slug":"ein-interview-ein-skandal-und-zwei-neue-spiele","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2008\/03\/09\/281\/","title":{"rendered":"Ein Interview, ein Skandal und zwei neue Spiele"},"content":{"rendered":"<p>Wie gesagt: ich weise in diesem Blog gerne auf kleine Verlage hin. Das liegt einfach daran, dass ich einen Faible daf\u00fcr habe, Spiele abseits des Mainstreams zu finden (Ich hoffe der eine oder andere Leser interessiert sich genauso f\u00fcr diese Interviews wie ich). Gro\u00dfbritannien ist besonders ergiebig, denn seit dem <em>Waddingtons<\/em> oder <em>Spear<\/em> verschwunden sind fehlt dort ein &#8220;echter&#8221; Gro\u00dfverlag. Die L\u00fccke wird gef\u00fcllt durch zahlreiche kleine Verlage: Fragor, Fiendisch Games, JKLM, Ragnar Brothers und auch <a href=\"http:\/\/www.reivergames.co.uk\">Reiver Games<\/a>. Mit Jackson Pope habe ich ein Interview gef\u00fchrt (leicht bearbeitet, wie immer):<br \/>\n<em><strong>F<\/strong>: Wie begann Reiver Games?<\/em><br \/>\n<strong>A<\/strong>: Vor etwa sechs Jahren spielte ich Mighty Empires mit ein paar Freunden. Die Partie dauerte etwa 36 Stunden als ein paar Zufallselemente Drachen ins Spiel brachten und der F\u00fchrende dadurch auf den letzten Platz zur\u00fcckgeworfen wurde. Wir brachen das Spiel ab und dachten uns: Es m\u00fcsste doch m\u00f6glich sein, ein \u00e4hnliches Spiel zu erfinden, dass in einer Stunde gespielt werden kann, so dass es besser in unsere heutige Zeit passt, wo wir alle weniger Freizeit haben und so. Das Spiel was dabei rauskam war <em>Border Reivers<\/em>. Ich hab etwa vier Jahre daran gearbeitet, bis ich endlich vollkommen zufrieden damit war und es als vollwertiges Spiel in meinen Schrank legen konnte. Dort lag es etwa ein Jahr rum und dann dachte ich mir: Warum soll ich es nicht einfach produzieren? Im Juli 2006 gr\u00fcndete ich <em>Reiver Games <\/em>und stellte 100 Exemplare in Handarbeit her.<\/p>\n<p>Ich bin nach wie vor der einzige Mitarbeiter. Ich bekomme eine Menge Unterst\u00fctzung, Hilfe und gute Ratschl\u00e4ge von meiner Frau, meinen Freunden und meiner Familie, aber ich bin derjenige der produziert, vertreibt und die Spiele auf Messen vorstellt.<\/p>\n<p><strong>F<\/strong>: Worauf achtest du beim Spieleerfinden? Was kann man von deinen Spielen erwarten?<br \/>\n<strong>A<\/strong>: Ich versuche alle Elemente so auzubalanzieren, dass jeder Zug den Spieler vor eine interessante Wahl stellt. Border Reivers gibt einem eine Menge Optionen, die alle ihre eigenen Vor- und Nachteile haben und der Spieler muss entscheiden, welcher Zug am besten zur jeweiligen Situation passt.<br \/>\nIch konzentriere mich zudem auf Spiele, die ein sch\u00f6nen Thema mit einem spa\u00dfigen Mechanismus verbinden.<em> It\u00b4s Alive <\/em>ist da ein gutes Beispiel!<\/p>\n<p><strong>F:<\/strong> Was ist deine Zielgruppe?<br \/>\n<strong>A<\/strong>: Vielspieler (Geeks)! Als Engl\u00e4nder (der leider auch keine andere Sprachen spricht) ziele ich nat\u00fcrlich vor allem auf den Spielmarkt der USA und Gro\u00dfbritanniens, hab aber auch schon Spiele nach Europa, Asien und Australien verkauft. Einige Kunden haben die Regeln f\u00fcr mich ins italienische und japanische \u00fcbersetzt!<\/p>\n<p><strong>F<\/strong>: Erz\u00e4hle uns doch von deinen Spielen!<br \/>\n<strong>A<\/strong>: <em>Border Reivers<\/em> war ein einfacheres Wargame, ein bisschen wie Risiko, aber mit moderneren Mechanismen. Es war f\u00fcr 2-4 Spieler entwickelt und eine Partie dauerte 20-90 Minuten. Ich hab 100 Exemplare hergestellt, die sich innerhalb eines Jahres verkauft haben.<\/p>\n<p><em>It\u00b4s Alive<\/em> is ein Versteigerungs- und Sammelspiel mit Frankenstein-Thema f\u00fcr 2-5 Spieler mit einer Spieldauer von 15-30 Minuten. Man spielt einen verr\u00fcckten Wissenschaftler, der versucht die (K\u00f6rper-)Teile zusammenzu bekommen, die man ben\u00f6togt, um ein Monster zu bauen, ohne die Dorfbewohner zu beunruhigen. Ich habe 300 nummerierte \u00a0Exemplare in Handarbeit hergestellt und die sind fast ausverkauft (etwa 50 Exemplare habe ich noch).<\/p>\n<p><strong>F<\/strong>: Was wird die Zukunft bringen?<\/p>\n<p>Mehr Spiele! Ich hoffe irgendwann den Punkt zu erreichen, an dem ich es mir leisten kann, Spiele professionell fertigen zu lassen und \u00fcber Versand und L\u00e4den vertreiben zu lassen, anstelle alle Exemplare per Hand herzustellen und \u00fcber die Webseite zu verkaufen.<\/p>\n<p>Ich plane mehr Spiele, die Thema und interessante Mechanismen miteinander verkn\u00fcpfen.<\/p>\n<p>In Essen werde ich dieses Jahr ein oder zwei Spiele pr\u00e4sentieren. Um herauszufinden, welche das sind, musst du regelm\u00e4ssig mein <a href=\"http:\/\/creationandplay.blogspot.com\/\">Blog <\/a>lesen oder dich auf meine Mailingliste eintragen. So lange noch nichts entschieden ist, gebe ich keine Details bekannt.<\/p>\n<p>Eine zweite Auflage von Border Reivers ist nicht von mir geplant, aber ein anderer Verlag hat durchaus Interesse an einer verbesserten zweiten Auflage (Seit dem Erscheinen hab ich doch viel in Bezug auf Spieldesign gelernt).<\/p>\n<p><strong>F<\/strong>: Bist du auch an Prototypen von anderen Autoren interessiert?<br \/>\n<strong>A<\/strong>: <em>Its Alive<\/em> ist von dem Israeli <a href=\"http:\/\/jergames.blogspot.com\/\">Yehuda Berlinger<\/a> und seit der Ver\u00f6ffentlichung habe ich etwa 20 Prototypen von anderen Autoren bekommen und angeschaut. Ich bin immer an neuen Spielen interessiert.<\/p>\n<p>Vielen Dank f\u00fcr das Interview!<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;<\/p>\n<p>Der japanische Spielepreis f\u00fcr das beste japanische Spiel geht dieses Jahr erstmals an ein &#8220;echtes&#8221; japanisches Spiel: <em>Bursa<\/em>. Allerdings handelt es sich anscheinend eher um ein Lernspiel, dass den Ablauf der B\u00f6rse verdeutlichen soll. In japanischen Spielekreisen heisst es, dass das Spiel von Mitarbeitern des Verlages an die Spitze gepusht wurde &#8211; Hat der japanische Spielepreis (ein Abstimmungspreis \u00e4hnlich dem DSP) seinen ersten Skandal? Jedenfalls diskutieren die Verantwortlichen bei U-More bereits \u00fcber Ma\u00dfnahmen f\u00fcr die Wahlen im n\u00e4chsten Jahr.<\/p>\n<p>&#8212;-<\/p>\n<p>Gestern kamen gleich drei Neuheiten auf den Spieltisch: <em>Toledo<\/em>, <em>Jamaica <\/em>und <em>Keltis<\/em>. F\u00fcr <em>Jamaica <\/em>ist eine Rezi geplant, daher konzentriere ich mich auf die beiden Kosmos-Neuheiten.<\/p>\n<p><em>Toledo<\/em> (ausf\u00fchrliche Spielbeschreibung <a href=\"http:\/\/www.spielbox.de\/spielarchiv\/press\/toledo.php4\">hier<\/a>)l\u00e4sst mich etwas ratlos zur\u00fcck. Wir waren zu viert und die anderen drei Spieler mochten es, aber f\u00fcr mich hats irgendwie nicht &#8220;Klick&#8221; gemacht. Und noch schlimmer: So richtig kann ich auch nicht in Worte fassen, was mich genau gest\u00f6rt hat. Das Thema ist jedenfalls gut umgesetzt: Es geht darum, Stahl und Diamanten zu erwerben und damit Schwerter zu schmieden. Sehr passend finde ich, dass es m\u00f6glich ist, sich zu duellieren, wenn ein bestimmtes Feld (und damit eine bestimmte Aktion) besetzt ist und dass man den Schwertkampf lernen kann. Auch geht jeder Zug recht schnell, da man immer nur eine Aktion durchf\u00fchrt. So gibt es keine langen Wartezeiten. Und doch: Irgendwie spricht mich das Spiel nicht an! Obs daran liegt, dass Aufmachung und Spielablauf ein anspruchsvolleres Spiel suggerieren, als es durch den Gl\u00fccksfaktor letztlich ist oder obs daran lag, dass ich eine riskante Strategie gefahren bin, die an zwei ungl\u00fcckliche Duellen gescheitert ist und ich dann faktisch aus dem Spiel raus war (War riskant, das werfe ich dem Spiel nicht vor, eher schon dass es solche Make-or-break-Situationen gibt, zumal die Duelle aus ganz anderen Gr\u00fcnden veranstaltet wurden, nicht um mich zu stoppen) oder obs daran liegt, dass <em>Toledo<\/em> letztlich ausser dem Thema nichts neues bietet &#8211; nur eine Reihe bekannter Mechanismen in bekannter Kombination. Keine Ahnung. Ich m\u00fcsste es noch einmal spielen, um mir ein Urteil bilden zu k\u00f6nnen. <a href=\"http:\/\/irongames.blogspot.com\/2008\/03\/spielen-in-der-heimat-2902-04032008.html#links\">Bernd Eisenstein <\/a>hatte ein anderes Problem: Die Partien gingen zu rasch zu Ende. Ich kann verstehen wie das kommt und vermute ein Group-Think-Problem: Gehen alle auf die &#8220;Kleine Schwerter schmieden, dann schnell raus&#8221;-Strategie gehts vermutlich schnell zu Ende. Bei uns setzten alle (au\u00dfer mir) auf die &#8220;Die tollsten Schwerter m\u00fcssen her&#8221;-Strategie und dadurch war die Spieldauer im normalen Rahmen.<\/p>\n<p>Bei <em>Keltis <\/em>ist dagegen das Urteil klar: Supergut! <em>Keltis<\/em> ist im Prinzip eine Multiplayer-Variante von <em>Lost cities<\/em>. Um die Wertung klarer zu machen gibt es ein Spielbrett, auf dem vorangesetzt wird. Um Vorzusetzen werden Karten nach Lost-Cities-Manier vor einem abgelegt (pro Karte ein Schritt auf der entsprechenden Farbleiste). Allerdings ist statt aufsteigender Sortierung auch eine absteigende erlaubt (allerdings nat\u00fcrlich nicht beides innerhalb der selben Farbe). Nat\u00fcrlich gibt es Minuspunkte f\u00fcr angefangene Leisten, auf denen man nicht mindestens 4 Felder geschafft hat und es gibt auch eine Verdopplungsm\u00f6glichkeit. Neu sind einige Spezialfelder, die sch\u00f6ne Kettenz\u00fcge erlauben. Insgesamt nicht nur eine gelungene Mehrspieler-Variante sondern noch ein paar Ecken knackiger als Lost Cities. Bei LC hatte ich irgendwann das Gef\u00fchl: &#8220;OK, es ist immer noch irgendwo spannend, aber die Grundstrategie ist klar. Obs sie aufgeht h\u00e4ngt letztlich an den Karten. &#8220;. Hier ist es nicht so einfach &#8211; schon alleine weil mehr Spieler mitspielen, aber eben auch durch die Spezialfelder (die immer zuf\u00e4llig ausgelegt werden). Insgesamt ein knackiges, einfaches Spiel mit optimalem Spannungsbogen und Spieldauer. Das einzige was man dem Spiel vorwerfen k\u00f6nnte ist, dass es etwas \u00fcberproduziert ist &#8211; der gro\u00dfen Schachtel h\u00e4tte es wohl nicht bedarft. Ansonsten f\u00fcr mich ein absolutes Highlight!<\/p>\n<p>Nach meiner <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2007\/11\/11\/246\">Betrachtung der Literaturverspielung <\/a>bin ich nun nat\u00fcrlich noch gespannt was Kosmos (respektive R\u00fcdiger Dorn) aus dem Buch <em>Reise zum Mittelpunkt der Erde<\/em> gemacht hat. Aber das muss ja erst einmal erscheinen&#8230;<br \/>\nOh und falls Kosmos hier mitliest: Mir ist gerade aufgefallen, dass mein Quizspielkonzept, an dem ich gerade arbeite, perfekt zu einer Literaturverspielung \u00e1 la Schott passen w\u00fcrde &#8211; also wenn ihr <em>Brockhaus-das Spiel <\/em>plant, sagt Bescheid :-)<\/p>\n<p>ciao<br \/>\npeer<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie gesagt: ich weise in diesem Blog gerne auf kleine Verlage hin. 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