{"id":27449,"date":"2026-08-30T12:12:08","date_gmt":"2026-08-30T10:12:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=27449"},"modified":"2026-08-30T12:36:00","modified_gmt":"2026-08-30T10:36:00","slug":"der-lange-weg-zum-kann-ich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2026\/08\/30\/27449\/","title":{"rendered":"Der lange Weg zum \u201eKann ich\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Ein neues Spiel bedeutet immer erst ein Mal Aufwand. Mal mehr und mal weniger. Zu aller erst muss man das Spiel auspacken. Das kann innerhalb der Szene f\u00fcr derart viel Verz\u00fcckung sorgen, dass es ganze Videoformate gibt, die sich nur damit besch\u00e4ftigen. Dann muss man sich aber auch mit der Anleitung auseinandersetzen. Au\u00dferhalb der Szene ist das mit viel Sorgen und Unwohlsein verkn\u00fcpft. Daher \u00fcberschlagen sich manche Verlage geradezu dabei ihre Anleitungen und Spiele auf derart wenige Regeln herunterzudampfen, dass sie auf einen Bierdeckel passen k\u00f6nnten. Es gibt unterschiedliche Ansichten dazu, ob man neuen Spieler*innen damit einen Gefallen tut oder nicht.<\/p>\n<figure id=\"attachment_27455\" aria-describedby=\"caption-attachment-27455\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Erlernen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-27455 size-medium\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Erlernen-300x176.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"176\" srcset=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Erlernen-300x176.jpg 300w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Erlernen-700x412.jpg 700w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Erlernen-150x88.jpg 150w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Erlernen-768x452.jpg 768w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Erlernen-370x218.jpg 370w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Erlernen-270x159.jpg 270w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Erlernen-570x335.jpg 570w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Erlernen-850x500.jpg 850w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Erlernen-740x435.jpg 740w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Erlernen.jpg 1085w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-27455\" class=\"wp-caption-text\">Die Furcht vor der Anleitung<\/figcaption><\/figure>\n<p>Danach aber kommt der n\u00e4chste Schritt: das Spielen. An diesem Punkt nun scheiden sich die Geister. So gibt es eine Fraktion, die die Ansicht vertritt, dass die vollst\u00e4ndige Regelkenntnis bereits zum Spielen bef\u00e4higen sollte. Das Regelheft ist eine Anleitung zum Spielen, daher sollte sie nach sorgsamer Lekt\u00fcre auch dazu f\u00fchren spielen zu k\u00f6nnen. \u00c4hnlich wie auch das Lesen des StGB eine Person dazu bef\u00e4higen sollte sich in die Gesellschaft einzugliedern. Zugegeben, das ist ein eher ungl\u00fcckliches Beispiel, da Menschen die ihr Handeln allein danach ausrichten was die Regeln zulassen, von anderen eher als Psychopathen wahrgenommen werden. Nicht aber als konstruktive Mitglieder einer (Spiel-)Gemeinschaft.<\/p>\n<p>Aber es gibt ja auch die andere Fraktion, welche die Position einnimmt, dass ein Spiel erst durch das Spielen wirklich erlernt werden kann. Es ist das Ausprobieren und Erfahrungen sammeln, welches es m\u00f6glich macht sich das Spiel zu erschlie\u00dfen. Nur wenn man Dinge in der Praxis gesehen oder getan hat, kann man begreifen was ein Spiel ist. Wer aber schon mal einen Staubsauger-Roboter dabei beobachtet hat, hinter einer Kommode zu saugen, wei\u00df wie viele R\u00fcckschl\u00e4ge einen dabei erwarten k\u00f6nnen. Man wird sehr oft gegen die Wand fahren m\u00fcssen, bevor man verstanden hat welcher Pfad einem offen steht. (So manch ein \u201eLass-uns-einfach-mal-anfangen\u201c-Jockey wird diese Erfahrung auch gemacht haben. Unklar ist, ob irgendeine Lehre daraus gezogen wurde.)<\/p>\n<p>Deutlich ist vermutlich nur, dass mit Ausnahme des Sommerhits: \u201eEimer saufen\u201c, jedes Spiel in irgendeiner Form erlernt werden muss. Dieser Aufwand l\u00e4sst sich nicht vermeiden. Er l\u00e4sst sich aber verringern.<\/p>\n<p>Das Spiel selbst kann, wie bereits erw\u00e4hnt, in seinem Regelumfang reduziert werden. Wenn die Entscheidungen dabei jedoch weiterhin vielschichtig und nuanciert bleiben, so spricht man von Eleganz. Gerade die ber\u00fchmteren Spiele von Reiner Knizia (z.B. Ra oder Modern Art) zeigen warum das so reizvoll ist. Geht diese Reduktion jedoch zu weit, so empfindet man die Spiele eher als seicht. Die n\u00e4chste M\u00f6glichkeit den Lernaufwand zu verringern, besteht darin die rein abstrakte Ebene der Regelbeschreibung bildlicher zu machen. Das geschieht mit Hilfe des Themas. Ein farbiger Holzw\u00fcrfel wird zu \u201eNahrung\u201c und diese wird ben\u00f6tigt, damit \u201edie Mitglieder der eigenen Familie etwas essen\u201c k\u00f6nnen. Damit kommuniziert man nicht nur die Funktion einzelner Spielsteine, sondern legt auch ihre Bedeutung nahe. Denn wer will schon von sich sagen, dass die eigene Familie hungern musste, weil man nicht daran gedacht hat genug \u201eNahrung\u201c herzustellen?<\/p>\n<figure id=\"attachment_27454\" aria-describedby=\"caption-attachment-27454\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Probieren.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-27454 size-medium\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Probieren-300x197.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"197\" srcset=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Probieren-300x197.jpg 300w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Probieren-700x459.jpg 700w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Probieren-150x98.jpg 150w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Probieren-768x504.jpg 768w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Probieren-370x243.jpg 370w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Probieren-270x177.jpg 270w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Probieren-570x374.jpg 570w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Probieren-762x500.jpg 762w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Probieren-740x486.jpg 740w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Probieren.jpg 972w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-27454\" class=\"wp-caption-text\">Form und Funktion flie\u00dfen in einander<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wenn Funktion und emotionale Resonanz solcher Begriffe gut harmonieren, so wird ein Spiel als thematisch oder zumindest intuitiv verst\u00e4ndlich empfunden. Es hei\u00dft: das Design ist rund. (Ein weiterer Grund weshalb die Wahl eines Themas im Kern eine Designentscheidung ist, selbst wenn Verlage dies aus anderen Gr\u00fcnden oft und gerne an sich rei\u00dfen.)<\/p>\n<p>Die n\u00e4chste M\u00f6glichkeit den Einstieg zu vereinfachen liegt jedoch auf Seiten der Spieler*innen. K\u00f6nnen diese n\u00e4mlich auf Erfahrungen mit anderen Spielen mit \u00e4hnlichen oder vergleichbaren Regeln zur\u00fcckgreifen, so wird der Aufwand ein Spiel zu erlernen ebenfalls reduziert. Mit leichter Ungenauigkeit lassen sich viele Konzepte und Ideen aus einem Spiel auf ein anderes \u00fcbertragen, so dass man nur noch einzelne Besonderheiten neu erlernen muss. Dieser Vorgang ist am deutlichsten bei Stichspielen zu erkennen. Hat man ein paar grundlegende Spielprinzipien z.B. mit Wizard oder Die Crew erlernt, so ist der Einstieg in ein anderes Stichspiel deutlich leichter. Viele Konzepte und Abl\u00e4ufe sind auf andere Spiele \u00fcbertragbar. Spielanf\u00e4nger*innen \u00fcbersch\u00e4tzen oft wie viel Zeit und Aufwand es braucht, um an den Punkt zu gelangen, dass man neue Spiele schnell erlernt hat. W\u00e4hrend erfahrene Spieler*innen <a href=\"https:\/\/xkcd.com\/2501\/\">oft untersch\u00e4tzen<\/a> wie viele H\u00fcrden moderner Brettspiele (und ihrer Anleitungen) sie durch ihre Spielerfahrung mit Leichtigkeit nehmen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dass sie dort einen blinden Fleck besitzen, macht sich dann bemerkbar, wenn ihre Spielerfahrung das Erlernen eines neuen Spiels nicht vereinfacht. Wenn sie also genauso viel M\u00fche in ein neues Spiel stecken m\u00fcssen, wie es Neulinge tun. Das Urteil lautet dann: das Spiel ist sperrig und wenig intuitiv. Das ist nicht zwingend falsch, aber ber\u00fccksichtigt die eigene Perspektive nicht. Denn die einfache Zug\u00e4nglichkeit vieler Kenner- oder Expertenspiele beruht eben oft darauf, dass die Zielgruppe bereits in den gleichen Bahnen denkt, wie es auch die Designer*innen tun.<\/p>\n<p>Der letzte Schritt um sich ein neues Spiel zu erschlie\u00dfen, findet sich zwischen Spielenden und Schaffenden wieder. Konkret m\u00fcssen die beiden anfangs erw\u00e4hnten Fraktionen nun an einem Strang ziehen. Mit Hilfe der korrekten Regelanwendung m\u00fcssen eine bestimmte Zahl an Partien gespielt werden bis der Punkt erreicht ist, an dem man das Spiel eigenst\u00e4ndig spielen kann und nicht mehr lernen muss. Der Unterschied zwischen Spielen und Lernen mag im Einzelnen etwas schwammig sein. Dennoch sollte man sich h\u00fcten hier Menschen auf den Leim zu gehen, die eine gef\u00fchlt endlose Lernkurve als besondere St\u00e4rke eines Spiels sch\u00f6nreden wollen.<\/p>\n<p>Sich an Neuem zu erfreuen ist nicht gleichbedeutend mit dem Erlernen von neuen Inhalten. Ich kann 20 Minuten lang TikTok-Videos schauen und von jedem erfreut, am\u00fcsiert und begeistert sein. Das bedeutet aber nicht, dass ich 20 Minuten lang gelernt habe. In den ersten Partien eines Spiels f\u00e4llt die Freude an Neuem und das Erlernen der Spielabl\u00e4ufe zusammen. Man entdeckt Situationen, die man vorher noch nicht gesehen hat und vertieft gleichzeitig seine Kenntnis der Regeln und Zusammenh\u00e4nge. Aber irgendwann ist dieses Wissen ausreichend aufgenommen. Der Lernzuwachs mit jeder neuen Partie tendiert gegen Null. Unser Spielen wird nicht mehr von Verst\u00e4ndnisfragen angetrieben, sondern vom Ehrgeiz ein Spielziel zu erreichen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_27453\" aria-describedby=\"caption-attachment-27453\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Anwenden.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-27453 size-medium\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Anwenden-300x184.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"184\" srcset=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Anwenden-300x184.jpg 300w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Anwenden-700x430.jpg 700w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Anwenden-150x92.jpg 150w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Anwenden-768x472.jpg 768w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Anwenden-370x228.jpg 370w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Anwenden-270x166.jpg 270w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Anwenden-570x351.jpg 570w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Anwenden-813x500.jpg 813w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Anwenden-740x455.jpg 740w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Anwenden.jpg 987w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-27453\" class=\"wp-caption-text\">Frei handeln ist eine Frage der Selbsteinsch\u00e4tzung<\/figcaption><\/figure>\n<p>Dieser Vorgang l\u00e4sst sich gut mit dem Erlernen einer Sprache vergleichen. Anfangs ist vieles neuartig und manchmal auch fremd. Man ringt mit den Besonderheiten der Sprache. Hat man jedoch ein grobes Verst\u00e4ndnis der Grammatik, Aussprache und kennt einige Vokabeln, folgt die praktische Anwendung. Man nutzt die Sprache und \u00fcbt sie dadurch immer besser ein. Das eigene Sprachniveau kann man zwar durch Pr\u00fcfungen und Tests beglaubigen lassen, aber au\u00dferhalb beruflicher Kontexte ist nur das eigene Sprachempfinden entscheidend. Man entwickelt selbst ein Gef\u00fchl daf\u00fcr, ob man eine Sprache sprechen kann oder nicht. Vereinzelt mag man hier und da noch neue Vokabeln, Sprachbilder oder Dialekte dem eigenen Repertoire hinzuf\u00fcgen; aber an diesem Punkt ist man schon dabei die Sprache einfach nur zu nutzen. Man versteht sich nicht als ewig Lernende*r, sondern als Mitglied dieser Sprachgemeinschaft.<\/p>\n<p>Der Moment in dem man ein Spiel *kann*, \u00e4hnelt dem Moment in dem man eine Sprache *kann*. Es geht nicht darum wie gut wir in einer Partie\/einem Gespr\u00e4ch abschneiden, sondern wie sicher wie uns f\u00fchlen daran teilzunehmen. Der Spa\u00df h\u00f6rt in der Regel nicht auf, wenn wir uns nicht mehr fragen m\u00fcssen, ob wir es richtig machen. Er beginnt meist erst dann, wenn uns diese Fragen nicht mehr besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<hr \/>\n<h6>Titelbild: The Old King&#8217;s Crown<br \/>\nArtikelbilder: Kh\u00f4ra<\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein neues Spiel bedeutet immer erst ein Mal Aufwand. Mal mehr und mal weniger. Zu aller erst muss man das Spiel auspacken. Das kann innerhalb der Szene f\u00fcr derart viel Verz\u00fcckung sorgen, dass es ganze Videoformate gibt, die sich nur damit besch\u00e4ftigen. Dann muss man sich aber auch mit der Anleitung auseinandersetzen. 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