{"id":2668,"date":"2012-02-18T20:39:25","date_gmt":"2012-02-18T18:39:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=2668"},"modified":"2012-02-18T20:39:25","modified_gmt":"2012-02-18T18:39:25","slug":"der-autor-oder-das-ei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2012\/02\/18\/2668\/","title":{"rendered":"Der Autor oder das Ei?"},"content":{"rendered":"<p>Vielleicht tr\u00fcgt mich mein Gef\u00fchl, aber ich glaube das &#8220;typische Vielspielerspiel&#8221; hat sich in den letzten 15 Jahren stark gewandelt. Dominierten vor einer Dekade eher geradlinige Spiele mit trickreicher Wertung so sind es jetzt eher komplexe Aufbauspiele wo am Ende alles in Siegpunkte umgewandelt wird (das klingt vermutlich weniger wertneutral als ich es meine).<\/p>\n<p><strong>Die Frage<\/strong>: Nat\u00fcrlich kann diese Einsch\u00e4tzung falsch sein &#8211; vielleicht verzerrt einfach die exponentiell gestiegene Masse an Vielspielerspielen das Bild. Aber ich glaube schon, dass ich nicht v\u00f6llig falsch liege. Woher kommt dieser Trend? Liegt es daran, dass im Moment andere Autoren dominieren? Autoren wie Feld oder Rosenberg, die eben jene komplexeren Aufbauspiele bevorzugen, w\u00e4hrend es vor einer Dekade eher Schacht, Knizia oder Kramer\/Kiesling waren, die eben einen anderen Stil pflegten? (Ja , die Auotren sind noch aktiv, aber eher im Familienspielsegment) Oder ist es umgekehrt: Die Verlage haben sich an den vergr\u00f6\u00dferten Vielspielermarkt angepasst und\u00a0 w\u00e4hlen jetzt eher auch komplexere Spiele aus, also Spiele von Autoren die damals weniger Chancen auf Ver\u00f6ffentlichung gehabt h\u00e4tten? Selbst wenn man meiner Hypothese nicht zustimmt bleibt die Frage:<\/p>\n<p><em>Wer hat mehr Einfluss auf die Spiele am Markt &#8211; Autoren oder Verlage?<\/em><\/p>\n<p>F\u00fcr beide M\u00f6glichkeiten gibt es gute Argumente:<\/p>\n<p><strong>Die Autoren bestimmen die Spiele auf dem Markt<\/strong>:<\/p>\n<p>Nicht der Verlag konstruiert Spiele, Autoren erfinden Spiele. Kein Verlag kann ohne passenden Autoren eine bestimmte Stilrichtung bedienen oder gar erfinden.<\/p>\n<p>Die Top-Autoren, die gerade besonders flei\u00dfig sind, bestimmen nat\u00fcrlich mit ihren Spielen was gespielt wird und damit auch was als &#8220;Vielspielerspiel&#8221; gilt. Und Autoren haben (meistens) einen bestimmten Stil, zumindest aber ein bestimmtes Genre, dass sie bevorzugen. Insofern bestimmen Sie auch die Spiele, die gerade zu haben sind. Das ist auf dem Buch- oder Musikmarkt nicht anders: Kommt ein neues Talent mit einem ganz eigenen Stil, werden bevorzugt weitere Bands mit diesem Stil gesucht. Man denke nur an Grunge (ja, ich bin alt), die Hamburger Schule oder den Berliner Hiphop.<\/p>\n<p>Kommen ein Rosenberg oder ein Feld auf den Markt und produzieren ein <em>Agricola<\/em> oder <em>Burgen von Burgund<\/em> so inspiriert das Nachwuchsautoren \u00e4hnliche Spiele zu machen (&#8220;\u00e4hnlich&#8221; im Sinne von &#8220;gleiche Art von Spielen&#8221; nicht im Sinne von &#8220;abgekupfert&#8221;). Und nicht nur Autoren werden inspiriert: Wer diese Spiele macht, wird vielleicht sogar Kleinverleger f\u00fcr diese Art von Spielen, vorrausgesetzt er kennt einen enstprechenden Prototypen. &#8220;Sowas wollen wir auch machen!&#8221;, Verlage sehen den Erfolg und h\u00e4ngen sich an.\u00a0 Wenn neue Top-Autoren ihren Durchbruch mit bahnbrechenden Werken feiern, die einen ganz anderen Stil pflegen, so wird der Vielspielermarkt eine neue Richtung nehmen. Dass das ganze so funktioniert sieht man auch an anderen L\u00e4ndern, wo andere Spiele imMittelpunkt stehen: Die Franzosen m\u00f6gen mehr Fun&amp;Zock in ihren Spielen, die Amerikaner mehr Thema, die Japaner m\u00f6glichst verschiedene Charaktere, die Italiener verwinkelte Wertungen, bei denen alles wichtig ist. Diese Szenen sind eben von anderen Autoren (Ludovic, Greenwood, Kawasaki, Mori) inspiriert.<\/p>\n<p><strong>Die Verlage bestimmen die Autoren<\/strong>:<\/p>\n<p>&#8221; Doch halt!&#8221; wird jetzt so mancher aufschreien, &#8220;gerade das letzte Beispiel zeigt doch, dass die Spielgewohnheiten zuerst dagewesen sein mussten!&#8221; Tats\u00e4chlich, umgekehrt wird ein Schuh draus: Die Autoren sind teil des Marktes in dem sie sich bewegen und haben &#8211; wie oben schon geschrieben &#8211; ihre eigenen Vorlieben, die sich aber meistens innerhalb der Vielspielerszene (zu der sie in der Regel geh\u00f6ren) bewegen. Diese Seite kann man so oder so sehen. Aber Autoren alleine bewegen nichts. Die meisten Spiele werden ja nicht ver\u00f6ffentlicht und ein Teil auch, weil sie den formalen Anspr\u00fcchen nicht gen\u00fcgen &#8211; die falsche Zielgruppe bedienen oder zu lang oder zu speziell sind.<\/p>\n<p>Ein Verlag muss her und der richtet sich eben nach dem Markt &#8211; kein Verlag, der Bestand haben will ver\u00f6ffentlicht aus Eigensinn Spiele am Markt vorbei, sondern richtet sich zumindest partiell nach den W\u00fcnschen der Kunden. Gibt es einen Markt f\u00fcr komplexe Aufbauspiele, so wird der bedient. Gibt es keinen (oder keinen ausreichend gro\u00dfen) dann werden entsprechende Spiele nicht produziert. Nur die Autoren bestimmen das Bild, die in das Suchraster der Verlage passen. Waren die Verlage vor zehn Jahren der Ansicht nur geradlinige Spiele \u00e1 la Knizia haben ausreichenden Erfolg, werden auch nur entsprechende Spiele auf dem Mark zu finden sein. Hinzu kommen noch Auftragsarbeiten, die gezielt an die Autoren vergeben werden, dessen Arbeit in das Beuteschema des Verlages passt. Hat ein Spiel wie Agricola bei einem (mehr oder minder) Eigenverlag gro\u00dfen Erfolg, ziehen die Verlage nach und &#8220;signen&#8221; andere Autoren mit passenden Spielen. Der Markt bestimmt, der Verlag zieht mit, die Autoren folgen&#8230;<\/p>\n<p><strong>Die Antwort<\/strong>&#8230;wird weder A noch B sein, sondern liegt irgendwo dazwischen. Aber wo? Autoren, Verlage und Spieler bilden ein komplexes dynamisches System, aber wer hat mehr Einfluss? Verlag oder Autor? Ich habe nicht den Hauch einer Ahnung. Seit ich mir die Frage zum ersten Mal gestellt habe, \u00e4nderte ich meine Antwort fast st\u00fcndlich.Weswegen ich sie jetzt schnell an den Leser weitergebe&#8230;<\/p>\n<p>ciao<\/p>\n<p>peer<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vielleicht tr\u00fcgt mich mein Gef\u00fchl, aber ich glaube das &#8220;typische Vielspielerspiel&#8221; hat sich in den letzten 15 Jahren stark gewandelt. Dominierten vor einer Dekade eher geradlinige Spiele mit trickreicher Wertung so sind es jetzt eher komplexe Aufbauspiele wo am Ende alles in Siegpunkte umgewandelt wird (das klingt vermutlich weniger wertneutral als ich es meine). 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