{"id":26079,"date":"2025-02-16T13:00:41","date_gmt":"2025-02-16T11:00:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=26079"},"modified":"2025-02-15T12:12:07","modified_gmt":"2025-02-15T10:12:07","slug":"the-return-of-the-kleinstverlag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2025\/02\/16\/26079\/","title":{"rendered":"The return of the Kleinstverlag?"},"content":{"rendered":"<p>Man mag es kaum glauben, wenn man die Internationalen Spieletage in Essen in diesen Jahren besucht, aber vor etwa 20 Jahren war die Anzahl an Internationalen Verlagen deutlich geringer. Und die Messe war deutlich kleiner. Ebenso die Verlage: Neben den gro\u00dfen Ausstellern wie Kosmos oder Ravensburger gab es zahlreiche Klein- und Kleinstverlage, die z.T in langen N\u00e4chten vor der Messe eine kleine Dreistellige Anzahl von Spielen handgefertigt haben. Einige Verlage hatten Druckb\u00f6gen zum Ausschneiden (eine Art Pr\u00e4-Internet-Print-and-Play), andere legten gleich nur Kopiervorlagen, etwa f\u00fcr Geldscheine, bei (Hallo, Friedemann!). Gestalterisch besser Begabte wussten mit handgeschnitzten oder<a href=\"https:\/\/boardgamegeek.com\/image\/55239\/mutternland\"> andersweitig hochwertigem<\/a> Material in den Spielen zu gefallen. Es war auch die Zeit der Skai-Pl\u00e4ne, Spielpl\u00e4ne aus<\/p>\n<figure id=\"attachment_26082\" aria-describedby=\"caption-attachment-26082\" style=\"width: 225px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-26082\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/20250214_095735-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/20250214_095735-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/20250214_095735-525x700.jpg 525w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/20250214_095735-113x150.jpg 113w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/20250214_095735-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/20250214_095735-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/20250214_095735-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/20250214_095735-370x493.jpg 370w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/20250214_095735-270x360.jpg 270w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/20250214_095735-570x760.jpg 570w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/20250214_095735-375x500.jpg 375w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/20250214_095735-740x987.jpg 740w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/20250214_095735-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-26082\" class=\"wp-caption-text\"><em>Ein typisches Kleinstverlagspiel aus den 90ern, mit Pistazienschalen als Spielmaterial (aus: Office Politics von John Harrington\/Fiendish Games)<\/em><\/figcaption><\/figure>\n<p>Kunstleder, die sich kosteng\u00fcnstig in kleinen (aber nicht in gr\u00f6\u00dferen) Auflagen herstellen lie\u00dfen und etwa zum Symbol von <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2017\/12\/17\/16959\/\"><em>Edition Perlhuhn<\/em> <\/a>wurden. \u00c4hnlich wie die Rollen, in denen viele dieser Skaispielpl\u00e4nen steckten, weil die deutlich billiger waren, als Spieleschachteln aus hochwertiger Pappe. Viele dieser Spiele gingen unter, andere entwickelten Kultstatus: Wenn via Spielbox oder Mund-zu-Mund-Propaganda ein Spiel als &#8220;Geheimtipp&#8221; gehandelt wurde, waren die kleinen Auflagen schnell abverkauft &#8211; wenn man denn \u00fcberhaupt eine Einkaufsm\u00f6glichkeit f\u00fcr ein seltenes Spiel fand. Einige Spiele wurden entsprechend hoch gehandelt.<\/p>\n<p>Mit der Normalisierung des Internets gab es mehr Einkaufsm\u00f6glichkeiten, mehr Spielekritiken (die vielleicht die Geheimtipps weniger enthusiastisch bewerteten als jemand, der das letzte Exemplar ergattern konnte), aber auch mehr M\u00f6glichkeiten Spiele in h\u00f6herer Qualit\u00e4t herzustellen. Hinzu kamen\u00a0 sp\u00e4ter auch Crowdfunding-M\u00f6glichkeiten. Kleinverlage wandelten sich: Das Spielmaterial wurde hochwertiger, die Auftritte professioneller. Das mussten sie auch werden, denn die Konkurrenz wurde -nicht zuletzt durch das Internet &#8211; sichtbarer. Ein Spiel mit P\u00f6ppeln und laminiertem, handgemaltem Spielplan erweckt weniger Neugierde als das professionell gestaltete Spiel nebenan. Bei einer immer gr\u00f6\u00dferen Anzahl von Spielen aus aller Welt, wird es zunehmend schwieriger, Interesse zu wecken. Neben den Kosten explodierte auch der Zeitfaktor: Jetzt m\u00fcssen nicht nur die Spiele entwickelt und gebastelt werden, jetzt muss man sich eben auch um Graphiker, um Drucker k\u00fcmmern, die Buchhaltung wird komplexer, der Vertrieb muss organisiert werden, ggf. muss ein Shopsystem auf die Webseite, dass den aktuellen IT-Anspr\u00fcchen entspricht usw. Crowdfunding hilft bei der Finanzierung, aber l\u00e4sst die zeitlichen Kosten gr\u00f6\u00dfer werden, denn f\u00fcr den Erfolg bedarf es jetzt echtem Marketing.<\/p>\n<p>Entsprechend gibt es heutzutage zwar immer noch sehr viele kleine Verlage (vielleicht sogar mehr als fr\u00fcher, je nachdem wie man z\u00e4hlt), aber die &#8220;echten&#8221; Eigenverlage, in dem kreative Personen ausschlie\u00dflich ihre Eigenentwicklungen verkaufen, sind gerade in Deutschland sehr selten geworden. Und die meisten sind davon abh\u00e4ngig, dass es gelingt, ausl\u00e4ndische Partnerverlage zu werben, damit die gestiegenen Kosten noch irgendwie finanzierbar sind (viele Kleinstverlage machen die Spiele auch nicht als Einkommen sondern leisten es sich als &#8220;teures Hobby&#8221;).<\/p>\n<p>Die Entwicklung ist nicht per se schlecht: Die Spieleszene wird immer gr\u00f6\u00dfer, die Anzahl der Spiele w\u00e4chst, der Standard in Bezug auf Material aber auch Nachhaltigkeit w\u00e4chst, es gibt deutlich mehr potentiell gute Spiele als vor zwanzig Jahren. Spiele, die mit den mitgelieferten Regeln nicht oder nicht richtig funktionieren sind praktisch ausgestorben. Wer es &#8220;aus Gr\u00fcnden&#8221; nicht auf Spieleveranstaltungen schafft, kann sich via Internet dennoch einen gro\u00dfen Teil des dortigen Angebots beschaffen.<\/p>\n<p>Und doch scheint etwas zu fehlen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_26080\" aria-describedby=\"caption-attachment-26080\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-26080\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/3bf771ae-2953-469c-9f12-a2b89eb3b3cc-300x296.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"296\" srcset=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/3bf771ae-2953-469c-9f12-a2b89eb3b3cc-300x296.png 300w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/3bf771ae-2953-469c-9f12-a2b89eb3b3cc-700x690.png 700w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/3bf771ae-2953-469c-9f12-a2b89eb3b3cc-150x148.png 150w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/3bf771ae-2953-469c-9f12-a2b89eb3b3cc-768x757.png 768w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/3bf771ae-2953-469c-9f12-a2b89eb3b3cc-370x365.png 370w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/3bf771ae-2953-469c-9f12-a2b89eb3b3cc-270x266.png 270w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/3bf771ae-2953-469c-9f12-a2b89eb3b3cc-570x562.png 570w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/3bf771ae-2953-469c-9f12-a2b89eb3b3cc-507x500.png 507w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/3bf771ae-2953-469c-9f12-a2b89eb3b3cc-740x729.png 740w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/3bf771ae-2953-469c-9f12-a2b89eb3b3cc.png 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-26080\" class=\"wp-caption-text\"><em>Ein paar Spiele vom Tokoyo Game Market Dezember 2024<\/em><\/figcaption><\/figure>\n<p>In den letzten Jahren hat das Internationale Interesse am <a href=\"https:\/\/gamemarket.jp\/information\/177349\"><em>Tokyo Game market<\/em><\/a> immer mehr zugenommen. Dieser <em>Game Market<\/em> ist im Prinzip erst einmal eine Art &#8220;Asiatische Spiel&#8221; mit vielen Verkaufsst\u00e4nden von \u00fcberwiegend asiatischen Verlagen. Der Hauptgrund f\u00fcr das Interesse ist aber, dass dort sehr viele japanische Spieleautor:innen Spiele in Kleinstauflagen (oft deutlich unter 100 St\u00fcck) vorstellen. Die meisten japanischen Spiele sind Kartenbasiert oder zumindest nicht allzu gro\u00df, was eine kosteng\u00fcnstigere Produkt erlaubt. Das Interesse ist gro\u00df genug, dass erste Online-H\u00e4ndler wenige Exemplare ausgesuchter Spiele aus Japan nach Europa (oder Nordamerika) bringen, um diese weiterzuverkaufen.<\/p>\n<p>Das Interesse ist auch gro\u00df genug, dass beim letzten PAX (eine Con) in den USA erstmals ein\u00a0 &#8220;<a href=\"https:\/\/www.newmillindustries.com\/ignm\">Indie Game Market<\/a>&#8221; angeboten wurde, bei dem ebenfalls Kleinstverlage ihre Ware anbieten konnten.<\/p>\n<p>Ich muss an dieser Stelle betonen: Auch wenn nat\u00fcrlich auch Verlage dort scouten oder zumindest einfach so f\u00fcndig werden und Spiele aus diesem Indie-Bereich zeichnen, handelt es sich hier <em>nicht<\/em> um Autorentreffen \u00e1 la G\u00f6ttingen, die in erster Linie dazu dienen, Kontakt zwischen Spieleschaffenden und Verlagen herzustellen. Nein, hier geht es prim\u00e4r darum, die eigenen Spiele zumindest einer kleinen Personenanzahl zur Verf\u00fcgung zu stellen, sich als K\u00fcnstler:in auszudr\u00fccken und das eigene Schaffen in die \u00d6ffentlichkeit zu bringen. Auf Kunstschaffender Seite klafft ansonsten eine L\u00fccke: Wer es sich nicht leisten kann, ein Spiel in einer gro\u00dfen Auflage herzustellen oder wem das gestalterische und\/oder finanzielle Geschick daf\u00fcr fehlt und keinen Fremdverlag f\u00fcr das eigene Spiel findet, kann im Moment schlicht nicht ver\u00f6ffentlichen. Diese L\u00fccke wird durch die Indie-M\u00e4rkte geschlossen.<\/p>\n<p>Der gro\u00dfe Erfolg in Japan und in den USA zeigt aber vor allem auch ein enormes Interesse von seitens der Spiele<span data-dobid=\"hdw\">connoisseure. Ein Teil des gro\u00dfen Interesses stammt nat\u00fcrlich aus der Hoffnung, <em>den<\/em> Geheimtipp zu finden, also DAS Spiel, das perfekt den eigenen Geschmack trifft und das man sonst nie kennengelernt h\u00e4tte. Ebenso nat\u00fcrlich ist das Hipster-Gen mit von der Partie, also das Bewusstsein etwas zu haben, was sonst niemand hat, eben das unbekannte Kleinod, den Schatzfund. Doch die Reduktion der Faszination auf diese beiden Punkte greift zu kurz. Ein kleiner Grund ist sicherlich, dass man durch die Indie Markets lokale Kreative unterst\u00fctzt, dass man so <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2020\/06\/28\/20103\/\">einen Einblick in Subkulturen<\/a> gewinnt.<\/span><\/p>\n<p>Doch der Hauptgrund d\u00fcrfte sein: Indie-Spiele m\u00fcssen nicht marktkonform sein. Wer nur eine Handvoll Spiele anbietet, hat die Freiheit, sich daf\u00fcr nicht in finanzielle Abh\u00e4ngigkeiten begeben zu m\u00fcssen. Anders ausgedr\u00fcckt: Man kann machen, was man will. Das schafft z.B. den Raum eine Idee einfach einmal auszuprobieren, ohne sie hundertfach getestet zu haben. Entsprechend viele japanische Spiele basieren auf einer Idee und dann wird geguckt, ob die gen\u00fcgend Interesse produziert. Ich erinnere mich an ein Spiel namens <em>Uri Geller<\/em>, bei dem man L\u00f6ffel verbiegen muss, ohne dass die anderen das mitbekommen. Auch m\u00fcssen Indie-Spiele nicht thematisch an den Mainstream angepasst werden (auf dem Indiemarket gab es ein Spiel \u00fcber Propaganda) und m\u00fcssen nicht daraufhin untersucht werden, ob das Material massentauglich ist (Ein anderes Japanisches Spiel verwendet diese Sehnen aus dem Magiebedarf, um beim Spielen einen Stift &#8220;schweben&#8221; zu lassen). Als Resultat bieten die Spiele das Versprechen ein Spielerlebnis zu bieten, was Spiele aus dem Massenmarkt normalerweise nicht bieten. Vielleicht ist ein Indiespiele gerade auf lange Sicht nicht &#8220;gut&#8221;, aber wenn es eine neue Erfahrung bietet, lohnt sich eine Partie durchaus.<\/p>\n<p>Wenn man sich den Spielemarkt anschaut, dann muss man nicht oberkritisch sein, um festzustellen, dass dort praktisch alle Spiele vergleichbare Zielgruppen und Spielphilosophien haben. Es gibt einen klaren Mainstreambereich. Wo sich ein derartiger Standard etabliert hat, ist immer Platz f\u00fcr Spiele, die diesem Standard nicht entsprechen und f\u00fcr Spieleschaffende, die andere Wege versuchen zu gehen. Es ist enorm schwierig ein Spiel bei einem etablierten Verlag unterzubringen, insbesondere wenn es nicht in gerade favorisierte Raster passt (Es bedarf da auch zumindest Mut der Redaktionen). Eine Indiemarkt f\u00fcllt diese L\u00fccke. Ich hoffe, dass diese M\u00e4rkte auch hierzulande etabliert werden. Der Deutschen Spieleszene w\u00fcrde es auf mehreren Ebenen helfen: Nicht nur in Punkto Kreativit\u00e4t bei den Schaffenden,bei der \u00d6ffnung, des Fokusses,\u00a0 sondern auch bei der Etablierung des Spieles als Kunst-\/Kulturobjektes und der Betrachtung desselben (<em>Was ist ein gutes Spiel?<\/em>) auf der Konsumentenseite.<\/p>\n<p>ciao<\/p>\n<p>peer<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man mag es kaum glauben, wenn man die Internationalen Spieletage in Essen in diesen Jahren besucht, aber vor etwa 20 Jahren war die Anzahl an Internationalen Verlagen deutlich geringer. Und die Messe war deutlich kleiner. 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