{"id":25655,"date":"2024-09-29T14:59:39","date_gmt":"2024-09-29T12:59:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=25655"},"modified":"2024-09-29T14:22:30","modified_gmt":"2024-09-29T12:22:30","slug":"ein-paar-worte-auf-dem-weg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2024\/09\/29\/25655\/","title":{"rendered":"Ein paar Worte auf dem Weg"},"content":{"rendered":"<p>Es mag manch Leser*innen dieser Seite seltsam erscheinen, aber die Spiel Essen gilt nicht in allen K\u00f6pfen als die Speerspitze des modernen Brettspiels. Nicht selten wird sie als \u201ereine Kaufmesse\u201c umschrieben, um sie von solchen Veranstaltungen zu unterscheiden, in denen Spiele als solche gefeiert und vor allem gespielt werden. Es ist verlockend diese Abgrenzung abzunicken. So als w\u00e4re der Gegensatz von Kommerzialisierung und Spielfreude ein besonders kluger und idealistischer Blick auf die Szene. Mir scheint diese Argumention jedoch reduktiv und verkl\u00e4rend. Nicht zuletzt, weil sie oft von einer Position aus ge\u00e4u\u00dfert wird, in der man nicht auf das Geld achten muss, um spielen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dennoch wirken diese Argumente \u00fcberzeugend, weil sie auf etwas zur\u00fcckgreifen was viele von uns empfinden. Das Spielen steht f\u00fcr Entspannung, Freundschaften und das Gef\u00fchl Zeit sinnvoll mit Menschen verbracht zu haben. Im Gegensatz dazu steht das Thema Geld oft mit Lohnarbeit und den damit verbundenen Zw\u00e4ngen im Zusammenhang. Es wirkt profan und beinahe unanst\u00e4ndig diese Dinge zusammen bringen zu wollen. <\/p>\n<p>Aber wie in allen Dienstleistungsbereichen, die dazu da sind die Zeit anderer zu veredeln, stehen auch hinter den vielen neuen Brettspielen arbeitende Menschen. Es ist nur richtig und legitim, dass Menschen in diesen Bereichen von ihrer Arbeit leben k\u00f6nnen. Daf\u00fcr braucht es Spieler*innen, die f\u00fcr diese Dienstleistungen auch bezahlen. In ausgew\u00e4hlten Spitzenzeiten gibt es sogar besonders viele Menschen, die f\u00fcr diese Leistungen zahlen. In der Tourismusbranche sind es je nach Region die Sommer- oder Wintermonate. In der Gastronomie sind es meistens die Wochenenden. Und in der Spielbranche sind es nun mal die Weihnachtszeit und gro\u00dfe Messen. Nat\u00fcrlich auch die gr\u00f6\u00dfte Spielemesse. <\/p>\n<p>Eine internationale Spielemesse ist darum auch ein Ort an dem die Arbeit jener Menschen direkt in Umsatz \u00fcberf\u00fchrt werden darf. Handel und Spiel sind keine nat\u00fcrlichen Gegens\u00e4tze. Im Idealfall erg\u00e4nzen sie sich. Die Gr\u00f6\u00dfe, Vielfalt und Pr\u00e4senz des modernen Spiels w\u00e4re in unserer heutigen Gesellschaft nicht m\u00f6glich, wenn es nicht auch eine wirtschaftliche Verwertung dieses Kulturguts und seiner Bestandteile g\u00e4be. <\/p>\n<p>Dennoch sollte man dieses Anerkennen wirtschaftlicher Realit\u00e4ten nicht mit Wohlwollen verwechseln. Eine kritische Perspektive muss bewahrt bleiben, wenn das Spiel als Kulturgut oder auch als Freizeitbesch\u00e4ftigung monetarisiert wird. Wenn das Streben nach Profitsteigerung kontinuierlich oberste Priorit\u00e4t in den Entscheidungen hat, dann geht das auf Kosten eben jenes Kulturgut, weswegen zig Tausende jedes Jahr im Oktober nach Essen pilgern. Je weiter Preise erh\u00f6ht werden, umso schmaler ist die Gruppe an Spieler*innen, die am Spielen teilhaben k\u00f6nnen. Vom Ausrichten privater Spielrunden, zu \u00f6ffentlichen Spieletreffs bis hin zu gro\u00dfen Veranstaltungen. Es ist niemandem geholfen, wenn nur noch die finanziell Unabh\u00e4ngigen und Privilegierten aufs Spielen und Spielveranstaltungen zugreifen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Denn entgegen best\u00e4ndiger Unkenrufe, ist das Spielen kein Luxus, der man sich leisten k\u00f6nnen muss. Es ist eine Bereicherung unseres Lebens, welche wir mit Freunden und Familien teilen wollen. Genau so wie jedes andere Kulturgut f\u00fcr das wir uns begeistern k\u00f6nnen. Kultur darf niemals Luxus werden.<\/p>\n<p>Nun steht die Spiel Essen vor der T\u00fcr. Ich werde gemeinsam mit zehntausenden anderer Spielbegeisterter durch die Hallen gehen. Auch dieses Jahr gibt es \u00fcberw\u00e4ltigend viel zu bestaunen, zu probieren und auch zu kaufen. Dabei stehe ich in keiner Weise \u00fcber diesen Dingen. Mein Portemonnaie wird auch diesmal merklich lockerer sitzen, als es das tut, wenn ich die Regale meines lokalen Spieleh\u00e4ndlers durchst\u00f6bere. Das Neue, Bunte, Verspielte wird auch bei mir die nahezu kindliche Begeisterung f\u00fcrs Spielen wieder entfachen. Aber ich nehme mir vor das richtige Ma\u00df zu finden.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich werde ich meine Favoriten und die interessantesten Exoten mit nach Hause nehmen wollen. Aber ich will auch die Momente wertsch\u00e4tzen, in denen man mit anderen Spieler*innen aus aller Welt am Tisch zusammenkommt und einfach spielen kann. Ich will nicht aus den Augen verlieren wie viel Arbeit, Ideenreichtum und handwerkliches Geschick in diese Spiele flie\u00dft. Vor allem will ich nicht vergessen, dass Spielen eben nicht etwas ist was man hat und was man in seinen Regalen zur Schau stellt. Es ist etwas, das man tut. Am liebsten mit anderen und im Zweifel auch alleine. Aber was mich bereichert, ist das Spielen und nicht das Kaufen; es ist die intensive Auseinandersetzung mit dem was Spielen erm\u00f6glicht, nicht das Wissen, dass ich endlich alle Promos und Erweiterungen irgendeines Spiels besitze. <\/p>\n<p>In diesem Spannungsfeld verorte ich mich. Vielleicht geht es anderen auch so. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es mag manch Leser*innen dieser Seite seltsam erscheinen, aber die Spiel Essen gilt nicht in allen K\u00f6pfen als die Speerspitze des modernen Brettspiels. Nicht selten wird sie als \u201ereine Kaufmesse\u201c umschrieben, um sie von solchen Veranstaltungen zu unterscheiden, in denen Spiele als solche gefeiert und vor allem gespielt werden. Es ist verlockend diese Abgrenzung abzunicken. 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