{"id":25271,"date":"2024-04-21T13:01:50","date_gmt":"2024-04-21T11:01:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=25271"},"modified":"2024-04-26T09:18:25","modified_gmt":"2024-04-26T07:18:25","slug":"buchbesprechung-what-board-games-mean-to-me","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2024\/04\/21\/25271\/","title":{"rendered":"[Buchbesprechung] \u201eWhat Board Games Mean to Me\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Nach dem Spielen selbst ist das Sprechen \u00fcber Brettspiele vielleicht eine der interessantesten Besch\u00e4ftigungen, die dieses Medium zu bieten hat. Man kann sich \u00fcber Erfahrungen und Erlebnisse austauschen. Man kann Strategien besprechen oder frei assoziieren, was Spiele \u00fcber ihre Themen vielleicht aussagen k\u00f6nnten. Wobei ich zugebe, dass ich als Podcaster durchaus voreingenommen bin. Das Reden \u00fcber Spiele ist f\u00fcr mich von ganz besonderes hohem Stellenwert. Wer jedoch Podcasts eher als Hintergrundgelaber bei der Autofahrt oder dem K\u00fcchenabwasch nutzt, findet im gedruckten Wort eine gehaltvollere Besch\u00e4ftigung. Ein Buch, welches genau das zu erf\u00fcllen versucht, ist \u201eWhat Board Games Mean to Me\u201c.<\/p>\n<p>Es ist eine Sammlung an Essays verschiedener Personen aus der internationalen Brettspielszene. Darunter bekannte Namen wie Geoff Engelstein (\u201eSpace Cadets\u201c), Steve Jackson (\u201eMunchkin\u201c), Ian Livingstone (Games Workshop-Gr\u00fcnder) und Susan McKinley Ross (\u201eQwirkle\u201c). Aber auch John Kovalic (\u201eDork Tower\u201c), Reiner Knizia (\u201eStephenson\u2019s Rocket\u201c) und Sen-Foong Lim (\u201eMind MGMT\u201c) kommen zu Wort. In der Kurzbeschreibung auf dem Umschlag ist von \u201eplayers, designers and fans\u201c die Rede, welche hier ihre Gedanken zu Brettspielen \u00e4u\u00dfern. Wer also die Namen der Schreibenden nicht erkennt, muss sich nicht sch\u00e4men. Es sind Menschen wie du und ich, die vor allem ihre Beziehung zu Spielen eint.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt zeichnen sich viele der Texte durch die N\u00e4he aus, die sie beim Lesen zulassen. Ein Gro\u00dfteil der Essays hat autobiografische Z\u00fcge. Der eigene Lebenslauf wird darin an Hand der Verbindungen zu einzelnen Spielen nachgezeichnet. Dazu geh\u00f6ren oft Momente fr\u00fcher und anhaltender Freundschaften mit anderen Spielbegeisterten. In der Selbstreflexion der Schreibenden wird mehrfach das gemeinsame Spielen als Grundstein und auch langj\u00e4hrige Verbindung zu Menschen benannt. Aber auch weniger erfreuliche Momente finden Erw\u00e4hnung. Etwa wenn die Gedanken an einen verstorbenen Menschen zur\u00fcckbleiben, weil das gemeinsame Spielen Erinnerungen geschaffen hat. Es sind kurze, r\u00fchrende Abs\u00e4tze, die in manchen Essays erscheinen. Nicht selten beschleicht einen das Gef\u00fchl, dass man sich selbst schon in der guten alten Zeit befindet, auf die man in einigen Jahrzehnten mit einem lachenden und weinenden Auge zur\u00fcckblicken wird.<\/p>\n<p>Aber es sind nicht die emotionalen Momente, die das Buch am Besten umschreiben. Es ist allerdings auch nicht der Titel, der zumindest bei mir die Erwartung weckte, unterschiedliche Perspektiven auf Spiele zu lesen. Die Texte zeigen vor allem, wie pr\u00e4sent und auch einflussreich Spiele im Leben der Schreiber*innen waren. Sie bezeugen, gr\u00f6\u00dftenteils unaufgeregt, was es hei\u00dft, wenn Spiele Teil der gelebten Wirklichkeit von Menschen sind. Die Texte bieten Einblicke in die individuellen Lebensl\u00e4ufe ihrer Autor*innen. Dadurch treten Spiele in diesen Texte auf unterschiedlichste Art in Erscheinung. Mal sind sie pers\u00f6nliche Begleiter \u00fcber die Jahrzehnte hinweg; Bindeglied zwischen Familienmitgliedern unterschiedlicher Generationen; die erste Br\u00fccke, die zu lebenslangen Freundschaften f\u00fchrt. Aber sie zeigen auch Spiele als Ausdrucksform individueller Kreativit\u00e4t und Pfad zur Selbstfindung; als Mittel um Gemeinschaften zu formen und am Leben zu erhalten; oder einfach nur als ein Hobby, welches zu einem Beruf wurde.<\/p>\n<p>Stilistisch sind fast alle Texte sehr pers\u00f6nlich und nahbar geschrieben. Sie lesen sich als w\u00e4re man in ein entspanntes Gespr\u00e4ch beim Spazieren gehen vertieft. Eine Unterhaltung, bei der man unweigerlich feststellt, wie viel Raum Spiele im Leben einnehmen. Wie Spiele gerade nicht als fl\u00fcchtiger Teil des Alltags in Vergessenheit geraten. In manchen Berichten erkennt man vielleicht auch eine Parallele zur eigenen Erfahrung mit Spielen und Spieler*innen. Andere Texte zeigen wie unterschiedlich die Rolle sein kann, die Spiele im Leben der Autor*innen einnehmen. \u201eWhat Board Games Mean to Me\u201c ist kein Buch, welches den Blick auf Spiele grundlegend ver\u00e4ndern wird. Daf\u00fcr geht es dann doch zu wenig darauf ein, was es hei\u00dft gemeinsam zu spielen. Aber es normalisiert den Gedanken, dass Menschen Spiele wichtig sind. Dass wir sie gerne und oft spielen; aber auch dass es eine Bereicherung ist, wenn sie einem wichtig sind. Bei manchen mag diese These offene T\u00fcren einrennen und viel zustimmendes Nicken ernten. Wer aber noch daran glauben will, dass Spiele nur ein triviales Luxushobby sind, auf das man jederzeit verzichten k\u00f6nnen sollte, wird sich mit dieser Essaysammlung schwer tun.<\/p>\n<p><strong>Verlag<\/strong>: Aconyte<br \/>\n<strong>Zusammengestellt von<\/strong> Donna Gregory<br \/>\n<strong>Sprache<\/strong>: Englisch<br \/>\n<strong>Seiten<\/strong>: 288<br \/>\n<strong>Erschienen<\/strong>: November 2023<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Spielen selbst ist das Sprechen \u00fcber Brettspiele vielleicht eine der interessantesten Besch\u00e4ftigungen, die dieses Medium zu bieten hat. Man kann sich \u00fcber Erfahrungen und Erlebnisse austauschen. Man kann Strategien besprechen oder frei assoziieren, was Spiele \u00fcber ihre Themen vielleicht aussagen k\u00f6nnten. Wobei ich zugebe, dass ich als Podcaster durchaus voreingenommen bin. 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