{"id":24880,"date":"2024-01-14T12:17:47","date_gmt":"2024-01-14T10:17:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=24880"},"modified":"2024-01-14T12:17:56","modified_gmt":"2024-01-14T10:17:56","slug":"im-sorry-dave-im-afraif-i-cant-do-that-kis-und-spiele","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2024\/01\/14\/24880\/","title":{"rendered":"Im sorry Dave, Im afraid I cant do that &#8211; KIs und Spiele"},"content":{"rendered":"<p>Immer wenn eine neue Technologie im Mainstream angekommt oder es zumindest den Anschein erweckt, sie k\u00f6nnte dies tun, hat dies auch Auswirkungen auf die Spieleszene. Selbst so obskure Dinge wie <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2021\/12\/19\/22643\/\">Blockchain<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2018\/11\/10\/17888\/\">Krypto<\/a> haben die Spieleszene das eine oder andere mal tangiert. AIs\/KIs sind da keine Ausnahme.<\/p>\n<p>Die Frage f\u00fcr mich ist erst einmal :\u00a0 Kann man AIs f\u00fcr die Spieleentwicklung nutzen? Dabei m\u00f6chte ich die M\u00f6glichkeit &#8220;AI-Mitspielende&#8221; einmal ausklammern, da auch hier die Grenzen zwischen &#8220;AI&#8221; und &#8220;Bots&#8221; flie\u00dfend sind und es Bots nun ja schon l\u00e4nger gibt. Es hat ja l\u00e4nger gedauert, bis anst\u00e4ndige Hybride erschienen sind, die aus den M\u00f6glichkeiten der modernen Smartphone\/Tablet-Technologie sinnvolles machen. Gehts bei AIs schneller? Das wird man nat\u00fcrlich sehen m\u00fcssen, im Moment sind wir in der &#8220;Schnellschuss&#8221;-Phase jeder neuen Technologie, bei der erstmal irgendwie versucht wird, die neuen M\u00f6glichkeiten einzubauen, anstelle etwas zu entwickeln, dass auf den neuen M\u00f6glichkeiten basiert. Zwei aktuelle Beispiele demonstrieren das deutlich:<\/p>\n<p>In <a href=\"https:\/\/boardgamegeek.com\/boardgame\/402338\/pictionary-vs-ai\">Pictionary vs AI<\/a> versuchen die Spielerinnen zu erraten, ob eine AI ein Bild err\u00e4t. Ich w\u00fcrde ja sagen, dass man nicht mehr als diesen Satz schreiben muss, dass dieser Satz <em>In <a href=\"https:\/\/boardgamegeek.com\/boardgame\/402338\/pictionary-vs-ai\">Pictionary vs AI<\/a> versuchen die Spielerinnen zu erraten, ob eine AI ein Bild err\u00e4t<\/em> f\u00fcr sich steht, dass man tats\u00e4chlich sp\u00fcrbar d\u00fcmmer wird, wenn man den Satz liest, aber offensichtlich hat eine Markentingabteilung diesen Titel mit dieser Beschreibung durchgewunken, also der Hinweis: Das &#8220;Spiel&#8221; nimmt alles was an <em>Pictonary<\/em> potentiell Spa\u00df macht, raus und ersetzt es durch den Tipp ob ein Computerprogramm ein Bild erkennen kann. Was vor allem Zufall ist, weil man ja nicht wei\u00df, woran diese AIs Bilder erkennt.<\/p>\n<p>Keinen Schritt weiter geht die neue (angek\u00fcndigte) Version von <a href=\"https:\/\/boardgamegeek.com\/boardgame\/362992\/rankster\">Rankster<\/a>: Hier r\u00e4t man wie die AI drei Personen (fiktiv oder real) in einem bestimmten Zusammenhang rankt. Auch hier ersetzt die AI den Teil des Spieles der Spa\u00df macht: Die \u00dcberlegung, ob Mahatma Gandhi oder Marie Curie bessere Imker w\u00e4ren als Taylor Swift und ob das die anderen auch so sehen. Man k\u00f6nnte sogar argumentieren, <em>Rankster<\/em> ist eine noch schlechtere Anwendung als <em>Pictonary<\/em>, k\u00f6nnte letztere zumindest noch einen kurzen \u00dcberraschungsmoment bieten. was die AI noch erkennt (oder eben nicht). Ein Ranking dreier Personen durch eine AI ist schlicht eine Zufallsreihenfolge, die man zu erraten versucht.<\/p>\n<p>Beide Beispiele machen denselben Denkfehler: Sie setzen die AI ein, um den Teil zu entfernen, in dem die Spielenden agieren. Die AI nimmt den Spielenden hier quasi die &#8220;Arbeit&#8221; ab. Nur ist die &#8220;Arbeit&#8221; hier eben keine <em>Arbeit<\/em> sondern die <em>Spielhandlung,<\/em>ergo der Teil, der Spa\u00df macht. Anders ausgedr\u00fcckt: Der Teil, der bei einem anderen Produkt durch die AI \u00fcbernommen wird, um die T\u00e4tigkeit zu verinfachen, ist hier genau der Teil, der nicht vereinfacht werden soll, weil sonst das Spiel keinen sinn mehr hat. Eine AI in einem Spiel m\u00fcsste eine andere Aufgabe haben: Entweder die \u00dcbernahme von Admin oder spontanes Erzeugen von \u00fcberraschenden Ereignissen zum Beispiel. Eine AI sollte in einem Spiel das Spielprinzip nicht ersetzen, sondern erweitern. Diesen Sachverhalt nicht zu verstehen ist ein Denkfehler, der von einer AI h\u00e4tte kommen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich denken die meisten beim Thema AI an Graphiken. Viele Firmen &#8211; insbesondere kleinere &#8211; nutzen gerne AIs um gerade bei graphikintensiven Spielen Geld zu sparen. Das Argument &#8220;ohne Midjourney &amp; Co k\u00f6nnten wir kein Spiel produzieren&#8221; wird gerne genutzt, um den AI-Einsatz zu rechtfertigen.\u00a0 Ausgerechnet Wizards of the Coast fiel gerade auf Twitter<a href=\"https:\/\/arstechnica.com\/ai\/2024\/01\/magic-the-gathering-maker-admits-it-used-ai-generated-art-despite-standing-ban\/\"> mit offensichtlich AI-generierten Graphiken auf<\/a>, die f\u00fcr Promomaterial erstellt wurden. Dabei ging es explizit um <em>Magic: The Gathering<\/em>, dem Goldesel unter den Spielen und vor allem ein Spiel, dass die Illustrator*innen der zahlreichen Karten durchaus in den Mittelpunkt stellt und etwa Autogrammstunden organisiert. Wenn es einen Verlag gibt, der es eigentlich besser wissen m\u00fcsste, dann Wizards. Entsprechend hoch war der Backlash, infolge dessen Wizards die Graphiken l\u00f6schte, sich dazu gen\u00f6tigt f\u00fchlte ein Statement abzugeben und Starzeichner <a href=\"https:\/\/twitter.com\/DaveRapoza\/status\/1744154937892675885\">Dave Rapoza aus Protest seine Arbeit f\u00fcr den Verlag einstellte<\/a>. Der Verlag berief sich darauf, dass die Graphiken von einem Illustratoren mit einem AI-<em>Tool<\/em> hergestellt wurden, also wo ein Zeichner die AI nur als Werkzeug genutzt hat. Auf den ersten Blick ist die Grenze zwischen AI-Graphik (mit jemanden, der immer genauere Prompts erstellt) und AI-Tool flie\u00dfend. Allerdings kann man prinzipiell dieselbe Grenze ziehen, wie bei den Spiele oben:\u00a0 Ein Tool erleichtert die Arbeit, automatisiert die Teile, die sonst schwierig zu erstellen sind und vor allem erweitert die M\u00f6glichkeit des Menschen, der ein Bild malen will. Sie nimmt der kreativen Person die Teile ab, die keine Freude bereiten. Eine AI dagegen automatisiert genau diesen kreativen Prozess, den Prozess der Freude bereitet, den Teil, den ein Mensch gut kann. F\u00fcr den Verlag vermag der seelenlose, freudlose Prozess das Bezahlen von Menschen sein, der von einer AI obsolet gemacht wird &#8211; was dann auch die Philosophie des betreffenden Verlages deutlich macht.<\/p>\n<p>ciao<\/p>\n<p>peer<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer wenn eine neue Technologie im Mainstream angekommt oder es zumindest den Anschein erweckt, sie k\u00f6nnte dies tun, hat dies auch Auswirkungen auf die Spieleszene. Selbst so obskure Dinge wie Blockchain oder Krypto haben die Spieleszene das eine oder andere mal tangiert. AIs\/KIs sind da keine Ausnahme. 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