{"id":24751,"date":"2023-12-17T12:01:17","date_gmt":"2023-12-17T10:01:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=24751"},"modified":"2023-12-16T21:55:12","modified_gmt":"2023-12-16T19:55:12","slug":"filmkritik-spielrepublik-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2023\/12\/17\/24751\/","title":{"rendered":"Filmkritik &#8211; Spielrepublik Deutschland"},"content":{"rendered":"<p>In der Mediathek der ARD ist seit einigen Tagen der Dokumentarfilm \u201eSpielrepublik Deutschland\u201c verf\u00fcgbar. Mit einem Titel wie diesem ist es nat\u00fcrlich fast unm\u00f6glich die Neugier der Spieler*innen der Bundesrepublik (und zum Teil auch einiger au\u00dferhalb) im Zaum zu halten. Was zeigt diese Doku \u00fcber unsere liebste Besch\u00e4ftigung? Wen zeigt sie? Vor allem aber wie zeigt sie die Menschen, die sich mit der gesamten Bandbreite an Leidenschaft dem Brettspiel hingeben?<\/p>\n<figure id=\"attachment_24755\" aria-describedby=\"caption-attachment-24755\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Spielearchiv.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-24755\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Spielearchiv-300x132.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"132\" srcset=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Spielearchiv-300x132.png 300w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Spielearchiv-700x307.png 700w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Spielearchiv-150x66.png 150w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Spielearchiv-768x337.png 768w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Spielearchiv-370x162.png 370w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Spielearchiv-270x118.png 270w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Spielearchiv-570x250.png 570w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Spielearchiv-1141x500.png 1141w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Spielearchiv-740x324.png 740w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Spielearchiv.png 1266w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-24755\" class=\"wp-caption-text\">Ein Blick ins Spielearchiv<\/figcaption><\/figure>\n<p>Es beginnt mit Gesichtern aus der Spieleszene. Im Laufe der Doku kommen Designer wie Klaus Teuber, Uwe Rosenberg und Rita Modl zu Wort. Aber auch Kritiker wie Tom Werneck sind zu h\u00f6ren. Am Anfang und am Ende fallen vor allem Markus und Inka Brandt auf. Sie bilden als Paar und Familie so etwas wie die Er\u00f6ffnungs- und Abschlussmomente dieser Doku. Die Spielrepublik Deutschland ist, wenn man die Bilder so deuten m\u00f6chte, auch eine Art gro\u00dfe Familie.<\/p>\n<p>F\u00fcr Menschen aus der Szene ist das sicherlich fast eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Es ist \u00fcblich, dass wir die Spieletitel oft gleich mit den dahinterstehenden Namen nennen. Es ist nicht nur Agricola, sondern Uwe Rosenbergs Agricola. Wir sehen im Laufe der Doku nicht nur Zwergendorf, sondern Rita Modls Zwergendorf. Als Vielspieler*innen nehmen wir Spiele immer als kreatives Werk der Machenden bzw. der Autor*innen wahr. Dass Spielerepublik Deutschland eben diesen Gedanken in Bilder \u00fcbertr\u00e4gt, ist alles andere als selbstverst\u00e4ndlich. Darum ist dieser Punkt nicht nur erw\u00e4hnens- sondern auch lobenswert. Er trifft auf sehr pr\u00e4zise Weise eine wichtige Eigenschaft der modernen Spielszene. Sowohl die selbst erz\u00e4hlten Einblicke in die Geschichte der Brandts, wie auch der ebenfalls selbst beschrieben Blick in den Arbeitsalltag von Rita Modl tragen viel dazu bei, dass Spiele immer im Kontext kreativer Leistung verstanden werden.<\/p>\n<p>Es entspricht unserem Selbstverst\u00e4ndnis als Spieler*innen, dass wir es hier nicht allein mit einem Produkt zu haben, welches mit ausreichenden Margen an die richtigen Zielgruppen zu lancieren gilt. Nat\u00fcrlich ist uns bewusst, dass gerade dieser Gedanke der marktwirtschaftlichen Realit\u00e4t der Branche nahe kommt. Aber sie \u00f6ffnet auch der Anschauung T\u00fcr und Tor, dass Spiele nur eine weitere Form des \u201econtent\u201c sind. Sie sind Marken, die in gro\u00dfen Mengen und hoher Frequenz auf den Markt geworfen werden m\u00fcssen. Wenn manche Kritiker*innen den Begriff des Kulturguts immer wieder hochhalten und seine Anwendbarkeit auf Spiele verteidigen, dann ist das der Grund. Es geht darum der Banalisierung des Spiels entgegenzutreten. Wir m\u00fcssen als Kulturgut an ihnen festhalten, um zu verhindern, dass sie zur austauschbaren Verbrauchsware degradiert werden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_24757\" aria-describedby=\"caption-attachment-24757\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Protos-basteln.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-24757\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Protos-basteln-300x129.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"129\" srcset=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Protos-basteln-300x129.png 300w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Protos-basteln-700x301.png 700w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Protos-basteln-150x65.png 150w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Protos-basteln-768x331.png 768w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Protos-basteln-370x159.png 370w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Protos-basteln-270x116.png 270w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Protos-basteln-570x245.png 570w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Protos-basteln-1162x500.png 1162w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Protos-basteln-740x318.png 740w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Protos-basteln.png 1264w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-24757\" class=\"wp-caption-text\">Prototypen basteln<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Menschen, die in Spielrepublik Deutschland zu Wort kommen, helfen dabei deutlich zu zeigen, dass hinter jedem Spiel menschliche Kreativit\u00e4t und Schaffen steht, welches unterhalten, entz\u00fccken und manchmal auch die Menschen bewegen will.<\/p>\n<p>Darum wei\u00df diese Doku auch so viele in der Szene zu begeistern, zu inspirieren oder auch nur zu wohlwollender Zustimmung zu bewegen. Sie zeigt, dass Spiele eben nicht nur Zeitvertreib sind, sondern auch Bindungen aufbauen k\u00f6nnen. Ob zwischen den Schaffenden untereinander oder den Spielenden innerhalb der Gruppen. Aber auch \u2013 auf schwer greifbare aber durchaus aufrichtig empfundene Weise \u2013 die Spielemacher*innen mit denen, die ihre Spiele genie\u00dfen. Das Spiel setzt Menschen miteinander in Verbindung und ist nicht zuletzt deshalb eine ansprechende und erf\u00fcllende Aktivit\u00e4t.<\/p>\n<p>Dieses Verst\u00e4ndnis zieht sich unausgesprochen durch den 90 Minuten Dokumentarfilm. Allein das macht Spielrepublik Deutschland ganz klar empfehlenswert.<\/p>\n<p>.<br \/>\n.<br \/>\n.<br \/>\n.<br \/>\n.<br \/>\n.<br \/>\n.<br \/>\n.<br \/>\n.<br \/>\n.<br \/>\n.<br \/>\n.<br \/>\n.<br \/>\n.<br \/>\n.<br \/>\n.<br \/>\n.<br \/>\n.<br \/>\n.<br \/>\n.<\/p>\n<p>AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAber\u2026..<\/p>\n<p>Ein Gro\u00dfteil der Ideen, Inhalte und Aussagen muss man sich als Zuschauer*in selbst aus dem Bild- und Tonmaterial der Doku zusammenstellen. Gerade in der ersten H\u00e4lfte ist die Formlosigkeit und bisweilen Orientierungslosigkeit eine sp\u00fcrbare Schw\u00e4che des Films. Man bekommt den Eindruck, dass hier viel Material vor Ort und mit den Pers\u00f6nlichkeiten produziert wurde, ohne dass es einen roten Faden oder eine zusammenfassende These gab, die beleuchtet werden sollte. Mehrfach hatte ich das Gef\u00fchl, ich w\u00fcrde eine grobe \u00dcbersicht des erarbeiteten Filmmaterials betrachten an Stelle einer stringent erz\u00e4hlten Dokumentation.<\/p>\n<p>Bis zu einem gewissen Grad ist dieser Ansatz auch zul\u00e4ssig. Schlie\u00dflich will man als Dokumentarfilmer*in nicht mit festgefahrenen Ansichten an die Interviewpartner herantreten und so wom\u00f6glich Einfluss darauf nehmen wie sie sich vor der Kamera \u00e4u\u00dfern. Ein Dokumentarfilm muss so unvoreingenommen wie m\u00f6glich bebildern und bezeugen was die Realit\u00e4t ist. Denn sonst l\u00e4uft man doch Gefahr Vorurteile zu reproduzieren oder etablierte, durchaus fragw\u00fcrdige Narrativen zu verfestigen.<\/p>\n<p>Dennoch wirkt der R\u00fcckgriff auf TV-Sendungen aus den 1970ern nicht immer wie ein Verweis auf die lange Geschichte und auch Medienpr\u00e4senz des Brettspiels. Sie greift auch Vorurteile auf wie unfassbar stocksteif und furztrocken Brettspiele anmuten k\u00f6nnen. Gerade wenn man die Entwicklungen der Spiele und der Szene der letzten 40 Jahre nicht mitverfolgt hat.<\/p>\n<p>Gl\u00fccklicherweise wird dieses Archivmaterial im Laufe der Doku immer seltener und wird durch \u201eRed Carpet\u201c Interviews aus dem US-Fernsehen ersetzt. Darin sprechen Kirsten Bell und Dax Shephard: beides Schauspieler und leidenschaftliche Catan-Spieler, wie sie auch vor laufender Kamera und auf Instagram belegen. Der Kontrast zwischen damals und heute ist deutlich \u2013 wenn man die Parallele als Zuschauer*in zieht. Aber sie ist nur eine von vielen Beobachtungen, die fast wie Randbemerkungen wirken, die nicht zu einem wirklich koh\u00e4renten Ganzen zusammenkommen.<\/p>\n<p>So hatte ich vor allem den Eindruck, dass die Spielrepublik Deutschland aus einer gro\u00dfen Zahl an kleinen Gruppierungen zu bestehen scheint. Manche m\u00f6gen sich ihrer gegenseitigen Existenz bewusst sein, aber Gemeinsamkeiten scheinen sie nur wenige zu besitzen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_24756\" aria-describedby=\"caption-attachment-24756\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Rita-und-Uwe-in-Essen.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-24756\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Rita-und-Uwe-in-Essen-300x146.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"146\" srcset=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Rita-und-Uwe-in-Essen-300x146.png 300w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Rita-und-Uwe-in-Essen-700x341.png 700w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Rita-und-Uwe-in-Essen-150x73.png 150w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Rita-und-Uwe-in-Essen-768x375.png 768w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Rita-und-Uwe-in-Essen-370x180.png 370w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Rita-und-Uwe-in-Essen-270x132.png 270w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Rita-und-Uwe-in-Essen-570x278.png 570w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Rita-und-Uwe-in-Essen-1025x500.png 1025w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Rita-und-Uwe-in-Essen-740x361.png 740w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Rita-und-Uwe-in-Essen.png 1138w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-24756\" class=\"wp-caption-text\">Erinnerungen f\u00fcr Social Media geh\u00f6ren auch dazu<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das gro\u00dfe Paradoxon von Spielrepublik Deutschland ist, dass obwohl die 90 Minuten nah an den Personen und Pers\u00f6nlichkeiten zu stehen scheint, die Eindr\u00fccke weitesgehend oberfl\u00e4chlich bleiben. Man ist dabei, aber nicht mittendrin. Man h\u00f6rt Pers\u00f6nlichkeiten \u00fcber sich selbst sprechen. Manche sind darin sogar sehr gut und zeigen mit klaren Worten, dass sie sich und auch ihr Schaffen durchaus verstehen und einordnen k\u00f6nnen. Umso deutlicher vermisst man eine solche Einordnung und Kontextualisierung des Gesagten und Gesehenen durch den Film selbst. Als Spieler*innen sind wir nat\u00fcrlich gewillt den Sprechenden Glauben zu schenken. Aber ich hatte gehofft, dass der dokumentierende Blick von au\u00dfen zumindest auch einen anderen Blickwinkel in die Thematik gebracht h\u00e4tte.<\/p>\n<p>So kann schnell der Eindruck entstehen, dass die Bewohner der Spielrepublik Deutschlands Teil einer Parallelgesellschaft sind. Manche haben sich aus ihrem Dentallabor verabschiedet, um ein St\u00fcck weit die Welt zu ver\u00e4ndern. Andere t\u00fcfteln, basteln und erfinden f\u00fcr sich und treten nur zu besonderen Anl\u00e4ssen einer gew\u00e4hlten \u00d6ffentlichkeit gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>Aber alles das sind nur Deutungen und Interpretationen, die beim Versuch entstehen aus der Flut an Eindr\u00fccken einen Sinnzusammenhang zu erkennen. Denn es ist schwer genau zu greifen was Spielrepublik Deutschland eigentlich ist, sagt oder will. Einige Zuschauer haben sich online dar\u00fcber gefreut sich \u201eberieseln zu lassen\u201c. Andere freuten endlich \u201eGesichter zu sehen\u201c, von Menschen die f\u00fcr viele vergn\u00fcgliche Spielstunden am eigenen Tisch verantwortlich waren. Das sei diesen zufriedengestellten Zuschauern auch ungenommen. Nur w\u00e4re f\u00fcr diese Ziele auch ein TikTok oder YouTube-Video absolut ausreichend gewesen. Daf\u00fcr w\u00e4re ein Dokumentarfilm, der im Gespr\u00e4ch war in die Kinos zu kommen, nicht n\u00f6tig gewesen.<\/p>\n<p>Wer hier eine gewisse Entt\u00e4uschung bei mir herausliest, liegt sicherlich nicht falsch. Denn von technischer Seite gesehen, ist hier wenig zu beanstanden. Aber der Zugriff auf Archivmaterial als auch zu mittlerweile verstorbenen Koryph\u00e4en, hat in mir die Hoffnung auf mehr Substanz geweckt. Statt die Spielrepublik Deutschland lediglich abzufilmen und zur Anschauung zu pr\u00e4sentieren, war hier die Gelegenheit das moderne Brettspiel und seine Szene als vielseitiges und auch spannendes Sujet zu etablieren.<\/p>\n<p>Dass meine milde, individuelle Entt\u00e4uschung nicht dem Tenor des Gro\u00dfteils der Zuschauer*innen entspricht, hat aber vielleicht auch mit dem wirklich gro\u00dfartigen Finale zu tun. Hier begleiten wir einige der im Laufe der Doku gesehenen Gesichter auf die Spiel in Essen. Hier treffen nicht nur manche Pers\u00f6nlichkeiten erstmals in diesem Dokumentarfilm aufeinander, man kann auch einen Moment lang erahnen wie viel Begeisterung und Emotionen mit Spielen in Verbindung steht. Man kann beinahe erahnen, dass hier eine Internationalit\u00e4t und eine Gr\u00f6\u00dfenordnung erreicht wird, die bis dahin lediglich von einzelnen Sprechern benannt wurde. Das Ende der Doku deutet aber darauf hin, wie viel in diesem Thema noch schlummert.<\/p>\n<p>An diesem Punkt scheint sogar etwas wie eine Positionierung in der Doku aufzutreten, wenn die gro\u00dfe internationale Gemeinschaft der Spielemesse mit den pers\u00f6nlichen Lebensl\u00e4ufen der Machenden gegen\u00fcbergestellt wird. Man merkt, dass aus den kleinen Basteleien am K\u00fcchentisch oder den handgefertigen Prototypen irgendwann k\u00e4uflich erwerbbare Artefakte entstehen, welche einen Sog und eine emotionale Wucht f\u00fcr Menschen entfalten k\u00f6nnen, die kaum in Worte zu fassen ist.<\/p>\n<p>Spielrepublik Deutschland endet an dem Punkt an dem ich mir w\u00fcnschte, dass man angefangen h\u00e4tte. Sowohl Ton als auch Rahmen werden in den letzten Minuten so gro\u00dfartig gesetzt, dass ich mich einer Begeisterung auf mehr nicht erwehren kann. Was l\u00f6st diese Leidenschaft aus, welche auf der Spielemesse so zelebriert wird? Was ist es, dass diese breite Masse an Menschen zu vereinen wei\u00df und sie so lange an diese Besch\u00e4ftigung bindet? Was ist der Zugang dazu? Wer sind die Menschen, die sich hier heimisch f\u00fchlen?<\/p>\n<p>Das ist die Doku auf die ich nach dem Ende der Spielrepublik Deutschland warte. Das ist zumindest ein stattlicher Teilerfolg.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Mediathek der ARD ist seit einigen Tagen der Dokumentarfilm \u201eSpielrepublik Deutschland\u201c verf\u00fcgbar. Mit einem Titel wie diesem ist es nat\u00fcrlich fast unm\u00f6glich die Neugier der Spieler*innen der Bundesrepublik (und zum Teil auch einiger au\u00dferhalb) im Zaum zu halten. Was zeigt diese Doku \u00fcber unsere liebste Besch\u00e4ftigung? Wen zeigt sie? 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