{"id":24674,"date":"2023-11-26T14:09:40","date_gmt":"2023-11-26T12:09:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=24674"},"modified":"2023-11-26T17:36:20","modified_gmt":"2023-11-26T15:36:20","slug":"quo-vadis-asmodee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2023\/11\/26\/24674\/","title":{"rendered":"Quo Vadis Asmodee?"},"content":{"rendered":"<p>2014 erwarb Eurazeo Asmodee und mit dem neuen Kapital wurde ordentlich eingekauft: Einige Verlage wurden gekauft (Mayfair, FFG), andere fusionierten mit Asmodee (Days of Wonder) und andere gingen feste Partnerschaften ein, blieben aber autonom. Die Brettspielwelt hatte \u00e4hnliches zuvor nicht gesehen (und auch abseits von Asmodee immer noch nicht) und man machte sich Sorgen, was mit den Verlage geschehen w\u00fcrde, wenn Eurazeo auf die Idee kommen w\u00fcrde, Asmodee und damit auch die einzelnen Studios aufzul\u00f6sen. Immerhin hat Eurazeo nichts mit der Spieleszene am Hut, sondern ist nur daran interessiert den Marktwert zu steigern. Nun, das gelang jedenfalls. Einige Verlage (wie Heidelberger) sprangen wieder ab, oftmals auf Kosten von namhaften Marken, die bei Asmodee verblieben. Als Au\u00dfenstehender ist das schwer zu beurteilen, aber die B\u00fcndelung an Verlagen hatte keine gro\u00dfe \u00c4nderung im Output zur Folge.<\/p>\n<p>2018 wurde Asmodee dann an PAI Partners weiterverkauft. Das war nichts pers\u00f6nliches, eine reine Gesch\u00e4ftsentscheidung, wie es in Mafia-Kreisen so sch\u00f6n hei\u00dft. PAI sah einfach mehr Wachstumspotential als Eurazeo. Kurzfristig war eine \u00c4nderung in der Strategie Asmodees wahrnehmbar: Es gab immer noch sehr viel, aber man konzentrierte sich mehr auf die gro\u00dfen Markennamen. Langfristig f\u00fchrte das aber wohl nicht zum gew\u00fcnschten Erfolg &#8211; jedenfalls kehrte man zumindest ein wenig zu einem &#8220;breiten&#8221; Portfolio zur\u00fcck. Vielleicht lag es ein bisschen daran, dass mit Markenpflege keine Titel zu gewinnen sind und auch wenn sich gro\u00dfe Marken nun einmal per Definition gut verkaufen, m\u00fcssen zur Steigerung auch neue Marken hinzukommen. Und da sind in der Spieleszene Titel nicht unwichtig. Auch neue Partnerschaften wurden eingegangen. Ein Grund mag auch gewesen sein, dass die angestrebten alternativen Medien abgesehen von ein paar B\u00fcchern in den <em>TIME Stories<\/em> und <em>Pandemie<\/em>-Universen nicht verwirklicht werden konnten (Und ob die B\u00fccher erfolgreich waren, wei\u00df ich nicht)<\/p>\n<p>2021 wurde der Staffelstab &#8220;Asmodee&#8221; an\u00a0 die schwedische <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2021\/12\/19\/22643\/\">Embracer-Group<\/a> weitergegeben. <em>Embracer<\/em> ist eine Videospielfirma, die gerade auf gro\u00dfer Einkaufstour waren und insbesondere auch viele Marken kauften, z.B. Die Herr der Ringe IP, aber auch Computerspielewelten wie <em>Deus X<\/em>.\u00a0 Ein bisschen war die Hoffnung in der Szene, dass jetzt zumindest ein Besitzer aus dem Spielebereich (wenn auch Videospiele) im Sattel sitzt, der die N\u00f6te und W\u00fcnsche der Brettspielenden besser ber\u00fccksichtigt. Umso ironischer ist, dass ausgerechnet Embracer jetzt ein gro\u00dfes Fragezeichen hinter die Zukunft von Asmodee setzt:<\/p>\n<p>Embracer hat nach einer Reihe von Fehlkalkulationen (nicht zuletzt mit den erworbenen IPs) 1,4 Milliarden Dollar Schulden (entspricht dem BIP einiger Inselstaaten). Die Computerbranche allein hat satte\u00a0 120Millionen Dollar Verlust eingefahren. Asmodee ist der einzige wirklich profitable Teil Ebracers: Mit 25% Wachstum und einem Gewinn von etwa 39 Millionen Dollar ist es mit Abstand das ges\u00fcndeste Pferd im Stall. Nun w\u00e4re es sicherlich aus Gesch\u00e4ftssicht nicht ganz verkehrt ein winning Team nicht zu changen, aber Embracer ist &#8211; und das ist der Fachterminus &#8211; ziemlich verzweifelt. Nach vielen Entlassungen und dem Schlie\u00dfen und Absto\u00dfen zahlreicher digitaler Entwicklungsstudios sollen jetzt auch &#8220;Umstrukturierungen&#8221; bei Asmodee erfolgen. Was das bedeutet ist erst einmal offen. Ich sehe da einige M\u00f6glichkeiten:<\/p>\n<p>1.) Man entl\u00e4sst Leute, verkauft Studios etc. : Eine riskante Strategie. Asmodee ist f\u00fcr einen solchen gro\u00dfen Brettspielkoloss tats\u00e4chlich eher schlank organisiert (soweit man das als Au\u00dfenstehender beurteilen kann). Viel wird sich nicht einsparen lassen, ohne dass der Verlag Schaden nimmt und an Marktwert verliert. Einen kleinen Vorgeschmack hat die deutsche &#8220;Content-Szene&#8221; in Essen bekommen, wo ein neues (externes?) Team f\u00fcr die Pressearbeit zust\u00e4ndig war. Die Aufgabenverteilung zwischen Presseteam und der alten Presseabteilung schien aber unklar zu sein und der direkte Kontakt ist immer noch eher mit denselben Leuten wie vorher. Mmmh. Diese Strategie birgt das langfristige Risiko, dass sich die beteiligten Verlage von Asmodee abspalten, insbesondere wenn die Zusammenarbeit oder Autonomie nicht mehr funktioniert. Asmodee w\u00fcrde dann ausgerechnet die Kreativabteilungen verlieren und langfristig zu einer Art Vertrieb werden.<\/p>\n<p>2.) Man konzentriert sich wieder auf kurzfristige Effekte und das hei\u00dft vor allem: Marken. <em>Zug um Zug Legacy<\/em> kommt daher zum richtigen Zeitpunkt (nat\u00fcrlich Zufall, so kurzfristig kann kein Legacy-Spiel entstehen). Bei Brettspielen sind gl\u00fccklicherweise schnellere Strategiewechsel m\u00f6glich als im Computerspielbereich, wo die Entwicklungszeiten l\u00e4nger und die die Kosten deutlich h\u00f6her sind. Doch wie oben geschrieben: Langfristig funktioniert das im Brettspielbereich nicht. Ob kurzfristige Effekte ausreichen, um den Mutterkonzern wieder in die schwarzen Zahlen zu bringen darf angesichts des Schuldenberges bezweifelt werden.<\/p>\n<p>3.) Asmodee wird weiterverkauft. Angesichts der gesunden Zahlen und einiges an Marken (mehr noch als 2021) ist Asmodee sicherlich ein interessantes Paket- Dennoch ist es alles andere als klar ob sich ein K\u00e4ufer finden w\u00fcrde, der auch nur die 2,75 Milliarden zu zahlen bereit w\u00e4re, die Embracer f\u00fcr Asmodee ausgegeben hat (und trotz aller Erfolge noch nicht eingespielt sind). Wenn ja, w\u00e4re Embracer mit einem Verkauf auf einen Schlag alle Schulden los UND h\u00e4tte mit Asmodee sogar zumindest einen kurzzeitigen Gewinn erzielt. Was das f\u00fcr Asmodee bedeuten w\u00fcrde, bleibt offen, denn das h\u00e4ngt vom K\u00e4ufer ab. Doch die Umstrukturierungen lassen dieses Szenario erst einmal unwahrscheinlich wirken &#8211; au\u00dfer Embracer will noch sch\u00f6nere Zahlen produzieren, bevor ein K\u00e4ufer gesucht wird. Vermutlich hat <em>Embracer<\/em> aber wohl noch was mit Asmodee vor, immerhin ist es der Teil, der l\u00e4uft.<\/p>\n<p>Was das f\u00fcr <em>Asmodee<\/em> oder die Brettspielszene bedeutet ist v\u00f6llig offen. Ich pers\u00f6nlich bin wenig optimistisch. Die Bef\u00fcrchtungen von 2014 sind zur\u00fcckgekehrt; Wenn ein Konglomerat wie Asmodee scheitert, bleibt das nicht ohne Folgen. Nat\u00fcrlich sind die ersten Leidtragenden die direkt angeschlossenen Verlage, die dann vermutlich erst einmal geschlossen w\u00fcrden bzw. ohne Kapital und\/oder Personal dastehen. Aber auch die Partnerverlage m\u00fcssen sich dann neu aufstellen, da zumindest Vertrieb, Presse und Lokalisation f\u00fcr andere L\u00e4nder wieder selbst organisiert werden m\u00fcssen. Ggf. m\u00fcssen St\u00fcckzahlen neu kalkuliert werden, wenn es doof l\u00e4uft sind mehr Spiele produziert worden, als jetzt verkauft werden k\u00f6nnen und das bringt dann auch Partnerverlage schnell in finanzielle Schieflagen. Und das ist nur Deutschland. An Asmodee h\u00e4ngt ja noch deutlich mehr dran: Da sind ganze Abteilungen f\u00fcr Forschung (Asmodee Research hat einen Vortrag auf der Educators Fair in Essen gehalten) und Markenpflege in anderen Medien besch\u00e4ftigt, Asmodee USA hat ein eigenes Entwicklungsstudio. Hier wird sicherlich so oder so der Rotstift von Embracer angesetzt (Was brauchen wir Forschung?), aber es sind eine gro\u00dfe Anzahl an Arbeitspl\u00e4tze gef\u00e4hrdet. F\u00fcr den Kunden werden viele Titel nicht mehr so ohne weiteres verf\u00fcgbar sein und auch f\u00fcr die Spieleschaffenden wird es unangenehm, wenn ggf die Rechtelage unklarer wird oder Titel nicht produziert oder zumindest nicht weiter beworben sondern nur abverkauft werden.\u00a0 Das Beben w\u00e4re vergleichbar mit dem Verlagssterben Ende der 90er Jahre. Ich sagte ja, dass ich pessimistisch bin.<\/p>\n<p>ciao<\/p>\n<p>peer<\/p>\n<p>F\u00fcr die Zahlen danke ich Mike von Boardgamewire @boardgamewire.bsky.social<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2014 erwarb Eurazeo Asmodee und mit dem neuen Kapital wurde ordentlich eingekauft: Einige Verlage wurden gekauft (Mayfair, FFG), andere fusionierten mit Asmodee (Days of Wonder) und andere gingen feste Partnerschaften ein, blieben aber autonom. 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