{"id":24586,"date":"2023-10-29T17:07:12","date_gmt":"2023-10-29T15:07:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=24586"},"modified":"2023-10-29T17:07:12","modified_gmt":"2023-10-29T15:07:12","slug":"ihr-spielt-das-falsch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2023\/10\/29\/24586\/","title":{"rendered":"Ihr spielt das falsch!"},"content":{"rendered":"<p>In <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2023\/08\/30\/24439\/\">irgendeiner<\/a> vergangenen Redebedarffolge erz\u00e4hlte Georgios, dass er vor kurzem nacheinander <em>Agricola<\/em> und <em>The pursuit of happiness<\/em> gespielt hat und er meinte, er mag <em>Agricola<\/em> nicht so, weil man da hinten rum optimieren muss. Er spiele lieber <em>Pursuit of Happines<\/em>, weil man sich da eher am Thema orientiert und man einfach das erwirbt, was man &#8220;thematisch&#8221; haben m\u00f6chte. Leider sahen seine Mitspielenden das genau anders herum, was ihn etwas ratlos zur\u00fccklie\u00df. Ich kann das gut nachvollziehen, mir geht es oft bei Spielen <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2023\/06\/11\/24269\/\">mit (vermeidlich) negativen Spieleementen \u00e4hnlich<\/a>, die andere Leute manchmal deutlich anders wahrnehmen als ich. Es ist immer schade, wenn Spiele, die man echt gern spielt, von anderen &#8220;falsch&#8221; gespielt werden&#8230;<\/p>\n<p>Beim beschriebenen Fall <em>Agricola\/Pursuit of Happiness<\/em> kann man prinzipiell zwei Herangehensweisen beobachten: Den<em> narrativen Ansatz<\/em> und den <em>Punkteoptimieransatz<\/em>. Bei letzteren wird das Thema v\u00f6llig ausgeblendet und es geht nur darum, die Punkteausbeute zu maximieren. Bei ersterem geht es dagegen darum sich von den Punkten \u00fcberhaupt nicht leiten zu lassen, sondern nur von dem, was man gerne machen w\u00fcrde, w\u00e4re das Spiel Realit\u00e4t oder zumindest eine gute Geschichte. Wie immer liegt auch hier die Wahrheit irgendwo in der Mitte\u00a0 &#8211; die meisten Leute werden ihr Spielverhalten irgendwo zwischen den beiden Extremen anordnen, zum Teil auch abh\u00e4ngig vom pr\u00e4sentiertem Spiel. Die Unterschiede sind dabei aber gro\u00df genug um Diskussionen aufkommen zu lassen, ob die Hunger-Strategie bei<em> Stone Age<\/em> jetzt besonders unthematisch ist und deshalb das Spiel kaputt macht oder wie ethisch es ist bei <em>Supremacy<\/em> den Atomkrieg anzufangen, weil man nicht mehr gewinnen kann und es so wenigstens auch niemand anderes mehr tut. Oder eben ob man bei <em>Agricola<\/em> oder bei <em>Pursuit<\/em> am Ende eher Punkte oder seinen Lebenstraum optimiert.<\/p>\n<p>Das Spiel (bzw. die Spieleschaffenden dahinter) k\u00f6nnen eine gewisse Richtung mit den Regeln und dem Setting vorgeben, sie k\u00f6nnen versuchen den Spielenden mitzuteilen, was sie f\u00fcr den &#8220;richtigen&#8221; Ansatz halten &#8211; so gehe ich davon aus, dass der Atomkrieg eher eine Drohung denn ein Werkzeug darstellen sollte &#8211; doch die schlichte Wahrheit ist, dass die Spielenden sich ihre Interpretation und ihr Spielerlebnis selbst schaffen. Oder klarer formuliert: Es gibt im objektiven Sinne kein &#8220;richtig&#8221; oder &#8220;falsch&#8221;. Die Spielenden konstruieren ihr Spielerlebnis, auch wenn sie es auf dem Regelwerk und Setting eines Spieles tun.<\/p>\n<p>Diese Freiheit schafft Konflikte, wenn unterschiedliche Anschauungen aufeinandertreffen, wenn die eine Interpretation mit einer anderen kollidiert und daf\u00fcr sorgt, dass der Spa\u00df f\u00fcr Teile der Gruppe gemindert wird. Tats\u00e4chlich kann selbst die eigene Interpretation, wie ein Spiel gespielt werden &#8220;will&#8221;, den eigenen Spa\u00df mindern: Wer jedes Drafting ganz automatisch zum Hate-Drafting umfunktioniert, Hate-Drafting aber ablehnt, wer gegen dem eigenen Impuls Punkte optimiert oder ohne Not oberriskante Spielz\u00fcge macht, weil das Spiel das angeblich verlangt, nimmt sich selbst einen Teil des Spa\u00dfes &#8211; und gibt dem seelenlosen Spiel die Schuld daf\u00fcr.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde gerne diesen Blogpost mit einem weisen Ratschlag aufl\u00f6sen, wie man das alles umgehen kann, aber leider gibt es da keine L\u00f6sung. Die Freiheit, dass Spielende ein Spiel f\u00fcr sich interpretatieren bringt es zwangsl\u00e4ufig mit sich, dass sie es auch auf eine Art und Weise interpretieren, die ihrem eigene Spa\u00df oder dem der Gruppe zuwiederl\u00e4uft. Diese Gefahr steigt mit der Anzahl an Freiheitsgraden, die ein Spiel mit sich bringt, je restriktiver ein Spiel, desto weniger kann es unterschiedlich gespielt werden, desto weniger ist spielspa\u00dfkontrapoduktes Verhalten die &#8220;Schuld&#8221; der Spielenden\u00a0 Doch gerade die Freiheit eines Spieles, auf unterschiedliche Art und Weisen angegangen zu werden, macht einen Gutteil des Spielreizes aus (Hier Spiderman-zitat einf\u00fcgen). Mit der Gefahr, ein Spiel auf den falschen Fu\u00df zu erwischen, wird man leben m\u00fcssen &#8211; was besser funktioniert, wenn man sich ab und an hinterfragt, ob man ein Spiel anders interpretiert &amp; gespielt nicht mehr genie\u00dfen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>ciao<\/p>\n<p>peer<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In irgendeiner vergangenen Redebedarffolge erz\u00e4hlte Georgios, dass er vor kurzem nacheinander Agricola und The pursuit of happiness gespielt hat und er meinte, er mag Agricola nicht so, weil man da hinten rum optimieren muss. 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