{"id":2411,"date":"2011-10-09T13:43:20","date_gmt":"2011-10-09T11:43:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=2411"},"modified":"2011-10-12T14:27:54","modified_gmt":"2011-10-12T12:27:54","slug":"der-zweck-heiligt-die-mittel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2011\/10\/09\/2411\/","title":{"rendered":"Der Zweck heiligt die Mittel?"},"content":{"rendered":"<p>Fr\u00fcher konnte man ein einigerma\u00dfen gutes Gewissen haben, wenn man sagte: &#8220;In der Spieleszene werden Spielideen nicht geklaut, man muss keine Angst haben&#8221;. Heute kann man das <em>Anf\u00e4ngern<\/em> auch noch sagen. Was etablierte Spiele betrifft, hat sich der Wind allerdings leicht gedreht, wie man an drei j\u00fcngeren Beispielen sieht (Kunterbunt\/Dobble lasse ich mal au\u00dfen vor, da ich da eher von einer Paralellsch\u00f6pfung als von Absicht ausgehen. Ich habe mich <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2010\/11\/27\/1895\">hier <\/a>mit dem Fall besch\u00e4ftigt) :<\/p>\n<p>1.) Das erste Beispiel passt auf den ersten Blick nicht unbedingt, aber bald ergibt sich ein Muster: <em>Ruhm f\u00fcr Rom<\/em> erschient k\u00fcrzlich in diversen L\u00e4ndern, u.a. in Deutschland. <em>Uchronia<\/em> ist nun fast dasselbe Spiel mit minimalen \u00c4nderungen und wurde als &#8220;besseres Ruhm f\u00fcr Rom&#8221; angek\u00fcndigt. Nun kann man sagen: Wenn der Autor (Carl Chudyk) sich quasi selbst kopiert und dasselbe Spiel zwei Verlagen anbietet, hat das nichts mit Plgiaten zu tun. Das ist aber nur zum Teil richtig. Zum einen ist Chudyk anscheinend nicht der einzige Autor. Zum anderen ging es anscheinend speziell darum, gerade so viel zu \u00e4ndern, dass die beiden Spiele hinreichend unterschiedlich sind. (Die Darstellung von Ed Carter findet sich <a href=\"http:\/\/www.boardgamegeek.com\/thread\/678899\/cgf-gtr-october-2004-to-june-2007\">hier<\/a> (englisch), leider keine Gegenseite).<\/p>\n<p><em>2.) Full M\u00e9tal Plan\u00e9te<\/em> ist was man als &#8220;Kultspiel&#8221; bezeichnen k\u00f6nnte. Es gilt als hervorragendes Spiel und anders als bei anderen Kultspielen\u00a0 wird es keine Neuauflage geben, weil sich die Autoren untereinander zerstritten haben. In die Bresche springt jetzt der TV Verlag mit Autor Rainer Habekost (H\u00e4ndler von Full Metal Teilen, also ein Spezialist f\u00fcr das Spiel). Der hat das Spiel <em>TF 22<\/em> angek\u00fcndigt und das macht aus seiner Verwandschaft keinen Hehl. In der Ank\u00fcndigung hei\u00dft es &#8220;At its core,<em>TF22<\/em> <strong>is the same<\/strong> as <em>Full M\u00e9tal Plan\u00e8te<\/em>, but a review of the rules shows <strong>enough differences<\/strong> to consider it a reimplementation of that design. (Hervorrehebung von mir)&#8221; Auch hier geht es also wieder darum, &#8220;genug&#8221; zu \u00e4ndern, um ein eigenst\u00e4ndiges Spiel vor sich zu haben. Ob das gelungen ist, kann ich nicht beurteilen, <a href=\"http:\/\/www.boardgamegeek.com\/thread\/702762\/new-full-metal-planete\">hier <\/a>wird dar\u00fcber gestritten, ob es zu 85%, 90% oder 95% dem Urspiel entspricht (ebenfalls englisch). Eine interessante Variante ist die Rechtfertigung -auch einiger Spieler &#8211; dass eine solche Kopie schon irgendwie Ok ist, da das Urspiel ja nicht mehr verf\u00fcgbar wird. Das mit so einer Argumentation das Recht des Autoren \u00fcber sein Werk zu bestimmen (und eben auch zu entscheiden es nicht mehr zu ver\u00f6ffentlichen) mit F\u00fc\u00dfen getreten wird, liegt auf der Hand. Und warum eine solche Argumentation zumindest kurzsichtig ist, zeigt der n\u00e4chste Fall:<\/p>\n<p>3.) Das Spiel <em>Packeis am Pol<\/em> hat zwei Autoren, die sich daf\u00fcr entschieden, die Lizenz f\u00fcr die russische Variante nicht (mehr) an Zvezda (in Deutschland nennen die sich <em>Sirius<\/em> und werden von Hutter Trade vertrieben) zu vergeben (siehe <strong>Nachtrag 1<\/strong>). Nach dem Motto &#8220;Wir k\u00f6nnen das Spiel leider nicht mehr liefern, da die Autoren das nicht wollen und daher machen wir unsere eigene Version, die gerade genug abweicht&#8221; (kein Zitat, <a href=\"http:\/\/boardgamegeek.com\/thread\/701349\/whats-wrong-with-this-cover\/page\/1\">aber nicht weit von der Wahrheit<\/a> entfernt) brachte der Verlag seine eigene Version heraus und verwendet exakt dasselbe Argument wie in Fall 2. Die \u00c4nderung in diesem Fall: Ein Hai, der zuf\u00e4llig Schollen frisst. Auswirkungen auf den Spielverlauf: Sehr gering.<\/p>\n<p>Wie oben versprochen ergeben die F\u00e4lle ein Muster: Es handeln sich jeweils um erfolgreiche Spiele (Neulinge brauchen also nach wie vor keine angst zu haben, ihren Proto an einen Verlag zu geben), es wird immer explizit auf die Vorlage verwiesen (so dass es unstrittig ist, dass es ums nachmachen ging und es sich nicht um Parallelsch\u00f6pfungen handelte) und es wurde immer versucht das Spiel leicht abzuwandeln.<\/p>\n<p>Generell ist es nat\u00fcrlich immer eine Frage, ab wann ein Spiel mit anderen Regeln als eigenst\u00e4ndiges Spiel gilt. F\u00fcr mich ist h\u00e4ngt es am Spielgef\u00fchl: Wenn die Regeln \u00e4hnlich sind UND das Spielgef\u00fchl ist identisch, sind die Spiele nicht wirklich unterschiedlich (kleine Regel\u00e4nderungen k\u00f6nnen ja gro\u00dfe Wirkungen haben). Insbesondere ist der Kernmechanismus interessant &#8211; ist der gleich geblieben, ist es mit hoher Sicherheit ein Plagiat. Nun sind alle drei F\u00e4lle ja gerade so umgebaut, dass das Spielgef\u00fchl und das grunds\u00e4tzliche Regelger\u00fcst unangetestet blieb &#8211; darum ging es ja. Die Regel\u00e4nderungen fallen da bestenfalls unter &#8220;Bearbeitung eines Werkes&#8221; ergeben aber kein neues Werk. Wie man es dreht und wendet: Das ist ein Verhalten, das man verurteilen muss. Alle Autoren entscheiden \u00fcber ihr Werk, nicht ein einzelner, nicht der Verlag und auch nicht Vox Populi.<\/p>\n<p>Das eigentliche Problem geht aber tiefer: Im Zeichen der Internationalisierung wird es solche Spiele noch h\u00e4ufiger geben. Der Wettstreit unter Verlagen ist h\u00e4rter \u00a0 geworden und verlorene Lizenzen tun weh. Den Autoren sind die H\u00e4nde gebunden &#8211; zu unterschiedlich (und unsicher) ist die Rechtslage in den unterschiedlichen L\u00e4ndern, zu aufwendig ist es Rechtstreits im Ausland zu f\u00fchren. Die Autoren sind hier tats\u00e4chlich praktisch hilflos.<\/p>\n<p>Was kann man tun? Nun, da ist das Internet hilfreich und die Community, die doch unterm Strich altruhistisch eingestellt ist und durchaus einem Verlag mit derartigen Praktiken boykotieren k\u00f6nnte. Obs ausreicht darf aber bezweifelt werden. Mithelfen m\u00fcssen die Verlage und Vertriebe die mit schwarzen Schafen nicht mehr zusammenarbeiten. Auch hier fehlen aber noch Strukturen und Selbstverpflichtungen. Doch wie soll das konkret aussehen?\u00a0 Ich bitte um Vorschl\u00e4ge!<\/p>\n<p>Nachtrag 1: Wie mir mitgeteilt wurde, war die Sachlage etwas anders, was anber unterm Strich nichts \u00e4ndert. Hier die korrekte Darstellung: Zvezda ist der russische Betriebspartner von Phalanx. Die Autoren entschlossen sich das Spiel k\u00fcnftig an Fantasy Flight zu lizensieren (statt Phalanx). Und die haben einen anderen Vertriebspartner in Russland. Es ist aber nicht so, dass sich die Autoren bewusst gegen Zvezda entschieden h\u00e4tten.<\/p>\n<p>ciao<\/p>\n<p>peer<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fr\u00fcher konnte man ein einigerma\u00dfen gutes Gewissen haben, wenn man sagte: &#8220;In der Spieleszene werden Spielideen nicht geklaut, man muss keine Angst haben&#8221;. Heute kann man das Anf\u00e4ngern auch noch sagen. Was etablierte Spiele betrifft, hat sich der Wind allerdings leicht gedreht, wie man an drei j\u00fcngeren Beispielen sieht (Kunterbunt\/Dobble lasse ich mal au\u00dfen vor, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_feature_clip_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":false,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2},"jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[1],"tags":[63],"class_list":["post-2411","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-1","tag-urheberrecht"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2411","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2411"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2411\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2425,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2411\/revisions\/2425"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2411"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2411"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2411"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}