{"id":23731,"date":"2022-11-20T15:32:46","date_gmt":"2022-11-20T13:32:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=23731"},"modified":"2022-11-22T14:32:41","modified_gmt":"2022-11-22T12:32:41","slug":"talenscouting-per-crowdfunding","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2022\/11\/20\/23731\/","title":{"rendered":"Talenscouting per Crowdfunding?"},"content":{"rendered":"<p>Autorenwettbewerbe sind eine gro\u00dfartige Sache.<\/p>\n<p>Wer schon eine Weile in der Szene unterwegs ist und die n\u00f6tigen Kontakte hat, bringt vielleicht nicht jedes Spiel an den Verlag,\u00a0 aber hat zumindest die M\u00f6glichkeit Prototypen herumzuzeigen. Verlage sind aus verst\u00e4ndlichen Gr\u00fcnden eher geneigt sich mit Prototypen von etablierten Autor*innen zu besch\u00e4ftigen, als mit denen von Neulingen. Das aber macht es diesen schwerer einen Fu\u00df in die T\u00fcr zu bekommen. Wettbewerbe sind da eine gute Sache, weil man auf sich aufmerksam machen kann. Oft sind zudem die Eingangsbedingungen restriktiver und das kann bei der Fokussierung helfen &#8211; ich habe schon das eine oder andere Spiel aufgrund eines Wettbewerbes erfunden (z.B. <em>Taschkent<\/em>).<\/p>\n<p>Autorenwettbewerbe sind aber auch immer ein bisschen mit Vorsicht zu genie\u00dfen.<\/p>\n<p>In der Vergangenheit gab es immer wieder Wettbewerbe mit eher undurchsichtigen Teilnahmebedingungen. Insbesondere im Punkto Urheberrecht muss -vor allem bei ausl\u00e4ndischen Wettbewerben, wo die Rechtslage u.U. anders ist- genau hingeschaut werden. Was passiert mit den Prototypen nach dem Wettbewerb? Wenn das Gewinnerspiel ver\u00f6ffentlicht wird, was sind die Vertragsbedingungen? Nach deutschem Recht verliert man das Urheberrecht am eigenen Werk nicht, aber es gab schon Wettbewerbe, bei denen man den Veranstaltern automatisch lange Exklusivrechte einr\u00e4umen musste, ohne dass dies klar kommuniziert wurde.<\/p>\n<p>Also: Wettbewerbe: Unbedingt! Aber:\u00a0 Nicht um jeden Preis.<\/p>\n<p>Ravensburger <a href=\"https:\/\/www.ravensburger.de\/start\/the-next-big-family-game\/index.html\">hat nun einen Wettbewerb gestartet<\/a> und wie man vom Schwergewicht der Branche erwarten kann, sind aus meiner Perspektive die Urheberrechtlichen Fragen gut erl\u00e4utert. Die Jury ist kompetent besetzt. Das Autorenhonorar ist mit 10% sogar gro\u00dfz\u00fcgig hoch&#8230; was daran liegt, dass es eigentlich kein Autorenhonorar ist, sondern eine Lizenzgeb\u00fchr. Das macht stutzig. Und das nicht nur, weil Lizenzgeb\u00fchren von Spielen (also wenn ein Verlag ein Spiel eines anderen Verlages machen m\u00f6chte &#8211; in der Regel in einer anderen Sprache) zumindest nach meiner Erfahrung deutlich h\u00f6her ausfallen. Von wem lizensiert Ravensburger denn?<\/p>\n<p>Genau genommen vom Autoren. Denn die Jury w\u00e4hlt nur die Finalisten aus. Diese starten nun eine Crowdfunding-Kampagne auf <em>Gamefound<\/em> (Gamefound ist der Partner in diesem Wettbewerb). Kampagnenziel ist 30.000\u20ac, die muss das Spiel einsammeln, um produziert zu werden. Dabei kann die Kampagnenausgabe von der &#8220;Retail&#8221;-Version von Ravensburger abweichen. Mit anderen Worten: Die Teilnehmer:innen crowdfunden und produzieren (mit Hilfe von Gamefound wohl) das Spiel, dass Ravensburger dann produziert. Daher sind die 10% Lizenzgeb\u00fchren, kein Autorenhonorar. Offenkundig ist das ganze nicht nur ein Autorenwettbewerb, sondern auch eine Art Gamefound-Workshop. Die angehenden Autor:innen m\u00fcssen also nicht nur eine gute Idee haben, sie m\u00fcssen (so wie ich das verstehe) auch ein Spiel produzieren und vor allem eine Kampagne managen. Das ist schon der Level eines Eigenverlages. Zudem ist nicht gew\u00e4hrleistet, dass Ravensburger tats\u00e4chlich das Spiel produziert &#8211; die Kampagne muss nicht nur erfolgreich sein, sie muss unter den erfolgreichen auch die Kampagne sein, mit den meisten Backern.<\/p>\n<p>Nun kann man argumentieren, dass wenn man es geschafft hat, ein Spiel mit 30.000 \u20ac Fundingziel erfolgreich zu produzieren, auch ein St\u00fcckweit auf den Vertrag verzichten kann, da man ja bereits einen gewissen Erfolg hatte. Doch zum einen ist das nat\u00fcrlich auch eine Frage wie knapp man kalkuliert hat und ob man \u00fcberhaupt eigenes Honoroar eingepreist hat (so ganz klar ist es nicht, wie sich die 30.000 EUR errechnen, nur dass dies eben die H\u00fcrde ist. Offenkundig muss das Spiel produziert werden, wenn die Backer ihr Geld gegeben haben &#8211; oder? Der Teil geht nicht klar hervor) Zum anderen kann ich nicht obhin festzustellen, dass Ravensburger hier sehr viel an die Teilnehmenden abgibt: Die Jury w\u00e4hlt 3 vielversprechende Vorschl\u00e4ge aus &#8211; Prima! Aber die eigentliche Entscheidung wird auf die Backer abgeschoben. Ein Gewinner wird von Ravensburger eigentlich nicht gek\u00fchrt. Und das Angebot ein Spiel in einer Auflage von 10.000 zu produzieren, dass bereits von einigen Redakteuren (inkl. dem Hauseigenen) begutachtet wurde UND bereits eine erfolgreiche Kampagne inkl. Finanzierung hinter sich hat, ist kein sehr risikobehaftetes. Verlage scouten regelm\u00e4\u00dfig erfolgreiche Crowdfundingprodukte, hier sind nur die Wege k\u00fcrzer und Ravensburger hat Erstzuschlagsrecht. Das ist schon sehr clever gemacht. Auf der anderen Seite schult Gamefound Autor:innen, die potentiell sp\u00e4ter dann eigene Idee per Crowdfunding selbst ver\u00f6ffentlichen &#8211; nat\u00fcrlich auf Gamefound. So wird Gamefounds Seite gegen\u00fcber dem gro\u00dfen Konkurrenten Kickstarter gest\u00e4rkt.<\/p>\n<p>Das Angebot ist nicht unseri\u00f6s, aber ich finde es ein bisschen schwierig, einen &#8220;Autorenwettbewerb&#8221; zu starten, wo das Gewinnerspiel bereits Erfolg auf dem Markt gehabt haben muss. Das geht am Gedanken der Nachwuchsf\u00f6rderung bzw. der Entdeckung von neuen Talenten vorbei. Wer eine so gro\u00dfe Kampagne managen kann, hat vermutlich bereits einschl\u00e4gige Erfahrung und\/oder eine gewisse Fanbasis. Und k\u00f6nnte potentiell mehr als 10% Lizenzgeb\u00fchren herausschlagen.<\/p>\n<p>ciao<\/p>\n<p>peer<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autorenwettbewerbe sind eine gro\u00dfartige Sache. 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