{"id":234,"date":"2007-09-01T16:21:51","date_gmt":"2007-09-01T14:21:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2007\/09\/01\/234"},"modified":"2007-09-01T16:21:51","modified_gmt":"2007-09-01T14:21:51","slug":"der-wuestenlose-planet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2007\/09\/01\/234\/","title":{"rendered":"Der w\u00fcstenlose Planet"},"content":{"rendered":"<p>Vor etwa 15 Jahren habe ich eines der besten SF-B\u00fccher \u00fcberhaupt gelesen: Der W\u00fcstenplanet von Frank Herbert. Ich kann mich nicht mehr an alle Details erinnern &#8211; dazu ist es zu lange her &#8211; aber ich erinner mich noch an ein faszinierendes Gemenge von Philosophie, Verschw\u00f6rungen, verschiedensten Fraktionen und ziemlich genialen Pl\u00e4nen. Wie sagte ein Schulfreund damals: &#8220;Was mich beeindruckt, ist wie <em>intelligent <\/em>die alle sind: Aus einer Geste werden ganze Pl\u00e4ne abgeleitet und entsprechende Gegenma\u00dfnahmen ergriffen. Der Gegner jedoch hat diese Geste mit Absicht gemacht, um die Gegenma\u00dfnahmen zu verursachen und dann zu kontern. Faszinierend&#8230;&#8221;<br \/>\nJedenfalls hat mir das Buch damals so gut gefallen, dass ich auch die Folgeb\u00fccher gelesen habe. Und das war z.T. nicht gerade ein Vergn\u00fcgen. Bei Band 5 hab ich die Segel gestrichen &#8211; der hatte wirklich nichts mehr mit dem ersten Buch zu tun. Schon gar nicht in Punkto Lesequalit\u00e4t.<\/p>\n<p>Warum ich das erz\u00e4hle? Nun, es gibt ein Spiel zum Buch &#8211; genaugenommen sogar zwei, aber ich rede hier nicht von der Parker-Filmumsetzung, sondern von der &#8220;echten&#8221; Buchumsetzung von Eberle\/Kittredge\/Olotko (dem Eon-Team), die sp\u00e4ter bei Avalon Hill erschienen ist &#8211; und dieses Spiel kann mit Fug und Recht zu den Meilensteinen der Spielegeschichte gez\u00e4hlt werden.<br \/>\nWarum?<br \/>\nDas besondere an dem Spiel aus spielerischer Sicht ist die dichte Umsetzung der Geschehnisse aus dem Buch auf das Spielbrett. Alle wichtigen Fraktionen kommen vor und haben dieselben St\u00e4rken, Schw\u00e4chen und Interessen wie in dem Buch. Die Wesentlichen Handlungsstr\u00e4nge des W\u00fcstenplaneten finden sich ebenfalls wieder: W\u00fcrmer, das Spice, alles da.<br \/>\nAus spielmechanischer Sicht ist das besondere dass sich die Fraktionen v\u00f6llig unterschiedlich spielen (es gibt sogar unterschiedliche Siegbedingungen), dabei aber alle Beteiligten dieselben Siegchancen haben. Das Spiel ist also v\u00f6llig ausgeglichen. Hinzu kommt noch eine ungew\u00f6hnliche M\u00f6glichkeit zu gemeinsamen B\u00fcndnis-Siegen, die den Spielverlauf sehr flexibel macht. Sind in vielen Spielen bestimmte Handlungsverl\u00e4ufe \u00fcblich, gleichen die Partien &#8220;Dune&#8221; selten einander.<br \/>\nKombiniert ergibt sich eine sehr dichte Spielathmosph\u00e4re. Das Spiel dauert zwar seine Zeit, doch alle sind involviert, es bleibt normalerweise spannend bis zum Schlu\u00df (auch durch die verschiedenen Siegbedingungen) und die <em>Story <\/em>zum Spiel entwickelt sich. Dune ist eines der wenigen Beispiele bei denen thematische Umsetzung und Mechansmus auf h\u00f6chsten Niveau angesiedelt sind.<br \/>\nLeider ist das Spiel schon lange OoP.<\/p>\n<p>Fantasy Flight Games hat nun die Rechte f\u00fcr die spielerische Neuauflage bekommen und diese f\u00fcr 2008 angek\u00fcndigt. Tolle Nachrichetn f\u00fcr alle Vielspieler, besonders f\u00fcr diejenige, die das Urspiel nicht haben. Zudem steht der Name dieser Firma f\u00fcr eine deutliche Verbesserung des Spielmaterials. Alles eitel Sonnenschein?<br \/>\nLeider nicht. Denn was FFG nicht bekommen hat sind die Rechte an der Buchvorlage. Daher m\u00fcssen sie die Handlung des Spieles in das Twillight Imperium-Universum versetzen. <\/p>\n<p>Und damit sind wir beim Thema des heutigen Blogs.<\/p>\n<p>Es ist ein Ph\u00e4nomen dass in Deutschland der Mechanismus eines Spieles i.A. als wichtiger angesehen wird, als die thematische Umsetzung, w\u00e4hrend in den USA oft das Gegenteil gilt. Entsprechend wurde die o.s. Meldung in den USA mit &#8220;Dann bringt die ganze Umsetzung nichts!&#8221; kommentiert und in Deutschland mit &#8220;Schade. Aber das Spiel ist auch so gut.&#8221; Es bleibt aber eine interessante Frage: Ist es wirklich wichtig, dass &#8220;Dune&#8221; auf dem Originalw\u00fcstenplanet spielt oder reicht ein &#8220;Ersatzw\u00fcstenplanet&#8221; mit anderem Namen aus? Bei vielen Spielen w\u00fcrde sich die Frage gar nicht stellen, im konkreten Fall, ist das Spiel ja aber gerade wegen der tollen Umsetzung bekannt geworden.<br \/>\nUm die Diskussion zu vereifachen w\u00e4hle ich mal ein ausgedachtes Beispiel: <\/p>\n<p>Nehmen wir an das Spiel &#8220;Der Ringkrieg&#8221; h\u00e4tte dasselbe Problem. Das Spiel wird ins Warcraft-Universum versetzt und die Namen von Figuren und Orten etc. entsprechend angepasst. H\u00e4tte das Einflu\u00df auf das Spielgeschehen? H\u00e4tten wir ein schlechteres Spiel vor uns?<\/p>\n<p>Nun, die Mechanismen sind dieselben geblieben. Ein schlechtes Spiel kann da kaum entstehen, denn zuvor war es ein gutes Spiel. Aber einige Mechanismen w\u00fcrden den Spieler, der das Original nicht kennt, eher verwirren als helfen. Thementreue dient ja auch als Anker, um bestimmte Mechanismen zu verstehen, \u00e4ndert sich das Thema f\u00e4llt das weg. Ein Spieler w\u00fcrde sich (zu Recht) \u00fcber die Gemeinschaft wundern, die irgendwie wichtiger zu sein scheint, als der eigentliche Krieg. Ganz zu schweigen von der merkw\u00fcrdigen Doppelbedeutung des einen Artefaktes, der irgendwie Segen und Fluch zugleich ist. Beides sorgt f\u00fcr zus\u00e4tzliche Regeln ohne das Spiel im falschen Universum weiterzubringen. Im richtigen tolkienischen Universum sind diese Details dagegen essentiell &#8211; ohne sie w\u00fcrde etwas fehlen. <\/p>\n<p>Entsprechendes gilt f\u00fcr den W\u00fcstenplaneten: Sicherlich die Fraktionen k\u00f6nnen andere Namen bekommen. Doch damit geht ein St\u00fcck Athmosph\u00e4re verloren (zumindest f\u00fcr die Fans der B\u00fccher) und die Einstiegsh\u00fcrde wird auch erh\u00f6ht: Wer die B\u00fccher kannte, wusste was sich hinter den Fraktionen verbarg. Jetzt muss man zus\u00e4tzlich zu den Regeln auch lernen, was die Zakata-Fritz (oder wie die auch hei\u00dfen werden) eigentlich auszeichnet.<br \/>\nZwei Dinge zeichnen den W\u00fcstenplaneten aus: Das fantastische Spielsystem und die Themenn\u00e4he. Letzteres f\u00e4llt leider notgedrungen weg (*). Ist eine Neuauflage unter dieser Pr\u00e4misse \u00fcberfl\u00fcssig?<br \/>\nIch meine nein, denn ersteres bleibt erhalten. Das Spiel verliert, das ist unbenommen. Aber auch wenn die Neuauflage vielleicht nicht den Status des Urspieles erreichen kann, so ist es doch immer noch ein sehr gutes Spiel. Darauf w\u00fcrde ich nicht verzichten wollen, nur weil es ein besseres gibt. Es bleibt auch die Frage ob die Athmosph\u00e4re unwiederbringlich verloren ist; Bei vielen Computerfu\u00dfballspielen ohne Bundesligalizenz spielt man mit verballhornten Namen, die sich i.A. ohne M\u00fche (per Editor) rekonstruieren lassen. Ich wei\u00df nicht wie die Neuauflage aussehen wird, halte es aber f\u00fcr wahrscheinlich, dass Spieler statt Zakata-Fritz vielleicht doch &#8220;Bene Gesserit&#8221; sagen werden&#8230;<\/p>\n<p>Aber wie es auch aussehen mag: Man sollte ein Spiel erst schlechtreden (oder hypen), wenn es erschienen ist. Und das dauert noch ein Jahr&#8230;.<\/p>\n<p>ciao<br \/>\npeer<\/p>\n<p>(*) Es gibt eine Online-Petition mit dem Ziel, dass FFG vielleicht doch die Rechte bekommt. Ich glaube kaum, dass sowas von Erfolg gekr\u00f6nt ist, habe aber trotzdem unterschrieben. Heuchelei oder Hoffnung? ;-)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor etwa 15 Jahren habe ich eines der besten SF-B\u00fccher \u00fcberhaupt gelesen: Der W\u00fcstenplanet von Frank Herbert. Ich kann mich nicht mehr an alle Details erinnern &#8211; dazu ist es zu lange her &#8211; aber ich erinner mich noch an ein faszinierendes Gemenge von Philosophie, Verschw\u00f6rungen, verschiedensten Fraktionen und ziemlich genialen Pl\u00e4nen. 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