{"id":23125,"date":"2022-05-01T12:01:53","date_gmt":"2022-05-01T10:01:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?p=23125"},"modified":"2022-05-01T12:57:50","modified_gmt":"2022-05-01T10:57:50","slug":"worte-worte-nichts-als-worte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2022\/05\/01\/23125\/","title":{"rendered":"Worte, Worte, nichts als Worte"},"content":{"rendered":"<p>Um ein kompetitives Spiel gut spielen zu k\u00f6nnen, ben\u00f6tigt man bekannterma\u00dfen bestimmte Kompetenzen. Man muss wissen wie man eine Spielsituation richtig liest. Das bedeutet, man muss wissen wie man die Entscheidung f\u00e4llt, die einen n\u00e4her ans Ziel bringt. Ab und an muss man vielleicht auch das Verhalten der Konkurrenz beurteilen und vorausschauend planen, um nicht auf dem falschen Fu\u00df erwischt zu werden.<\/p>\n<p>Diese F\u00e4higkeiten k\u00f6nnen viele Spieler*innen auch in so einige kooperativen Spielen zielf\u00fchrend einbringen. Allerdings unterscheiden sich kooperative Spiele nicht nur darin, wer am Ende alles gewonnen oder verloren hat. Sie fordern auch andere F\u00e4higkeiten von den Spieler*innen ein als jene, die sie in kompetitiven Spielen bereits zu Gen\u00fcge ge\u00fcbt haben.<\/p>\n<p>Die meisten davon haben mit sogenannten soft skills zu tun. In einigen Kreisen wird dies als Sozialkompetenz abgebucht.<\/p>\n<p>Im Mittelpunkt der meisten kooperativen Spiele steht die Absprache mit den anderen. Das ist auch einer der Gr\u00fcnde weshalb irgendeine Form der Kommunikationseinschr\u00e4nkung in sehr, sehr vielen Vertretern des Genres vorhanden ist. Mal darf man \u00fcberhaupt nicht miteinander reden und in anderen ist es nur erlaubt auf sehr genau durch die Regeln bestimmte Art Wissen miteinander zu teilen.<\/p>\n<p>Wer sich schon l\u00e4nger in der Szene aufh\u00e4lt, wird wissen, dass kooperative Spiele ohne diese Einschr\u00e4nkungen vor allem unter dem gef\u00fcrchteten \u201eAlphaspieler\u201c-Problem leiden. Die Situation in der sich ein Spieler aufschwingt, um den anderen zu sagen was sie tun m\u00fcssen, um das Spiel zu gewinnen.<\/p>\n<p>Solche Spielerlebnisse sind fast immer entt\u00e4uschend, ganz unabh\u00e4ngig davon, ob man das Spiel am Ende gewonnen hat oder nicht. Man f\u00fchlt sich in solchen Partien oft so als h\u00e4tte man gar nicht selbst beigetragen, sondern war lediglich der verl\u00e4ngerte Arm des \u201eAlphaspielers\u201c. Einige haben vielleicht das gesamte Spielgenre aufgegeben, weil man darin entweder gar nicht miteinander reden darf oder einfach nur macht was man gesagt bekommt.<\/p>\n<p>Dabei kann die Ursache daf\u00fcr auch sein, dass die F\u00e4higkeiten, die in einem kooperativen Spiel ben\u00f6tigt werden eben doch nicht identisch zu denen sind, die in einem kompetitiven Spiel zu einer positiven Spielerfahrung f\u00fchren.<\/p>\n<p>Eine davon setzt voraus, dass man zwischen unterschiedlichen Gespr\u00e4chsformen wechseln kann und auch erkennen kann, in welcher man sich gerade befindet. Anders gesagt, man muss w\u00e4hrend des Gespr\u00e4chs erkennen k\u00f6nnen welches Ziel und welchen Zweck das laufende Gespr\u00e4ch hat und wie man das eigene Verhalten sinnvoll daran anpassen kann.<\/p>\n<figure id=\"attachment_23128\" aria-describedby=\"caption-attachment-23128\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-23128 size-medium\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Worte-Worte-2-300x206.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"206\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-23128\" class=\"wp-caption-text\">Besser R\u00fccken an R\u00fccken&#8230; als &#8220;hab ich doch gesagt&#8221;<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Unterschied zwischen Diskussion und Debatte ist hier der vielleicht griffigste Ansatz. Fr\u00fcher oder sp\u00e4ter wird man in einem kooperativen Spiel an den Punkt gelangen an dem unterschiedliche Ansichten aufeinander treffen. Nun gibt es im kooperativen Spiel (und auch im Leben) unterschiedliche M\u00f6glichkeiten mit anderen Ansichten umzugehen. Man kann sie zum Beispiel ignorieren. In einer gemeinsamen Aktivit\u00e4t wie einem Spiel, ist das jedoch eher unh\u00f6flich und f\u00fchrt lediglich dazu, dass jemand schwer gekr\u00e4nkt ist.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte auf einem Bein h\u00fcpfend seinem Metzger des Vertrauens eine Zuckerzange mit den Worten \u201eNimm das, du schmieriger Freimaurer-Arsch\u201c wuchtig ins Nasenloch rammen. Aber au\u00dfer Freunden ausgefallenen britischen Humors wird man auch hier nur wenig Zustimmung finden.<\/p>\n<p>Oder man kann miteinander reden.<\/p>\n<p>Das Gespr\u00e4ch nun kann man wahlweise als Diskussion oder Debatte begreifen und so seine Ausrichtung ver\u00e4ndern. In einer Diskussion versucht man die gegenseitigen Ansichten zu verstehen und vielleicht auch den eigenen etwas besser zu erfassen. Wir reden nicht miteinander, um Recht zu bekommen. Wir reden, um uns besser zu verstehen und zu verstehen wie unser Gegen\u00fcber \u00fcber etwas denkt. Frei nach Habermas ist Erkenntnis hier das oberste Ziel, welches durch die Diskussion erreicht werden kann.<\/p>\n<p>Allerdings spielen sich kooperative Spiele nicht in dem man lediglich miteinander redet. F\u00fcr gew\u00f6hnlich ben\u00f6tigt es irgendwann eine Entscheidung. Idealerweise ist es eine Entscheidung, die alle tragen k\u00f6nnen und wollen.<\/p>\n<p>Hier nun tritt der \u201eAlphaspieler\u201c zu Tage. Dieser versteht die stattfindende Diskussion eben als Debatte. Genauer gesagt als argumentativen Wettstreit in dem es darum geht die faktisch zutreffende, taktisch richtige und strategisch kl\u00fcgste Ansicht zu bestimmen. Das muss zwar nicht zwingend die eigene sein, aber es sind vor allem Spieler, die von der Unfehlbarkeit der eigenen Ansicht \u00fcberzeugt sind, die zum \u201eAlphaspieler\u201c aufsteigen.<\/p>\n<p>Das Ziel ist dabei nicht unbedingt falsch. Selbstverst\u00e4ndlich geht es darum eine Entscheidung zu f\u00e4llen, welche dazu f\u00fchren wird eine Niederlage zu verhindern. Es ist lediglich der Weg der Debatte, der hier zu Schwierigkeiten f\u00fchrt. In einem kompetitiven Spiel baut das positive Erfolgserlebnis immer auf Selbstbestimmung. Es sind nicht Zufall oder Fremdeinwirkung (vgl. K\u00f6nigsmacher), die zum Sieg gef\u00fchrt haben. Es waren die eigenen Entscheidungen.<\/p>\n<p>Vergleichbares l\u00e4sst sich auch im kooperativen Spiel festhalten. Es ist nicht die leidenschaftlich gef\u00fchrte Debatte, auf der das positive Spielerlebnis fu\u00dft. Das erinnerungsw\u00fcrdige Spielerlebnis setzt nicht voraus, dass man argumentiert und rechtfertigt weshalb Option 1 der richtige Weg ist und Option 2 nur Tod, Verderben und tr\u00fcbes Leitungswasser einbringt.<\/p>\n<p>Stattdessen legt das kooperative Spielerlebnis den Konsens als Fundament f\u00fcr das positive Spielerlebnis voraus. Eine Diskussion, das hei\u00dft eine Erkennen und Verstehen unterschiedlicher Ansicht, ist daf\u00fcr der erste Schritt. Es verdeutlicht die unterschiedlichen Blickwinkel, welche erst durch das Spiel mit anderen vorhanden sind. Zwischen diesen Ansichten gilt es nun im Rahmen des gemeinsamen Spiels die gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche \u00dcberschneidung zu finden.<\/p>\n<p>Konsens treibt das kooperative Spiel voran, so wie auch die selbst gef\u00e4llt Entscheidungen den Motor f\u00fcr das kompetitive Spiel liefern. Sind sind der Grund weshalb sich ein Erfolg \u201everdient\u201c anf\u00fchlt und das Spielerlebnis zu einer positiven Erfahrung macht. Ein kooperatives Spiel verlangt von seinen Spieler*innen nicht nur diskutieren zu k\u00f6nnen, statt nur zu debattieren, sondern den Konsens mit den anderen aktiv zu suchen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um ein kompetitives Spiel gut spielen zu k\u00f6nnen, ben\u00f6tigt man bekannterma\u00dfen bestimmte Kompetenzen. 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